The Italian Job

Interview mit Pierce Brosnan zu Love Is All You Need

So lässt sichs leben. Während Bond-Nachfolger Daniel Craig im Geheimdienst-Stress steht, gibt sich Pierce Brosnan das Dolce Vita in Süditalien: In Susanne Biers Liebeskomödie Love Is All You Need spielt er einen verknallten Businessman. SKIP traf ihn in Venedig.

SKIP: Mr. Brosnan, ist Liebe, wie der Filmtitel suggeriert, wirklich alles, was man braucht - oder gehört doch noch ein bisschen mehr dazu, um aus Liebe eine gute, lang andauernde Beziehung zu machen?

Pierce Brosnan: Eine Beziehung ist definitiv harte Arbeit. Es ist auch völlig illusorisch, zu hoffen, dass man seinen Partner an jedem Tag seines Lebens innigst lieben wird. Aber trotzdem zu bleiben und sich gegenseitig zu unterstützen und vor allem auch eine Freundschaft zu entwickeln, das macht es aus. Man muss jemand so wirklich richtig gern haben. So, dass man am Morgen aufwacht und sagen kann: "Wie schön, dass du da bist!" Und selbst dann braucht es noch viel zusätzliche Kraft, um auch eine Familie in Gang zu halten. Und oft muss einer Opfer für die Karriere des anderen bringen.

SKIP: Sie sind ja selbst Vater eines Teenagers, wie kriegen sie das auf die Reihe mit Ihrem Beruf, nehmen Sie am Familienleben ordentlich teil?

Pierce Brosnan: Natürlich! Mein Letzter Job war in Paris (für die Komödie Love Punch, Anm.), und meine ganze Familie war mit mir dort. Am Tag ging ich zur Arbeit und traf dort die wunderbare Emma Thompson, und am Abend ging ich heim zu meiner Frau. Meine Frau nennt das "legales Betrügen" (lacht). Sie hat mir das bei einer Dinner-Party mal so hingeknallt, und da war ich doch einigermaßen sprachlos.

SKIP: Im Film spielen Sie einen Mann, der sich in eine Frau verliebt, die Krebs hat. Eine Erfahrung, die Ihnen ja persönlich nicht ganz fremd ist …

Pierce Brosnan: Ja, ich habe meine erste Frau durch Krebs verloren, er ist grausam und heimtückisch. Das hinterlässt natürlich bei einem Hinterbliebenen eine Wunde in der Seele. Das Leben geht weiter, aber man trägt das für immer mit sich mit.

SKIP: Und hat dieses Projekt den Schmerz dann nicht wieder wachgerufen?

Pierce Brosnan: Wie könnte es nicht? Als Schauspieler muss man sein Herz öffnen und seine Emotionen zeigen, sie mit dem Publikum teilen und es damit hoffentlich gut unterhalten. Also bleibt einem gar nichts anderes übrig, als aus seinen eigenen Erfahrungen zu schöpfen. Dieser Film wird vielleicht Familien, die gerade die Trauer eines Krebsfalles durchmachen, ein bisschen Hoffnung geben und ein kleines Stückchen Vertrauen darauf, dass für jeden von uns selbst im schlimmsten Abgrund immer neue Anfänge um die Ecke warten.

SKIP: Wie sind Sie eigentlich zu diesem Projekt gekommen?

Pierce Brosnan: Mein Agent hat es mir vorgeschlagen. Ich kannte Susannes Arbeit, In einer besseren Welt hat mich schwer beeindruckt, also sagte ich nur: "Fantastisch!" Als ich mit Susanne sprach, hab ich ihr gesagt, dass ich nicht recht weiß, ob ich wirklich reinpasse in einen rein dänischen Film. Sie meinte: "Mach dir keine Sorgen, das wird kein Problem, jeder spricht Englisch bei uns." Und so wars dann auch.

SKIP: Sie waren sehr lange mit dem Bond-Franchise verbunden - wie blicken Sie heute auf Ihre Zeit als Elite-Agent zurück?

Pierce Brosnan: Es ist lustig, wie sehr man für immer "ein Bond" bleibt. Aber ich will mich überhaupt nicht beschweren - es ist ein sehr kleiner, elitärer Verein, dem ich da angehöre und der mir vieles möglich gemacht hat. Ich konnte ja danach eine eigene Produktionsfirma gründen und auch plötzlich maßgeblich entscheiden, wie es mit meiner Karriere weitergeht. Über diese Unabhängigkeit bin ich unendlich froh, und die verdanke ich klarerweise nur Bond.

SKIP: Behalten Sie die Bond-Serie selbst immer im Auge

Pierce Brosnan: Ja, klar riskier ich ab und an einen Blick ... Was für eine Frage, natürlich mache ich das (lacht)!

SKIP: Was halten Sie von den aktuellen Entwicklungen, was von Ihrem Nachfolger? Kann er mit Ihren Vorgängern mithalten?

Pierce Brosnan: Ich glaube, das sollten am besten die Filmhistoriker entscheiden.

SKIP: Dann lassen Sie mich die Frage anders stellen: Wer ist Ihrer Meinung nach der zweitbeste Bond?

Pierce Brosnan: (lacht) Neinein, so kriegen Sie mich nicht dran! Daniel Craig ist jedenfalls ein großartiger Bond, und ich bin sehr zufrieden damit, was er abliefert.

Interview: Kurt Zechner / September 2012

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