Spaghetti Tarantino

Interview mit Quentin Tarantino zu Django Unchained

Kann er auf Inglourious Basterds noch eins draufsetzen? Wird er spannender als Kill Bill, neuer als Pulp Fiction, cooler als Jackie Brown?? Alle warten gespannt auf Quentin Tarantinos neuesten Film - nur der Meister selbst ist entspannt wie immer. Mit SKIP traf er sich im schönen Cancun zum Talk über Spaghettiwestern, "echte" und "falsche" Filme.

SKIP: Django ist ein so ikonischer Name - inwiefern haben Sie sich bei diesem Film von Sergio Corbuccis legendärem Italowestern mit Franco Nero inspirieren lassen?

Quentin Tarantino: Übrigens - Franco spielt im Film auch mit! Er ist ein italienischer Sklavenbesitzer namens Amerigo Vasappi (kichert) … Aber die Handlung hat in dem Sinne nichts mit dem Original-Django zu tun, mir gefiel nur der Name so gut. Natürlich liebe ich Franco Neros Django, und die klassischen Spaghettiwestern inspirieren mich bei allem, was ich mache. Es ist ja witzig, Django war damals in den 1960ern so enorm erfolgreich, dass es eine ewig lange Reihe an Spin-offs und Ripp-offs gab. Sicher um die 30, 40 inoffizielle Sequels! Jeder Film, den Franco Nero machte - und das waren verdammt viele - kriegte irgendeinen Django-Bezug in den Filmtitel. Egal ob Krimi oder Hochsee-Abenteuer - dann hieß der Film eben Django und der Hai (lacht). Oder man taufte einfach irgendeine Figur der Handlung in Django um. Also sind wir vielleicht sogar wirklich in dieser schönen Spaghettiwestern-Tradition von Django-Ripp-offs verwurzelt.

SKIP: Sie haben für Django Unchained den Begriff Southern - analog zu Western - geprägt.

Quentin Tarantino: Ja, mir gefällt das ziemlich gut. Western ist ja ein Begriff, den wir seit Ewigkeiten mit Film in Verbindung bringen. Aber der Name impliziert nun mal ganz eindeutig den US-Westen - Montana, Wyoming, Arizona. Den Süden hat man da gern ausgelassen, weil man dann das Thema Sklaverei zwangsläufig hätte behandeln müssen, und das wollte man gern vermeiden. Nun, wir vermeiden es nicht. Ganz im Gegenteil, wir stürzen uns mitten rein und rühren alles auf. Und das macht unseren Film wohl zu einem Southern. Einem Spaghetti-Southern (lacht).

SKIP: Die Sklaverei ist nach wie vor ein kontroversielles Thema. Glauben sie, dass der Film auch kontroversielll aufgenommen wird?

Quentin Tarantino: Ja, sicher. Aber meine Filme werden eigentlich immer kontroversiell aufgenommen. Aber andererseits, was bedeutet denn heutzutage schon kontroversiell? Es gibt Filme, über die wird furchtbar herumdiskutiert, wenn sie ins Kino kommen, und acht Monate später laufen sie ohne irgendeinen Kommentar im TV-Hauptabendprogramm.

SKIP: Auch in diesem Film geht es um Rache - ein starkes Motiv in vielen Ihrer Filme. Woher kommt dieser Zorn?

Quentin Tarantino: Das hat nichts mit mir persönlich zu tun. Rache ist ganz einfach ein tolles Motiv für Genrefilme. Shakespeare-Stücke, griechische Tragödien und Exploitation-Filme - sie alle leben vom Rachemotiv. Es liegt auch viel Genugtuung drin. Aber in diesem Film gehts nicht nur um Rache, sondern vor allem um Rettung: Django kommt aus der Hölle und geht in die Hölle zurück, um seine Frau zu retten.

SKIP: Leonardo DiCaprio sagt über seinen Part, das wäre so ziemlich der böseste Mensch, den er je gespielt hat …

Quentin Tarantino: Haha, das freut mich. Er ist auch eine sehr wichtige Figur in dem Film. Er heißt Calvin Candie und hat seine Plantage Candieland genannt - und er ist dort der absolute Herrscher, eine Art Sonnenkönig. Ein grausamer Despot, sein großes Hobby ist das sogenannte Mandingo Fighting: Er trainiert Sklaven dafür, dass sie in Schaukämpfen gegeneinander antreten, bis einer stirbt. Wie Hundekämpfe, aber mit Menschen.

SKIP: Sie haben Django Unchained auch wieder mit "echtem", aber um einiges teurerem Analog-Filmmaterial gedreht und nicht digital. War es schwierig, das Studio davon zu überzeugen?

Quentin Tarantino: Oh nein, ganz und gar nicht. Ich glaube ja, die Studios hätten gern viel mehr Filme auf analog, es sind nur die faulen Filmemacher, die auf digital bestehen. Neulich hab ich mich wieder mit dem Boss eines Studios unterhalten, das gerade einen 100-Millionen-Dollar-Film herausgebracht hatte, der digital gedreht war. Und ich sagte "Wenn ihr über 100 Millionen Dollar für einen Film zahlt, und der wird dann mit Digitalkameras gedreht - kommen Sie sich da nicht ein bisschen verarscht vor?" Und er drauf: "Naja, ein bisschen schon …" (kichert)

SKIP: Wirds eigentlich noch eine Fortsetzung von Kill Bill geben? Die Gerüchtebörse sagt ja.

Quentin Tarantino: Wenn, dann jedenfalls nicht so bald. Frühestens in zehn Jahren. Vivica Fox’ Tochter wird dann Uma Thurman jagen, um sich ordentlich zu rächen - und dazu muss sie doch mindestens 18 Jahre alt sein.

Interview: Gini Brenner / April 2012

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