Gangster, Frauen, Liebe

Interview mit Bruce Willis zu Banditen!

Bruce Willis konnte als Actionstar sein Image erfolgreich ändern. Jüngstes Beispiel: die Krimikomödie Banditen. SKIP-Korrespondentin Elisabeth Sereda traf den Superstar.

SKIP:In Banditen spielen Sie einen cleveren Bankräuber. Haben Sie in Wirklichkeit auch schon einmal etwas gestohlen?

Bruce Willis: Ich bin immer noch dabei, langsam erwachsen zu werden, daher habe ich noch nichts Wertvolles geklaut.

SKIP: Und als Kind?

Bruce Willis: Bonbons. Von Babies ... (lacht) ... Ich scherze. Ich glaube allerdings fest an die Faszination des Verbrechens ohne selbst eines begangen zu haben. Obwohl ja das Hauptthema unseres Film nicht die Banküberfälle sind. Die dienen eigentlich nur als Background für die Lovestory. Banditen ist eine romantische Komödie. Meine und Billy Bob Thorntons Rolle sind zwei echten Charakteren nachempfunden, die in den Siebzigerjahren Banken ausgeraubt haben. Aber hauptsächlich geht es um die Liebesgeschichte und die Verrücktheiten von zwei Freunden, die sich in dieselbe Frau verlieben.

SKIP: So eine Art modernes Jules und Jim?

Bruce Willis: Einige Kritiker haben unseren Film damit verglichen, ja.

SKIP: Die Musik spielt in Banditen eine große Rolle. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu Musik? Ist es immer noch Ihr geheimer Wunsch, als Rockstar erfolgreich zu werden?

Bruce Willis: Ich liebe nach wie vor laute Musik. Rock & Roll, Dance-Music. Irgendwo tief in mir drin steckt vermutlich ein verhinderter Rocker. Ich verwende Musik auch, um mich auf gewisse Szenen vorzubereiten, besonders dann, wenn es sich um schwere, emotionale Szenen handelt. In diesem Film gibt's natürlich so viel Tolles am Soundtrack, dass ich nicht weiter suchen musste. Ein Film ohne Musik ist ja überhaupt schwer vorstellbar.

SKIP: Der Film hat mit seiner "Eighties Music" bei mir nostalgische Gefühle ausgelöst. Wer hat schließlich damals nicht bei Bonnie Tylers 'Total Eclipse of the Heart' laut mitgegrölt. Gibt es in Ihrem Leben Songs, die sie laut in der Dusche gesungen haben?

Bruce Willis: Ich versuche seit 10 Jahren einen Song namens 'Wildfire' in einem meiner Filme unterzubringen. In Banditen rede ich sogar darüber. Als ich ein Teenager war, war ich verrückt nach diesem Song. Es ist ein sehr emotioneller Song für mich. Barry (gemeint ist der Banditen-Regisseur Barry Levinson, Anm. d. Red.) war freundlich genug, mir zu erlauben, ihn wenigstens im Dialog unterzubringen, aber leider hat er es wieder nicht auf den Soundtrack geschafft. 'Wildfire' wurde von Michael Murphey geschrieben und handelt von einem Pony namens Wildfire.

SKIP: Ein Ponysong?

Bruce Willis: (lacht) ... Ja, genau, ein Ponysong! Ein wenig dumm, ich weiß. Aber ich mag dumme, romantische, kindische Lieder. Und - genau wie Sie sagen - ich singe sie in der Dusche ... (Pause) ... Nein! Hier singe ich sie jetzt nicht! In der Dusche singe ich all die Songs, für die ich mich außerhalb der Dusche genieren müsste. Macht doch jeder, oder?

SKIP: Im Film kann sich Cate Blanchett nicht zwischen Ihnen und Billy Bob Thornton entscheiden, weil sie feststellt, dass nur beide gemeinsam den perfekten Mann ergeben. Drehen wir das Ganze um: hatten Sie dieses Gefühl schon einmal bei zwei Frauen?

Bruce Willis: (lacht) ... Ich könnte es unglücklicherweise nicht auf zwei beschränken. Mich faszinieren an verschiedenen Frauen verschiedene Dinge. Aber ich sitze auch nicht herum und warte, bis sich diese positiven Eigenschaften auf eine Frau vereinen. Das wäre ja ganz schön realitätsfremd.

SKIP: Apropos Frauen, haben Sie zur Zeit eigentlich eine Freundin?

