Finally there

Interview mit Christoph Waltz zu Django Unchained

Ganz oben angekommen zu sein kann auch bedeuten, im klapprigen Planwagen durch den tiefen US-Süden zu tingeln und schrullig-coole Oneliner von sich zu geben … Als schussfester Zahnarzt in Django Unchained ist Christoph Waltz ein Genuss - als Hollywood-Sir im Interview nicht minder.

SKIP: Im Internet kursiert ein Mitschnitt aus der Kinder-Fernsehsendung Am Dam Des aus den 70ern, in der sie in einem lustigen Anzug den Kasperl machen …

Christoph Waltz: Wir alle kommen von irgendwoher (lacht).

SKIP: Erinnern Sie sich gern zurück?

Christoph Waltz: Es ist lange her. Ich hatte damals keine besonders gute Zeit, jetzt geht es mir sehr viel besser.

SKIP: Ihre erste Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino bei Inglourious Basterds hat Ihnen Oscar und Golden Globe eingebracht, dazu noch den Darstellerpreis in Cannes und unzählige weitere Awards. Hat das alles Ihr Leben sehr verändert?

Christoph Waltz: Durchaus. Größtenteils zum Positiven. Und ich kann mir jetzt die besseren Drehbücher aussuchen.

SKIP: Diesmal hat Tarantino Ihnen eine der Hauptrollen direkt auf den Leib geschrieben. Fühlt man sich da irgendwie unter Druck gesetzt, eine Erwartungshaltung zu erfüllen?

Christoph Waltz: Wenn, dann hab ich diesen Druck auf mich selbst ausgeübt, und das war dann schon oft anstrengend. Aber ich wollte auf keinen Fall irgendetwas wiederholen, was ich schon mal so gemacht habe, oder man in Inglourious Basterds bereits gesehen hat.

SKIP: Sie waren in den Enstehungsprozess dieses Films ziemlich involviert, nicht wahr?

Christoph Waltz: Naja, wir sind sehr viel zusammen abgehangen, als Quentin das Skript geschrieben hat - und ich bekam so fast jeden Abend eine Lesung der neu entstandenen Drehbuchseiten. Das war schon ziemlich cool, muss ich sagen (grinst).

SKIP: Es heißt, dass es in Western und SciFi-Filmen, ungeachtet der Zeit, in der sie spielen, immer um die Gegenwart geht. Wie ist das bei Django Unchained?

Christoph Waltz: Naja, jeder Film ist ja ein Kind seiner Zeit. Viele Filme behandeln die Fragen ihrer Gegenwart auch ganz unbeabsichtigt. Alleine die Tatsache, dass sie gemacht werden, ist ein Statement über den Status quo. Jede platte Klamotte sagt sehr viel über ihre Entstehungszeit aus. Darüber hinaus glaube ich nicht, dass Filme dazu da sind, die Welt zu verbessern. Ich glaube auch nicht, dass Filme unterhaltsamer oder interessanter werden, wenn sie eine bestimmte Philosophie oder Weltanschauung vermitteln wollen. Das ist meiner Meinung nach auch das Problem vieler deutschsprachigen Filme: Die versuchen immer, einem was beizubringen. Ich meine, jeder Film hat sowieso eine Message, man muss die doch nicht immer extra breittreten.

Interview: Gini Brenner / April 2012

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