Mensch-Maschine

Interview mit Michael Fassbender zu Prometheus - Dunkle Zeichen

Wir kennen ihn splitternackt, abgemagert, sexsüchtig, als Superhelden, als Psychiater, als englischen Lord, als Nazijäger. In Prometheus gibt Michael Fassbender einen persönlichkeitsstarken Androiden - und stiehlt mit wohlgesetzten Gesten sogar den riesigen Aliens die Show.

Die Zeiten, als Kritiker ihn für einen Verwandten des legendären deutschen Filmemachers Rainer Werner Fassbinder hielten (wahre Geschichte!) sind noch nicht sooo lang vorbei - mittlerweile aber hat der 35-jährige Ire seinen eigenen Fixplatz im Kino-Universum. Im wahrsten Sinne des Wortes: Für Ridley Scott düste er als Androide Lichtjahre tief ins All - SKIP traf den smarten Superstar in London.

SKIP: Ridley Scott hat der Filmgeschichte bereits einige höchst bemerkenswerte Androiden hinzugefügt, wie etwa Ian Holms Ash in Alien oder Sean Youngs Replikantin in Blade Runner. Wie haben Sie es angelegt, Ihrem Hightech-Roboter Dave einen ganz eigenen Stempel aufzudrücken?

Michael Fassbender: Ich habe versucht, möglichst wenige andere Film-Androiden anzusehen. Statt dessen hab ich mich auf andere mögliche Inspirationsquellen gestürzt. Lawrence von Arabien ist eine davon, das sieht man ja auch im Film. Ursprünglich hatte ich die Idee, Dave mit südafrikanischem Akzent sprechen zu lassen. Das fand ich total interessant. So überzeugt war ich davon, dass ich es am nächsten Tag Ridley so vorgespielt habe. Er hat erst mal gelacht, und ich hab gesagt: "Nein, ich meine das Ernst!" Ich konnte an seinen Augen ablesen, dass er sich gedacht hat: "Mein Gott, was ist das wieder für ein Scheiß. Ich habe Millionen Dinge im Kopf und der kommt mir mit sowas daher." (lacht)

SKIP: Und die Idee mit Daves Frisur? Kam die von Ihnen?

Michael Fassbender: Als er sich die Haare färbt? Nein, das war auch Ridleys Einfall. Genauso wie seine Plastik-Flipflops. Ich wollte ursprünglich barfuß gehen - aber er hatte Recht, dieses irritierende Geräusch, das er mit diesen Schlapfen macht, das ist einfach perfekt.

SKIP: Wie ist generell die Arbeit mit Ridley? Ist er so genial, wie viele sagen, oder so schwierig, wie manch andere klagen?

Michael Fassbender: Also schwierig war er sicher nicht. Fordernd, klar, aber das muss er ja sein. Und es ist erstaunlich, zu erleben, wie unter seiner Leitung in dieser Größenordnung mit soviel Hingabe so perfekt gearbeitet wird. Ridley kennt sich überall aus und schafft überall an, vom künstlerischen Bereich bis zur Ausstattung, vom Schauspielerischen bis zur Kamera. Und dennoch wirkt er nie gestresst, schafft eine entspannte, vergnügliche Atmosphäre.

SKIP: Wie schafft man es, so ein großes Projekt unter Kontrolle zu halten?

Michael Fassbender: Das Besondere an ihm ist, dass er es schafft, ständig in jeder Abteilung den Überblick zu haben. Abgesehen davon ist er auch ein gewiefter Businessman. Er hat immer ein Auge aufs Budget und schaut, dass das nicht aus dem Rahmen gerät. Andere Regisseure scheren sich um sowas wenig. Man darf ja nicht vergessen, dass er sich das alles selbst beigebracht hat, er ist Multitalent und ein echter Autodidakt. Sein Enthusiasmus und seine Leidenschaft sind sehr beeindruckend.

SKIP: Sie haben den Hungerstreikenden, den Sexsüchtigen gespielt, nun den Roboter - mögen Sie es, als Schauspieler auch physisch ans Limit gehen zu müssen?

Michael Fassbender: Ja, absolut. Als ich Mitte Zwanzig war, hab ich von nichts anderem geträumt, als von der Schauspielerei leben zu können. Und jetzt ist so viel mehr daraus geworden. In diesem Business arbeiten zu können, ist ein Traum. Und bei allem, was ich mache, möchte ich an die Grenzen gehen. Man hört auch nie auf, dazuzulernen. Man darf sich nie zurücklehnen.

SKIP: Es ist erst vier Jahre her, dass wir Sie in Cannes zu Ihrer Hauptrolle in Steve McQueens Hunger interviewt haben, der ja sozusagen ihr Durchbruch war. Haben Sie sich an den Starrummel inwischen schon gewöhnt?

Michael Fassbender: Rummel erlebe ich seltsamerweise keinen. Und ich bin in einer Position, wo ich mt den allerbesten Leuten arbeiten kann. Das ist toll, ich kann nicht klagen!

SKIP: Haben Sie manchmal Angst, zu sehr präsent zu sein?

Michael Fassbender: Ja, deshalb habe ich letztes Jahr auch nichts gemacht. Daran sind auch meine Freunde Schuld. Die wollten sich nicht mehr mit mir treffen: "Michael, weißt du, wir können dich echt nicht mehr sehen. Du bist einfach überall!" Also habe ich mich ein bisschen zurückgezogen.

Interview: Gini Brenner / Mai 2012

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