Frauen unter Strom

Interview mit Mirjam Unger zu Oh Yeah, She Performs!

Rock 'n' Roll mit Kind und Kegel, frontstage und backstage: Die Musikdoku Oh Yeah, She Performs! porträtiert die formidablen Austro-Frontfrauen und Produzentinnen Gustav, Clara Luzia, Teresa Rotschopf und Luise Pop.

SKIP: Gegensätzlicher könnte man einen Gig nicht beschreiben: Auf der Bühne ist man "nackt" und doch "safe", wie zwei Protagonistinnen von Oh Yeah, She Performs! meinen …

Mirjam Unger: Ja, genau. Einerseits ist man nackt und verletzlich, wenn man sich der Öffentlichkeit ausliefert. Andererseits ist das, wenn man da oben steht, quasi eine freie Zone. Auf der Bühne kannst du dich total ausleben, kannst schreien, sexy sein, was auch immer dir gefällt.

SKIP: Hast du selbst Lieblings-Musikdokus?

Mirjam Unger: Auf jeden Fall - The Last Waltz von Scorsese, alle Rolling-Stones-Filme, vor allem die alten, die Aufnahmen vom Konzert im Hyde-Park, Shut Up and Sing mit den Dixie Chicks, auch Spielfilme wie Control über Joy Division.

SKIP: Du hast anfangs viele Künstlerinnen interviewt - wie hast du schließlich deine Auswahl getroffen?

Mirjam Unger: Gustav und Klara Luzia gehören zu den wichtigsten Protagonistinnen dieser neuen Welle, die mussten dabei sein. Wichtig war mir auch, dass unterschiedliche Musikrichtungen und Persönlichkeiten vertreten sind, so ist Teresa Rotschopf dazugekommen. Sie war mit Bunny Lake schon im Mainstream, war bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag und hat sich von diesem typischen Klischee einer Sängerin mit einer Männerband dahinter emanzipiert. Sie macht jetzt ihr eigenes Ding. Sie hat mich beim ersten Treffen sofort bezaubert. Luise Pop ist mir während der Dreharbeiten begegnet: Ich hab irrsinnig lang nach einer coolen Frau gesucht, die E-Gitarre spielt und Rock 'n' Roll mitbringt - das war Frontfrau Vera Kropf einfach.

SKIP: Es gibt ziemlich viele Babys in deiner Musikdoku …

Mirjam Unger: Das war so nicht geplant - wie Babys ja auch oft (lacht). Gustav war zu Drehstart schwanger, die Teresa auch. Aber wie man sieht, geht sich das alles aus, mit einer gewissen Furchtlosigkeit und Offenheit. Man braucht dann eben auch daheim ein gutes Management, einen Partner, dem das auch taugt. Aber: Das geht!

SKIP: Du lässt in deiner Doku keine Experten reden, sondern filmst mittendrin auf der Bühne und backstage ...

Mirjam Unger: Solche talking heads sind sehr amerikanisch. Da reden immer dieselben fünf Leute über ein Musik-Phänomen. Aber ehrlich: Das ist doch in den meisten Fällen echt schnarch. Zuschauen und Dabeisein ist einfach viel leiwander!

Interview: Julia Pühringer / Oktober 2012

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