Das Leben des Brian

Interview mit Brian De Palma zu Passion

"Wenn die Leute nach 30, 40 Jahren immer noch über deine Filme reden, dann hast du wohl irgendwas richtig gemacht." Finden wir auch! In Venedig präsentierte Altmeister De Palma, 72, seinen neuen Film Passion - und SKIP traf ihn zum passionierten Gespräch über ein halbes Jahrhundert Kino.

SKIP: Passion ist das Remake eines französischen Films, aber Sie haben einen echten De Palma draus gemacht, es kommen auch wieder einige Ihrer typischen Stilmittel vor wie z. B. die zentrale Duschszene …

Brian De Palma: Ach Gott, nicht jedes mal, wenn wer unter die Dusche geht, ist das gleich ein Stilmittel. Vielleicht will die Filmfigur nur sauber sein! Und - was soll ich sagen - Schauspielerinnen sehen nackt unter Wasser einfach super aus.

SKIP: Sie haben gesagt, dieser Film sei ein Film über Frauen für Frauen.

Brian De Palma: Ja, und deshalb spielen auch Schuhe eine so wichtige Rolle (lacht).

SKIP: Naja, sind das nicht eher Schuhe, die Männern gefallen?

Brian De Palma: Tja, ausgesucht hat sie aber meine Set-Designerin (lacht). Genauso wie das Sexspiezeug-Set im Nachtkästchen, das man bei einer Szene sieht. Damit hatte ich überhaupt nichts zu tun - sie hat es vorgeschlagen und besorgt. Als ich das Zeug zum ersten mal gesehen habe, dachte ich "Whoa, was sind denn das für Teile?!?"

SKIP: Sie haben einmal gesagt, Sie filmen lieber Frauen als Männer.

Brian De Palma: Ja natürlich. Sie sehen besser aus. Deshalb habe ich auch José Luis Alcaine als Kameramann engagiert, der viel mit Pedro Almodóvar arbeitet. José weiß, wie man Frauen schön filmt. Ich bin kein großer Bewunderer dieser ungeschminkten Wackelkamera-Ästhetik. Wenn man unbedingt nur natürliches Licht verwenden will und dadurch mit mies ausgeleuchteten Schauspielern dreht, macht das einen Film denn besser? Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich glaube, wir haben irgendwie denn Sinn für Schönheit im Kino verloren.

SKIP: Wird es mit dem Alter eigentlich einfacher oder schwieriger, Filme zu machen?

Brian De Palma: Hm … ein bisschen von beiden. In meinem Alter ist es schon super, wenn man aufwacht, die Sonne scheint und alle Körperteile funktionieren. Aber ich will mich nicht zurücklehnen, ich will weiterhin arbeiten! Wenn ich so auf meine Karriere zurückblicke - ich hab ja wirklich so ziemlich alles gemacht, das volle Programm. Angefangen habe ich in den 60ies mit Independent-Filmen, dann ging ich nach Hollywood, und nach einigen Katastrophen machte ich Carrie. Mein zehnter Film und mein erster Hit. In den 70ern und 80ern hab ich einige ganz gute Thriller gedreht, Scarface, Die Unbestechlichen … Und nach Mission: Impossible 1996, der das größte Budget hatte, mit dem ich je gearbeitet habe - 100 Millionen Dollar! - sagte ich mir: "Das ist doch verrückt!", und ging nach Europa, um Independent-Filme zu machen.

Interview: Gini Brenner, Kurt Zechner / September 2012

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