In einem unbekannten Land

Interview mit Markus Imhoof zu More Than Honey

Bee & we. Der Schweizer Regisseur Markus Imhoof zeigt in seiner aufsehenerregenden Doku die Honigbiene aus vielen Perspektiven - und präsentiert geradezu unglaubliche Erkenntnisse. SKIP sprach mit ihm über Majas beeindruckende Verwandtschaft.

SKIP: Herr Imhoof, könnten wir rein theoretisch ohne Bienen überleben?

Markus Imhoof: Eventuell irgendwie, aber es wäre ziemlicher Irrsinn - und wer sollte vor allem die Arbeit, die die Bienen leisten, bezahlen? In Teilen Chinas wird tatsächlich schon von Menschenhand bestäubt, aber chinesische Arbeitskräfte kosten so wenig, dass man sie wie Bienenschwärme in die Bäume setzen kann. Das ist aber ein reiner Verzweiflungsakt, weil es dort teilweise keine Bienen mehr gibt. In Österreich könnten Sie für den Job höchstens das Bundesheer im Frühling zum Bestäuben schicken (lacht). Eure Truppenstärke würde dafür aber bei weitem nicht ausreichen.

SKIP: Sie stammen aus einer Imkerfamilie - hat es etwas gegeben, was Sie bei der Recherche zu dem Film trotzdem noch überrascht hat?

Markus Imhoof: Naja, zunächst mal hätte ich nicht gedacht, dass ich das mit den Bienen und den Blumen, also dass Pflanzen nur Sex durch Vermittlung haben können, so genau erklären muss - erstaunlich vielen ist das aber gar nicht mehr bewusst. Aber ich selbst habe beim Dreh natürlich auch viel Neues gelernt. Dass die Bienen in diese Mega-Monokulturen extra mit Riesentrucks hingekarrt werden z.B. und dort auch gezielt alle "falschen" Pflanzen mit massivsten Unkrautvertilgungsmitteln vernichtet werden, damit die Bienen nur ja nur das bestäuben, wofür sie "bezahlt" werden, das ist schon ein Hammer.

SKIP: Wären die sogenannten Killerbienen Ihrer Meinung nach eine mögliche Zukunftshoffnung für uns?

Markus Imhoof: Brasilien ist mit den Killerbienen zum viertwichtigsten Honigproduzenten der Welt aufgestiegen. Anfangs war das mit den Tieren natürlich eine Katastrophe, die auch Menschenleben gefordert hat. Mittlerweile weiß man aber, wie eine friedliche Koexistenz möglich ist. Diese Bienen lassen eben nicht alles mit sich anstellen, was mir ja sehr sympathisch ist. Momentan ist nur noch unklar, wie sie in kälteren Gebieten zurande kommen. Im dichtbesiedelten Europa würden sich mit Killerbienen natürlich größere Probleme als in Brasilien ergeben. Letztendlich ist dieses Thema aber nur eine Chiffre für das generelle Problem: Alle Bienen, die vielleicht ein bisschen aggressiver sind, werden ja schon in der Zucht ausgeschieden - es ist der Stolz jeden Imkers, ohne Schleier arbeiten zu können. Das macht die Bienen aber auch extrem empfindlich, und das ist ein Thema, das einfach fast nie angesprochen wird. Auch in Österreich ist es in vielen Gebieten etwa schlicht verboten, eine andere Biene als die gängige Carnica zu halten. Das ist ja durchaus eine tolle Biene, aber diese stets geforderte Rassenreinheit bei Bienen ist eigentlich ein Schwachsinn. Hauptziel sollte vielmehr die Gesundheit sein.

SKIP: Ist Honig Diebstahl?

Markus Imhoof: (lacht) Nein, wir dürfen schon weiter Honig essen, finde ich. Allerdings sollten wir ganz genau schauen, was da auf dem Etikett steht.

Interview: Kurt Zechner / August 2012

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