Prinzessin auf der Discokugel

Interview mit Mariah Carey zu Glitter - Glanz eines Stars

Hast du Töne. Mariah Carey gilt als eine der schlimmsten Zicken des Showbiz. Doch Kino kann bekanntlich Wunder wirken: Die Psycho-Krisen der letzten Monate sind vorbei, eine strahlende Mariah empfing Gini Brenner in New York zum Exklusiv-Interview.

SKIP:Mariah, du bist eine der berühmtesten, meistverkaufenden Sängerinnen der Pop-Geschichte. Warum willst du jetzt auch noch Filmstar werden?

Mariah Carey: Ich hab schon als kleines Mädchen gern geschauspielt, war immer in Theatergruppen, Workshops und dergleichen. Doch dann geriet ich in diese unglaublich intensive Beziehungskiste (mit ihrem Entdecker, Sony-Boss Tony Mottola, mit dem sie 1993 bis 1998 verheiratet war, Anm.), in der ich gefangen war wie in einem goldenen Käfig. Tony wollte einfach nicht, dass ich etwas Neues ausprobiere. Mittlerweile hab’ ich mich befreit, und arbeite daran, mich selbst wieder zu entdecken.

SKIP: Als Filmstar?

Mariah Carey: Nicht unbedingt. Mir ging´s mehr um die Möglichkeiten des kreativen Ausdrucks. Ich bin nicht etwa zu einem Produzenten gegangen und hab gebrüllt: "Hey! Mach mich zum größten Moviestar aller Zeiten!" (lacht). Ursprünglich wollte ich mit kleinen, feinen Nebenrollen anfangen – aber jetzt ist es halt so passiert.

SKIP: Und wie ist es dir am Set ergangen?

Mariah Carey: Ganz wunderbar! Am Anfang war ich natürlich etwas unsicher. Aber alle waren sehr nett zu mir und haben mich toll unterstützt. Aber ich hab mich auch mit allen Kräften bemüht, nur ja nicht meinem schlechten Ruf als Über-Diva gerecht zu werden: Ich bin immer überpünktlich am Set aufgetaucht, hab’ meinen Text brav gelernt und so weiter (lacht).

SKIP: Wie autobiographisch ist deine Rolle in Glitter - Glanz eines Stars ?

Mariah Carey: Natürlich ist die Story – arme Sängerin wird berühmt – auf den ersten Blick dazu geeignet, meine Biographie reinzuinterpretieren. Es geht in Glitter - Glanz eines Stars aber überhaupt nicht um mich. Die Mutter von Billie, der Hauptfigur, ist drogensüchtig, sie selbst wächst in einem Waisenhaus auf. Ich dagegen habe immer ein liebevolles Zuhause gehabt. Als meine Mutter die ersten Zeitungsartikel über Glitter - Glanz eines Stars gelesen hat, hat sie mich ganz verzweifelt gefragt: "Mariah, warum schreiben alle diese Leute, dass der Film autobiographisch ist? Du bist doch nicht in einem Waisenhaus aufgewachsen! Und ich bin doch nicht drogensüchtig! Mariah, sag das den Leuten!"

SKIP: Glitter - Glanz eines Stars spielt in den frühen 80ern. Was bedeutet diese Zeit für dich?

Mariah Carey: Studio 54 und so weiter .... was sich damals abgespielt hat, ist ja ein Waaahnsinn. Ich selbst war damals 11, 12 Jahre alt, also viel zu jung, um Teil dieser ganzen fantastischen Club-Sause zu sein. Mein Bruder, der 10 Jahre älter ist als ich, hat aber in vielen der damals angesagten Nightclubs gearbeitet – und musikalisch hat mich diese Zeit natürlich sehr beeinflußt, zum Radio hören war ich schließlich nicht zu jung.

SKIP: Ihr habt ja auch keine Mühen gescheut, den 80er-Look wiederherzustellen. Man merkt richtig, dass du und deine Stylisten enormen Spaß daran gehabt habt, die Über-drüber-Outfits auszusuchen ...

