Born free

Interview mit Jamie Foxx zu Django Unchained

Oscar & Golden Globe für Ray, Oscar-Nominierung für Collateral und eine ewiglange Blockbuster-Liste auf der Tanzkarte: Jamie Foxx muss niemandem mehr etwas beweisen. Aber die Hauptrolle in einem Quentin-Tarantino-Film war für den erklärten Western-Fan eine neue Herausforderung.

SKIP: Als Österreicherin muss ich Sie das einfach fragen: Wie war die Zusammenarbeit mit Christoph?

Jamie Foxx: Oh, der Typ ist so genial. Er kam jeden Tag aufs Set, als ob er für ein Modeshooting gestylt wäre. Immer so elegant! Wahnsinn. Und er ist so höflich und ruhig. Dann geht er aufs Set, spielt diese total arge Szene, in der er total explodiert - und danach kommt er wieder her und sagt "… also wo waren wir stehen geblieben?" (lacht)

SKIP: Sie sind erklärter Western-Fan. Wie wird man das als Schwarzer, wenn alle Westernhelden durchgehend Weiße sind?

Jamie Foxx: Wenn man ein Kind ist, ist einem das egal. Da liebt man einfach Bonanza, John Wayne, Clint Eastwood. Ich komme aus Texas. Pferde, Pistolen, Cowboys - das war, worums im Leben ging für mich!

SKIP: Warum, glauben Sie, wird das Thema Sklaverei von der US-Filmindustrie eigentlich so vermieden?

Jamie Foxx: Weil es ein schwieriges Thema ist. Wenn Sie irgendwas über die USA wissen, dann wissen Sie sicher auch, dass alles an unserer Gesellschaft irgendwie mit der Rassenfrage zu tun hat. Egal um was es geht, bei jeder Kontroverse gibts eine Trennlinie mitten durch. Und der Grund, warum das so ist, ist die Sklaverei. Oder das, was ich als "Rückstand der Sklaverei" bezeichne. Soll heißen: Wenn eine Gesellschaft 500 Jahre lang etwas praktiziert, dann hat man das irgendwann in der DNA. Wenn ich einen Weißen sehe, denke ich automatisch, dass ihm mindestens ein Hotel gehört. Wenn ich im Flugzeug in der First Class sitze, dann fragt mich garantiert jemand, für welches Team ich spiele - weil für ihn ein Schwarzer in der First nur Sportler sein kann. Man müsste sich ernsthaft mit diesen Vorurteilen auseinandersetzen. Aber die Medien wiederholen immer die gleichen Klischees, die nur Angst machen.

SKIP: Und dieser Film geht es anders an?

Jamie Foxx: Ja, schon. Ich halte diesen Film für ziemlich bahnbrechend. Über diesen Film wird so viel geredet werden, man wird wieder über die Sklaverei zu diskutieren beginnen. Es gibt in den USA so viele Leute, vor allem Schwarze, die null Ahnung haben von ihrer eigenen Geschichte. Keinen blassen Schimmer! Das liegt vor allem am Schulsystem. Als ich in Texas in die Schule ging, lernten wir die Geschichte von Texas - ausschließlich. Was nicht in Texas passiert ist, ist gar nicht passiert. Als ich 18 war, bekam ich ein Stipendium für die Uni in San Diego und studierte mit Leuten aus 81 Ländern - und von den meisten davon hatte ich noch nie zuvor gehört.

Interview: April 2012

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.