Nicht übel Lust

Interview mit Andreas Lust zu Grenzgänger

Er kann gut schweigen, aber im Interview ist er fast noch besser: Allroundtalent Andreas Lust, seines Zeichens Fernsehpathologe (Schnell ermittelt) und Laufprofi (Der Räuber, 2009) im SKIP-Interview über Fischen und Freiheit.

SKIP: Der Ronnie, den Sie in Der Räuber gespielt haben, und der Hans, den Sie in Grenzgänger darstellen, wirken fast als wären sie miteinander verwandt. Mögen Sie Figuren, die nicht viel reden?

Andreas Lust: Ja, ich bin glaub ich gut im Nichtreden (lacht).

SKIP: Ihr habt euch auf diesen Dreh sehr ausführlich vorbereitet.

Andreas Lust: Ja, wir haben lang richtig geprobt, und währenddessen hat Florian (Flicker, der Regisseur, Anm.) am Text weitergeschrieben und immer noch mehr verdichtet. Und wir sind gemeinsam in die Au hinausgefahren, ich hab mit den Booten umzugehen und fischen gelernt, Netze flicken, Fische ausnehmen und filetieren. Das macht schon was mit dir, wenn du über längere Zeit in der Natur stehst, wartest bis ein Fischerl anbeißt und kärgliche Gespräche führst.

SKIP: Dieses Grenzgebiet zur Slowakei war früher nur in den Schlagzeilen, wenn Flüchtlingstragödien passiert sind oder wenn junge Grundwehrdiener den Dienst nicht ausgehalten haben. Kannten Sie die Gegend?

Andreas Lust: Nein, gar nicht, ich bin ja ein Stadtkind, für mich war da vor allem die üppige Landschaft überwältigend.

SKIP: Dabei hat diese Gegend eine Geschichte voller Tragik.

Andreas Lust: Ja, das haben wir auch aus Erzählungen der Leute erfahren. Was da bis vor kurzem noch an Leichen in der March getrieben sind, von Menschen, die versucht haben, herüberzuschwimmen! Der Fluss ist an der Stelle nicht besonders breit, man kann da von einem Ufer zum anderen winken. Jetzt sieht man auf der anderen Seite halt die slowakischen Spaziergänger, die zurückwinken, und du hast wirklich das Gefühl, dass du da unbeschadet rüberkommen kannst. Die March ist aber tückisch und hat etliche Stromschnellen, sodass da wirklich viele Menschen ertrunken sind. Schrecklich, auf dem Weg in die vermeintliche Freiheit auf diesem kurzen Stück abzusaufen.

SKIP: Der Hans, den sie spielen, ist ja nicht nur Fischer, sondern vor allem ein Schlepper. Tut der das wegen des Geldes?

Andreas Lust: Nein, ich glaube nicht, dass da großes Kalkül dahintersteckt. Für seine Frau Jana ist das ein sozialer Akt, sie will helfen. Und er ist ja kein Intellektueller, aber ich glaube, der Hans hält es einfach für richtig, dass Menschen sich frei bewegen können. Ohne das für sich ausformuliert zu haben, spürt er intuitiv: Diese Grenze ist falsch. Ja, das Geld ist ein Teilaspekt, mit dem er unter Umständen seine Tagträume verwirklichen kann. Vor allem ist ihm aber Freiheit wichtig, und darum empfindet er es auch als richtig, diesen Leuten über die Grenze zu helfen.

Interview: Magdalena Miedl / Oktober 2012

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