Reich und die Kraft

Interview mit Antonin Svoboda zu Der Fall Wilhelm Reich

Brandauer gegen den Rest der Welt: Der österreichische Filmemacher und coop99-Mitbegründer Antonin Svoboda (Spiele Leben) widmet dem genialen Wissenschaftler und Psychiater Wilhelm Reich ein filmisches Denkmal.

SKIP: Sie haben bereits vor drei Jahren die TV-Doku Wer hat Angst vor Wilhelm Reich gedreht, nun präsentieren Sie bei der VIENNALE Ihr Spielfilm-Projekt The Strange Case of Wilhelm Reich. Was fasziniert Sie so an ihm?

Antonin Svoboda: Schon allein die Tatsache, dass man sich sonst relativ wenig mit ihm beschäftigt. Reich hat einige faszinierende Erkenntnisse gewonnen, er hat der sexuellen Revolution weit vorgegriffen - und vor allem ist er wesentlichen Fragen nachgegangen, die gar nicht so überraschend sind, aber viel zu wenig gestellt werden: Was ist Leben? Warum sind wir hier? Wie können wir die Welt, wie sie ist, begreifen? Und nicht: Was können wir der Welt hinzufügen.

SKIP: Sie haben in Englisch und mit einigen englischsprachigen Schauspielern gedreht …

Antonin Svoboda: Mich haben von Anfang an Reichs letzte Jahre in den USA interessiert, als alle gesagt haben "jetzt ist er verrückt geworden" - ich habe es als große Herausforderung empfunden, das zu verfilmen. Und es war auch eine Herausforderung, das zu finanzieren: Eigentlich wollten wir in den USA filmen, 2009 ist dort aber das Independent-Kino total eingebrochen - und niemand wollte mehr Geld locker machen für einen Film von einem Nicht-Amerikaner, der die USA kritisiert. Also sind wir dann wieder zurück nach Österreich gegangen damit.

SKIP: Wie war es, mit diesen großartigen internationalen Darstellern zu arbeiten? Und war Klaus Maria Brandauer wirklich so schwierig, wie sein Image vermuten lässt?

Antonin Svoboda: Zum Glück kannte ich diese ganzen Geschichten um ihn nicht, also war ich vor allem neugierig. Solche Kaliber wie er schätzen es aber auch gar nicht, wenn man zu vorsichtig mit ihnen umgeht. Und die Internationalen waren ganz toll. Wenn jemand wie David Rasche, den man hauptsächlich als Sledge Hammer kennt, ans Set kommt und erst mal meint "Danke, dass Sie die Erfahrung dieses Projekts mit mir teilen wollen!", dann ist das schon mal ein wunderbarer Start.

SKIP: Wo haben Sie eigentlich gedreht? Das sieht doch alles sehr nach den Originalschauplätzen aus?

Antonin Svoboda: Nein (lacht), wir haben u. a. in Südspanien gedreht, in Wien und im Waldviertel - eine kleine Liegewiese am Ottensteiner Stausee hat als Reichs Grundstück in Maine gedient.

Interview: Gini Brenner / Oktober 2012

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.