Gimme Hope, Johanna

Interview mit Johanna Wokalek zu Anleitung zum Unglücklichsein

Abergläubischer Trauerkloß mit Zukunftsangst und Mutterkomplex? Es gibt Hoffnung, sagt Johanna Wokalek, Burgtheater-Schauspielerin und Star von Anleitung zum Unglücklichsein - nämlich die, Nachwuchs zu bekommen.

SKIP: Eine sichere Methode, sich das Leben schwer zu machen, ist zu großer Aberglauben. Kennen Sie das?

Johanna Wokalek: Ich arbeite ja viel am Theater, und da gibt es eine Menge Regeln, die alle mit Aberglauben zu tun haben: Wenn einem jemand Toi toi toi wünscht, darf man auf keinen Fall danke sagen. Man darf seine Kostümschuhe nicht auf den Garderobentisch stellen. Man darf nicht essen auf der Bühne, man darf da auch nicht pfeifen, man darf nicht in privaten Klamotten über die Bühne gehen - es gibt alle möglichen Dinge, an die ich mich halte. Insofern ist mir Aberglauben auch vertraut. Und ich lese auch Horoskope, aber ich glaube nur die, die mir gerade passen.

SKIP: Ihre Filmfigur Tiffany hat zu ihrer Mutter eine ganz komplizierte Beziehung. Wie sieht es da bei Ihnen aus?

Johanna Wokalek: Wenn ich mich da mit Tiffany vergleiche, würd ich sagen, ich habs ein bisschen besser getroffen. Aber ich denke, alle Frauen kennen dieses spannungsreiche Mutter-Tochter-Verhältnis. Bis man sich abnabelt von der Mutter, bis man seinen ganz eigenen Weg findet, das ist nie ganz einfach. Das fängt bei einfachen Sachen an, wie man sich kleidet oder was für eine Frisur man hat, da ist es wichtig, sich abzulösen von diesem Muttervorbild. Wobei mich meine Mutter nicht so überbehütet hat, dass ich mich schrecklich freistrampeln hätte müssen, aber es gibt da doch eine Emanzipation, die für jedes Mädchen notwendig ist.

SKIP: Tiffany ist grundsätzlich negativ, mit der Grundhaltung: Die Sonne scheint, aber gleich könnte es auch regnen. Ist Ihnen das fremd?

Johanna Wokalek: Nun, es war nicht schwer mir das anzueignen. Ich bin Menschen wie Tiffany schon begegnet: Da sitzt man dann mit einer Freundin beisammen, und die bespricht immer und immer wieder das gleiche Problem. In einer solchen Phase hat man ständig diese Unsicherheiten: "Was soll ich anziehen? Jetzt könnt ich einen treffen, aber was meinst du, wie findet der mich?" Ich glaube, jeder von uns kennt das, von sich selbst oder von anderen.

SKIP: Haben Sie eine Anleitung zum Glücklichsein gefunden?

Johanna Wokalek: Oh ja, die hab ich: Ich bin seit drei Monaten Mutter, und das ist ein unglaubliches Erlebnis. Ich hab das auch nicht gedacht. Obwohl ich doch Schauspielerin bin und mir eine Menge vorstellen können muss, aber das ist wirklich die Anleitung zum Glücklichsein (lacht). Ich komme zwar kaum noch zum Schlafen, aber wenn dich dann morgens so ein kleines Wesen anlächelt und juchzt, dann ist das alles egal. Juchze und lächle und mach was du willst, ich bin glücklich, egal wie müde ich bin (lacht)!

Interview: Magdalena Miedl / November 2012

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