Bruce Willis: Nein. Ich habe mir ein Jahr beziehungsfrei genommen. Frauen verwirren mich immer noch genauso wie eh und je. Ich habe es aufgegeben, zu versuchen, sie zu verstehen. Ich akzeptiere sie jetzt, wie sie sind. Das mache ich ja auch bei Männern. Ich versuche nur, keine Urteile mehr abzugeben. Und natürlich - auch wenn ich noch so oft betone, dass ich kein Romantiker bin - so glaube ich doch an Romantik, irgendwo in meinem Herzen lebt sie noch. Als ich jünger war, war ich dem Mythos von Liebe und Romantik verfallen. Heute bin ich weiser. Ich kenne den Unterschied zwischen Mythologie und Realität. Die Mythologie wird vom Fernsehen, von Songs, von Werbung, von Romanen und von Filmen geschaffen, in denen sie dir alle einreden wollen, dass es nur eine Person für dich gibt, und wenn du sie findest, dann lebst du bis zum Ende deiner Tage als glücklicher Mensch. Aber das hat mit der Wahrheit nichts zu tun.

SKIP: Sagen Sie das auch Ihren Töchtern?

Bruce Willis: Noch nicht. Natürlich versuche ich ihnen als ihr Vater ein gutes Vorbild zu sein. Was mich aber nicht davon abhalten wird, ihnen demnächst zu verraten, was 15-jährige Jungs wirklich denken.

SKIP: Ihre älteste Tochter hat in Striptease mitgespielt, ihre jüngste in Der scharlachrote Buchstabe, und Scout, die mittlere, ist jetzt in Banditen zu sehen. Die meisten Schauspieler verbieten ihren Kindern, diesen Beruf zu ergreifen. Sind Sie da anderer Meinung?

Bruce Willis: Nein, ich will auch nicht, dass sie diesen Beruf ergreifen, bevor sie 18 sind und sich wirklich entscheiden können. Aber sie betteln immer darum, und daher haben ihre Mutter und ich eine neue Regel aufgestellt: sie dürfen nur in Filmen mitspielen, die Demi (gemeint ist Demi Moore, von der Bruce Willis getrennt lebt, Anm. d. Red.) oder ich machen. Und dann nur, wenn gerade Ferien sind. Meine Tochter Scout hat - wie Sie gesehen haben - ein besonderes Talent: sie rülpst jeden aus dem Zimmer. Und das passte perfekt in die Szene.

SKIP: Verstehen Sie, dass Menschen von der Welt der Medien und von Stars wie Ihnen so fasziniert sind?

Bruce Willis: Dieses Fasziniertsein von Stars geht doch in erster Linie auf eure Rechnung, auf die Rechnung der Journalisten, die über das Leben eines Stars schreiben. Ich glaube nicht, dass die Faszination so gigantisch wäre, wenn die Medien nicht regelmäßig über uns berichten würden. Und daraus beziehen die Menschen dann ihre Informationen und formen eine Meinung über jemanden, den sie noch nie getroffen haben. Aber es besteht nun einmal ein Riesenunterschied zwischen mir, dem Schauspieler, den man aus bestimmten Filmen kennt, und mir als Person. Ich bin ein Vater. Ich bin ein guter Freund. Ich versuche mein Leben als guter Mensch zu leben.

SKIP: Sie drehen schon seit einigen Jahren keine Action-Movies mehr. Aber wie sehen Sie als ehemaliger Actionstar die Zukunft des Hollywoodkinos nach den Terroranschlägen vom 11. September?

Bruce Willis: Ich möchte die Ereignisse vom 11. September nicht im selben Atemzug mit meinen Film besprechen. Das wäre unpassend. So unpassend wie über eine Komödie zu reden und gleichzeitig eine Tragödie ins Spiel zu bringen.

SKIP: Das war auch nicht meine Frage. Meine Frage hatte ja nichts mit dem Film Banditen zu tun.

Bruce Willis: Ich will einfach nicht darüber sprechen ... Wir können über Krieg im allgemeinen reden ... Ich bin ein totaler Geschichtsfan, das war schon in der Schule mein Lieblingsfach. Meiner Ansicht nach war der Zweite Weltkrieg der am schwersten zu verstehende klar definierte Konflikt. Er hatte viel mehr mit richtig und falsch, mit den guten Kräften, die die extrem bösen besiegen müssen, zu tun. Alle Kriege, die es danach gab, hatten mehr mit Politik zu tun. Die drehen sich um Öl und andere Rohstoffe, um Geld eben. Seit dem Zerfall der Sowjetunion haben wir es mit ein paar Kriegen zu tun, die auch vor hunderten Jahren stattfinden hätten können. Mich faszinieren menschliche Konflikte, deshalb interessiert mich auch das Thema Krieg. Und mein nächster Film, Hart´s War, dreht sich um Rassismus und Ehre. Das wird ein ganz anderer, ein viel dunklerer Film als Banditen, soviel ist sicher.

Interview: September 2001

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