Wetten, dass ... ?

Interview mit Stephen Frears zu Lady Vegas

Stephen Frears ist Spezialist für unorthodoxe Filme: Von Mein wunderbarer Waschsalon über Gefährliche Liebschaften, High Fidelity und Die Queen bis zu Lady Vegas macht er aus guten Stoffen außergewöhnliche Filme. Ein SKIP-Interview mit dem Briten über Frauen, Glücksspiel und Wunder.

SKIP: Haben Sie Beth Raymer, die Vorlage für die Protagonistin im Film, kennengelernt?

Stephen Frears: Ja, ich habe mich mit ihr angefreundet, während das Drehbuch fertigwurde. Sie ist genau wie das Mädchen im Film: etwas albern und sehr, sehr clever. Mittlerweile ist sie aber nicht mehr im Wettgeschäft, sie ist Autorin.

SKIP: Was hält sie vom Film?

Stephen Frears: Sie hat lauter nette Dinge gesagt, aber es ist wohl nicht ganz einfach für sie, sich quasi selbst dargestellt auf der Leinwand zu sehen (lacht).

SKIP: Sie haben sehr oft weibliche Hauptfiguren in ihren Filmen - von Die Queen bis zu Immer Drama um Tamara. Hat das einen speziellen Grund?

Stephen Frears: Ach, fragen Sie doch einen Psychoanalytiker (lacht)!  Vielleicht finde ich sie einfach spannender. Die Frauen,
die ich kenne, sind alle sehr, sehr interessant. Frauen sind subversiver, sie sind politisch komplexer. Die Gesellschaft zwingt sie dazu, so reagieren sie auf ihre Erziehung: Sie werden schlecht behandelt, also werden sie zu interessanteren Menschen.

SKIP: Wie ist es Ihnen denn gelungen, Catherine Zeta-Jones zu dieser unfassbaren Frisur zu überreden? Sie sieht kaum aus wie sie selbst!

Stephen Frears: (grinst) Das hat zum Glück jemand anderer für mich erledigt. Aber sie ist eine echte Schauspielerin und eine vernünftige Frau. Sie will ja nicht ihr ganzes Leben lang das selbe wieder und wieder spielen - sie ist ja keine Idiotin.

SKIP: Rebecca Hall kennen wir sonst als elegante Britin, Bruce Willis als Actionhelden - macht es Ihnen Spaß, Schauspieler gegen den Strich zu besetzen?

Stephen Frears: Ich mache das nicht mit Absicht, Bruce schien mir einfach der richtige für die Rolle. Wenn man einen Film macht, der so anders ist als andere Filme, tut man einfach, was zu tun ist. Für mich sind solche Entscheidungen immer sehr logisch und offensichtlich.

SKIP: Mich hat sehr beeindruckt, dass es Ihnen gelungen ist, einen Film über das Spielgeschäft zu machen ohne ...

Stephen Frears: ... ohne George Clooney?

SKIP: Nein, ohne sich auf all die unzähligen Las-Vegas-Filme der Filmgeschichte zu beziehen. Mögen Sie die Stadt?

Stephen Frears: Ich muss sagen, ich finde sie nicht besonders interessant. Mich interessieren die Leute, die hinter den Kulissen leben und arbeiten. Und als ich die Menschen hinter den Fassaden kennenlernte, wurde auch die Stadt für mich spannend. Die Casinos selbst finde ich fürchterlich langweilig.

SKIP: Können Sie aber trotzdem die Anziehungskraft nachvollziehen, die das Spielen und Wetten auf viele Menschen ausübt?

Stephen Frears: Die glauben eben an Wunder, nicht? Die glauben, dass wie in einem Märchen irgendwann Geld vom Himmel fällt. Ich denke aber nicht, dass das Leben so funk­tioniert.

Interview: Magdalena Miedl / Juli 2012

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