Living in a box

Interview mit Dietrich Brüggemann zu 3 Zimmer/Küche/Bad

Dietrich Brüggemann lebt in einer Zweier-WG und überlegt, demnächst mit seinen drei Schwestern gemeinsam in ein Haus zu ziehen: Der Wahlberliner und Regisseur im SKIP-Talk über Kistenschleppen und die Poesie des Übersiedelns.

SKIP: Deine Schwester Anna spielt nicht nur eine Hauptrolle im Film, sondern hat mit dir auch das Drehbuch geschrieben. Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?

Dietrich Brüggemann: Wir denken uns gemeinsam Sachen aus, wir planen und konstruieren und strukturieren zusammen, denn man muss zuerst ja genau wissen was das für Figuren sind, wenn man das glaubhaft schreiben will. Die eigentliche Schreibarbeit mach ich dann meistens alleine.

SKIP: Der Film fühlt sich an, als wären das alles eure Freunde und eure Familie. Sind euch die wirklich so vertraut?

Dietrich Brüggemann: Ja, es war unser erklärtes Prinzip, einmal nicht in die Ferne zu schweifen und einen Film vom Rande der Gesellschaft zu machen. In Deutschland gibt es ganz wenige Filme, die im ganz normalen Hier und Jetzt spielen. Das französische Kino zum Beispiel ist sehr gut darin, das eigene Leben zum Gegenstand der Untersuchung zu machen, und der deutsche Film hat das fast gar nicht, ich sehe da eine Lücke. Und ja, die Figuren sind natürlich alle von echten Leuten inspiriert.

SKIP: Der Wohnungswechsel ist ein schönes Leitmotiv für einen Ensemblefilm. Woher kam die Idee?

Dietrich Brüggemann: Tatsächlich durch mehrfache Umzugshilfe. Es haben ja viele eine Zeit im Leben, in der sie dazu neigen, etwas herumzuflattern, bis sie irgendwo Wurzeln schlagen. Freundschaften sind in dieser Phase des Lebens besonders wichtig. Gerade, wenn man in einer WG wohnt, hilft man oft bei Umzügen, bei denen man die Leute nicht so gut kennt, und diese Situationen ragen aus dem Alltag heraus, weil sie auch für etwas stehen: Da hat jemand sein Leben zerlegt, um es woanders neu aufzubauen, und das ist ein extrem filmischer Moment. Ich mag das Gefühl, in eine leere Wohnung hineinzukommen, den ersten Karton fallen zu lassen - das ist alles sehr erzählenswert.

SKIP: Du hast viele tolle junge Schauspieler, und dann mittendrin die großartige Corinna Harfouch.

Dietrich Brüggemann: Wir sind erst spät auf den Gedanken verfallen, Corinna Harfouch einfach mal anzufragen, vor so großen Leuten hat man ja Riesenrespekt. Aber irgendwann fiel mir auf, dass ihre beiden Söhne in dem Film mitspielen: Der eine ist Robert Gwisdek, der ist immer total genervt, auf seine Eltern angesprochen zu werden, sein Vater ist der Schauspieler Michael Gwisdek. Und Roberts großer Bruder Johannes ist eigentlich gar kein Schauspieler sondern Musiker und spielt bei uns auch mit. Da dachte ich mir: Moment, jetzt spielen beide Söhne mit, da kann ich Corinna doch mal fragen. Und dann hat sie das einfach gemacht!

Interview: Magdalena Miedl / Oktober 2012

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