Goldbär

Interview mit Seth MacFarlane zu Ted

Mit den subversiven Zeichentrickserien Family Guy und American Dad mischt Seth McFarlane seit Jahren unseren Fernsehabend auf. Jetzt schlüpft er mit Motion Capture und viel dreckigem Schmäh in die Rolle eines rüpelhaften Teddybären - der sich als pures Box-Office-Gold erweist.

SKIP: Wie schon deine TV-Serien ist Ted voll schräger popkultureller Bezüge. Was magst du daran so?

Seth MacFarlane: Ich beziehe mich eben auf das, womit ich aufgewachsen bin. Diese Nostalgie macht Spaß, weil sie uns und das Publikum auch verbindet. Das ist ganz typisch für Comedy heutzutage, und das gibt es vor allem seit Die Simpsons: Dadurch wirken sogar Zeichentrickfiguren realer, wenn sie gemeinsame Erfahrungen mit ihren Zuschauern haben.

SKIP: Du arbeitest hier mit vielen Leuten zusammen, die alte Bekannte für dich sind: Ryan Reynolds, die halbe Family Guy-Truppe ...

Seth MacFarlane: Ja, Ryan Reynolds ist ein Freund, der auch bei Family Guy schon dabei war, er hat einen sehr guten Sinn für Selbstironie. Ich mag es, wenn ich mit Leuten arbeite, denen ich vertrauen kann, und für meinen Debütfilm war mir das besonders wichtig. Wir haben in Nebenrollen großartige Comedians wie Patrick Warburton und Alex Borstein, und sogar Norah Jones, mit der ich vor Jahren schon einmal einen Song aufgenommen habe.

SKIP: Und was für ein hübscher Zufall, dass Mila Kunis, die seit 13 Jahren bei Family Guy dabei ist, inzwischen eine so tolle Kinokarriere hingelegt hat!

Seth MacFarlane: Ja, da haben wir eindeutig auf das richtige Pferd gesetzt! (lacht)

SKIP: Einige Schmähs in Ted sind weit unter der Gürtellinie. Gibt es eine Grenze, die du nicht unterschreiten würdest?

Seth MacFarlane: Wenn wir schreiben, arbeiten wir in einer freien Zone, in der alles erlaubt ist, egal wie untergriffig. Wenn etwas wirklich nicht witzig, sondern nur gemein ist, dann gibt es immer jemanden im Team, der einen einbremst. Um diese Grenze zu finden, braucht es ein Gegenüber.

SKIP: Als Ted im Film machst du sogar einen 9/11-Witz - dabei hast du deine eigene dramatische 9/11-Geschichte ...

Seth MacFarlane: Ja, ich war auf den ersten Flieger gebucht, der ins World Trade Center eingeschlagen ist. Ich hatte am Vorabend an meinem alten College einen Vortrag gehalten, war etwas verkatert, und dann hatte mir auch noch mein Reisebüro eine falsche Uhrzeit gesagt. Ich bin also wie ein Irrer zum Flughafen gerast, aber ein paar Minuten zu spät gekommen, das Gate war schon geschlossen. Also hab ich in der Lounge auf den Elf-Uhr-Flug gewartet, bin eingnickt – und als ich aufwachte, war die Hölle los.

SKIP: Hats lange gedauert, sich von dem Schock zu erholen?

Seth MacFarlane: Weißt du, ich kann das schon mit gewisser Distanz betrachten. Ich meine, ich habe keine Sekunde lang gedacht, ich wäre vom Schicksal verschont worden, um irgendeinen höheren Sinn zu erfüllen. So ein Gedanke sagt viel mehr über das eigene Ego aus als über einen angeblichen Schöpfer. Ich soll von Gott verschont worden sein, weil Er wollte, dass ich einen Teddybärenfilm mache? Das ist doch eher unwahrscheinlich.

Interview: Magdalena Miedl / Juli 2012

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