Mariah Carey: Und wie! Das war fast noch schöner, als meinen Co-Star Max Beesley zu küssen (lacht). Wir haben uns über viele 80er-Klischees lustig gemacht. Ich trage ständig irgendwelche Designer-Jeans, und Max als DJ Dice kommt alle 5 Minuten in einem neuen Leder-Outfit an – nicht sehr realistisch, aber ziemlich witzig, finde ich.

SKIP: Mariah, die Schauspielerei scheint dir wirklich Spaß zu machen – mittlerweile hast du schon deinen zweiten großen Kinofilm abgedreht.

Mariah Carey: Genau. Wise Girls heißt der Streifen, ich spiele ein Mädchen aus dem New Yorker Stadtteil Staten Island – nicht unbedingt eine Nobelgegend (lacht) – die Schwierigkeiten mit der Mafia bekommt. Wise Girls ist sehr intensiv und heftig, sicher kein Film, den die Leute von mir erwarten würden.

SKIP: Inwiefern?

Mariah Carey: Nun, die Rachel, die ich spiele, ist kein Zuckerpüppchen, und vor allem singt sie nicht (lacht). Eine richtiges Stadtrand-Früchtchen, mit zentimeterlangen, pinkfarbenen falschen Fingernägeln und auftoupierten Haaren, das sich von niemandem anschei*en lässt. Das zu spielen war ziemlich therapeutisch für mich – als Mariah tendiere ich nämlich immer dazu, lieb und nett zu sein. Ich entschuldige mich immer für alles, was ich tue, und kann nie nein sagen. Rachel dagegen ist ein "Friss es oder vergiss es"-Typ – ich versuche, ein wenig davon auch in mein richtiges Leben herüberzuholen (lacht).

SKIP: Das scheint ja schon am Set recht gut funktioniert zu haben: Über deine ständigen Streitereien am Set mit Co-Star Mira Sorvino gab’s die wildesten Gerüchte. Hast du ihr wirklich einen Aschenbecher nachgeschmissen?

Mariah Carey: So ein Blödsinn. Mira und ich mögen uns wirklich gerne und haben toll zusammen gearbeitet. Natürlich gab´s manchmal kreative Differenzen, aber das ist doch überall so. Auch in der besten Ehe fliegen manchmal die Fetzen, oder? Die Geschichte ist nur von den Medien so schrecklich aufgebauscht worden.

SKIP: Mariah, gerade über dich gibt es ja jede Menge ähnlicher Stories, du giltst als eine der schwierigsten Diven des Showbiz ...

Mariah Carey: (schnurrt) Tu ich das?

SKIP: Liest du eigentlich, was so alles über dich geschrieben wird?

Mariah Carey: Manchmal (grinst). Die Geschichte, dass ich angeblich nur Räume ohne Teppichboden betrete, fand ich z. B. ziemlich komisch. Ich meine, ich habe jahrelang auf einer Matratze am Boden geschlafen, weil ich nicht einmal ein Bett hatte. Da war ich froh, wenn’s einen Teppichboden gab!

SKIP: Und was ist mit der Geschichte mit den kleinen Kätzchen und Welpen?

Mariah Carey: Die kenn’ ich nicht! Erzähl!

SKIP: Nun, ich habe gelesen, dass man dir bei Auslandsreisen immer ein paar Katzen- oder Hundebabies zur Verfügung stellen muss, damit du was zum Streicheln hast.

Mariah Carey: Na jaaaa ... da ist sogar was Wahres dran (grinst verschämt). Es ist nicht so, dass ich drauf bestehe, dass man mir Tierbabys liefert. Aber hin und wieder, wenn ich mich in einer fremden Stadt ganz alleine fühle, dann kommt es schon vor, dass ich mich in irgendeiner Tierhandlung in ein Hündchen verliebe und mir den dann zum Knuddeln mit ins Hotel nehme. Den geb ich dann halt einer Freundin weiter oder so. Tiere können schließlich manchmal ... wie sag’ ich das jetzt ... weniger anstrengend sein als Menschen.

Interview: Juni 2001

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