Batman Forever

Interview mit Christian Bale zu The Dark Knight Rises

Es war viele Wochen vor dem schrecklichen Attentat während der The Dark Knight Rises-Mitternachtspremiere in Aurora, Colorado, als Christian Bale SKIP zum Exklusiv-Interview traf - und so sprach er mit uns noch ganz unbefangen über seinen letzten Kino-Auftritt als Superheld im Fledermauskostüm, und warum der dunkle Ritter für ihn immer mehr sein wird als nur eine Comic-Figur: Denn Batman geht es nie nur um seine eigenen Befindlichkeiten. Und das ist es, was ihn auch in der wirklichen Welt relevant macht.

SKIP: Sie waren jetzt in drei Filmen Batman. Bleibt man als Schauspieler auf so einer Rolle nicht leicht hängen?

Christian Bale: Ich kann meine Rollen ganz gut von meiner Persönlichkeit trennen. Und genauso, wie ich versuche, an jede Figur so heranzugehen, als wäre es die allererste, die ich spiele, versuche ich auch, sie nicht auf mein Leben übergreifen zu lassen. Es ist mein Job, sie zu spielen, nicht umgekehrt.

SKIP: 2005 haben Sie das Batman-Kostüm zum ersten Mal getragen. Wie war das, es jetzt zum letzen Mal anzuziehen?

Christian Bale: Meine Güte … als ich es zum ersten Mal probiert habe, war mein erster Gedanke: „F*ck, Chris Nolan muss die Rolle neu besetzen!“ Ich konnte nicht atmen, nicht denken, es fühlte sich viel zu eng an, furchtbar klaustrophobisch. Ein Panikanfall kündigte sich an, wenn nicht ein Nervenzusammenbruch. Dann hab ich tief durchgeatmet, mir 20 Minuten Auszeit genommen und bin einfach nur dagestanden und hab gedacht: „Verdammt, ich würde diesen Film aber wirklich gern machen, ich schaffe das!“ Irgendwie gings dann. Genauso wie Bruce Wayne den Batsuit ständig verbessert, haben wir das auch getan. Und dann, gegen Ende der Dreharbeiten zu diesem Film, bin ich nach meiner letzten Szene als Batman in der Garderobe gesessen, und es dämmerte mir: „Das wars jetzt! Ich werde mir diese Maske nie wieder vom Kopf reißen!“ Und nochmal hab ich um 20 Minuten für mich allein gebeten – aber diesmal, um diesen Moment auszukosten. Ich war stolz, auf das, was wir hier gemacht hatten – ich hatte noch nie zuvor dreimal dieselbe Figur gespielt, und diese drei Filme haben mein Leben und meine Karriere verändert.

SKIP: Ist für Sie das Superheldentum durch diese Filme irgendwie „menschlicher“ geworden? Nachvollziehbarer? Bruce Wayne ist ja privat ein recht gebrochener Mann …

Christian Bale: Schon, ja. Zumindest denke ich jetzt, dass Heldentum erstens etwas sehr Altruistisches ist, und zweitens meist dort stattfindet, wo man es nicht erwartet. Helden sehen eben nicht aus wie … Superman (lacht). Man muss immer hinter die Oberfläche schauen. Es heißt nicht umsonst „Stille Wasser sind tief.“ Bruce Wayne ist hier in der Tat sehr nah an meiner eigenen Erfahrung: Gerade bei den Leuten, von denen man es am wenigsten erwartet, sind die spannendsten Geschichten versteckt. Dinge, die sie leidenschaftlich versuchen, zu verbergen. Wie eben bei Bruce Wayne (grinst).

SKIP: The Dark Knight Rises scheint in mehreren Aspekten sehr nah an der heutigen Realität angelehnt, wie sehr war Ihnen das beim Dreh bewusst?

Christian Bale: 100%. Genau das mag ich ja so an Chris’ Filmen, dass sie, egal, welchem Genre sie angehören, immer Stellung beziehen und am Puls der Zeit sind. Es gab, während wir gedreht haben, einige heftige Occupy Wall Street-Zwischenfälle, nur wenige Blocks von unserem Set entfernt. Aktionen, die denen im Film seltsam ähnlich waren. Chris konnte nicht wissen, dass das passieren würde, als er das Skript schrieb, zu der Zeit gabs ja noch nicht mal das Occupy-Thema! Und Batman selbst ist ja bereits 1939 von Bob Kane erfunden worden als Statement zur politischen Situation seiner Welt, die damals an der Schwelle zum Zweiten Weltkrieg stand. Er war immer eine Figur mit sehr viel Bezug zur Realität.

Interview: Kurt Zechner / Februar 2012

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