Nummer 7 lebt!

Interview mit Michael Schindegger zu Nr. 7

Vor neun Jahren hat Michael Schindegger eine SKIP-Reise nach L.A. gewonnen. Damals erzählte er uns von seinem Ziel, beim Film zu landen. Jetzt sitzt er uns als Doku-Regisseur gegenüber: So stolz waren wir schon lang nicht mehr bei einem Interview!

SKIP: Was war dein Ausgangspunkt für diesen Film über ein Haus?

Michael Schindegger: Dass ich mein ganzes Leben lang in diesem Haus gewohnt habe, in dieser Wohnung im zweiten Bezirk. Und es hat mir zu denken gegeben, dass ich jetzt von dort wegziehen werde und die anderen Leute dort praktisch gar nicht kenne. Das wurde dann auch eine sich selbst befruchtende Motivation: Ich habe mir vorgenommen, einen Film darüber zu machen, und so hatte ich auch Veranlassung, über meinen Schatten zu springen und einfach mal überall anzuläuten und den Leuten zu sagen, dass ich sie kennenlernen möchte.

SKIP: Das Haus wird ja mehrheitlich von jüdischen Familien bewohnt, oder bekommt man nur im Film den Eindruck?

Michael Schindegger: Nein, ich hab zwar natürlich viele rausgelassen, die ich auch gefilmt hab, aber es ist schon so, dass die Mehrheit eindeutig jüdisch ist. Meine Familie ist das aber nicht. Es gab auch Leute, die gar nicht vor die Kamera wollten, was ja auch vollkommen legitim ist.

SKIP: Wie bist du damit umgegangen?

Michael Schindegger: Ich hab natürlich nicht gleich lockergelassen. Wenn wer wirklich nicht wollte, hab ich aber selbstverständlich auch niemanden gezwungen. Es ist ja recht amüsant, wenn man sagt, man dreht einen Dokumentarfilm, dann denken ja generell die meisten an die TV-Sendung Universum und meinen, man sei Tierfilmer. Viele wundern sich, dass man Dokumentationen auch mit Menschen drehen kann (lacht).

SKIP: Wie hast du dir generell mit dem Religiösen getan, das ist ja teilweise doch recht streng orthodox, was du da erlebst, das stelle ich mir recht schwierig in der Begegnung vor ...

Michael Schindegger: Also einerseits ist das Jüdische für mich, so wenig ich auch konkret drüber gewusst habe vorher, doch etwas recht Vertrautes, weil es durch das Wohnen in diesem Haus immer präsent war. Als Community leben die Juden aber teilweise schon auch sehr abgeschlossen für andere. Mir gefällt sehr gut, wie sehr dort die Kinder im Zentrum stehen und wie viel Aufmerksamkeit die bekommen. Und ich kann mich zum Beispiel nicht erinnern, dass sich in diesem Haus irgendwer mal drüber aufgeregt hätte, dass wer laut ist. Ich meine, wir waren immerhin ein Haushalt mit zur Spitzenzeit fünf Burschen, da ging es manchmal schon ordentlich rund. In dem Haus, in das meine Frau und ich nun kürzlich gezogen sind, hat sich bereits in den ersten Tagen wer beschwert, weil wir angeblich zu laut gehen in der Wohnung (lacht).

SKIP: In einer der köstlichsten Szenen sieht man, wie deine rumänischen Schwiegereltern auf Besuch nach Wien kommen, und die haben das komplette Auto voller Lebensmittel angefüllt, so als würden sie in ein Entwicklungsland kommen. Ist das immer so?

Michael Schindegger: (lacht) Ja, schon. Das ist dort ganz normal, dass man, wenn man wohin kommt, von zu Hause alle guten Sachen mitbringt. Manchmal übertreiben sie dabei ein wenig, klar. In Rumänien kannst du aber generell nirgends hinkommen, ohne irgendetwas mitzubringen, das wäre unmöglich dort.

SKIP: Wir kennen uns noch aus dem Jahr 2003, als du als Absolvent der Graphischen Wien mit deinen Kollegen den SKIP-Schulklassencontest gewonnen hast und mit uns eine Woche in L. A. warst - und damals gemeint hast, du willst unbedingt in die Filmbranche. Was ist seither in deinem Leben passiert?

Michael Schindegger: Naja, kurz nach dieser Reise hab ich angefangen, auf der Filmakademie Kamera zu studieren. Jetzt kürzlich hab ich meinen Diplomfilm gedreht, bei dem auch die Nina Proll mitgespielt hat. Und wie es in dem Bereich üblich ist, hab ich halt schnell auch begonnen, parallel zu jobben, bei Spielfilmen, Werbung etc. und bin seit zwei Jahren auch selbständiger Kameramann (u. a. für Ed Moschitz' Doku Mama illegal, Anm).

Interview: Kurt Zechner / September 2012

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.