The Possible Dream

Interview mit Anne Hathaway zu Les Misérables

Und singen kann sie auch noch … In der epischen Musical-Verfilmung Les Misérables gibt die wunderbare Anne Hathaway die sterbende Fantine und holte sich mit ihrer zu Tränen rührenden Performance sogar den Oscar. Beim Exklusiv-Interview in Berlin - kurz vor der Oscar-Verleihung - sprach Anne über Haarverlust, Aberglaube und das Leben als arbeitslose Schauspielerin.

SKIP: Anne, Sie sind für Ihre Rolle in Les Misérables für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert. Träumen Sie davon, zu gewinnen?

Anne Hathaway: Ich bin viel zu abergläubisch, um darüber zu reden (lacht), sprechen wir doch am 25. Februar weiter! Ich meine, ich war ja schon einmal für den Oscar nominiert (für Rachels Hochzeit, Anm.), hab ihn nicht bekommen, und mein Leben ist danach einfach weitergegangen. Und es ist ein wunderbares Leben. Also weiß ich, wenn ich ihn nicht bekomme, wird das nicht das Schlimmste sein, was mir je passiert ist. Und wenn ich ihn bekomme, ist das nicht das Beste, was mir je passiert ist, denn ich hab ja voriges Jahr geheiratet. Also bewege ich mich auf recht sicherem Terrain (lacht). Wir werden sehen.

SKIP: Haben Sie diesen großen Erfolg des Films erwartet oder kam der ein bisschen überraschend?

Anne Hathaway: Ich wusste schon als wir den Film gemacht haben, dass das etwas ganz Besonderes wird. Ich wusste allerdings nicht, obs auch für die Zuseher funktioniert. Anscheinend tut es das - was nun geschieht, übertrifft meine kühnsten Hoffnungen.

SKIP: Wann haben Sie eigentlich bemerkt, da Sie richtig gut singen können?

Anne Hathaway: Ehrlich gesagt war ich früher viel mehr von meinen Sangeskünsten überzeugt. Als junges Mädchen hielt ich mich für Beyoncé (lacht). Aber ein nicht sehr erfolgreicher Nachmittag mit einem gnadenlosen Aufnahmegerät hat mich schließlich vom Gegenteil überzeugt. Ich bin nicht sicher, dass ich wirklich singen kann. Ich wusste nur, wie gerne ich diese Rolle singen wollte, und es gibt einige sehr gute Techniken, um sowas auch dann fertigzubringen, wenn man keine Opernstimme hat. Es hat halt einige Monate mit guten Gesangslehrern und viel Konzentration gebraucht.

SKIP: Ihre Performance rührt wirklich zu Tränen, woher kommt diese Intensität?

Anne Hathaway: Das ist Schauspielerei, das ist mein Job (lacht). Davon lebe ich.

SKIP: Wie war das eigentlich, als für diese Rolle ihre langen Locken wegmussten – war das hart?

Anne Hathaway: Ja. Total. Das viele Gewicht abzunehmen war gar nicht so arg, aber das mit den Haaren … Ich hätte nicht gedacht, dass mir das was ausmachen würde, ich dachte immer ich stehe weit über solchen Dingen. Aber ich habe wirklich geweint. Gewicht kann man schnell wieder zunehmen, aber die langen Haare, ich wusste, das dauert Jahre, bis die wieder nachwachsen. Allerdings, sobald sie ab waren, fühlte ich mich wieder besser, es war, als hätte ich eine Seite in einem Buch umgeblättert. Und mittlerweile gefallen mir die kurzen Haare richtig gut.

SKIP: Stimmt es eigentlich, dass Sie jetzt erst mal eine Pause einlegen wollen, wie in einem französischen Magazin zu lesen war?

Anne Hathaway: Nein, das war ein Missverständnis, da wurde was falsch übersetzt. Ich will keine Pause machen, ich bin zur Zeit arbeitslos (lacht)! Und ich gewöhne mich nur sehr langsam daran, wie es ist, nicht sofort in Panik zu verfallen, wenn ich mal nicht arbeite. Als Schauspielerin fühlt man sich schnell verloren, wenn man keinen Job hat. Aber mir gehts so gut zur Zeit. Ich versuche, es zu genießen.

SKIP: Das muss aber seltsam sein - einerseits sind Sie arbeitslos, andererseits werden Sie von der ganzen Filmwelt wegen Ihrer Oscarnominierung hofiert …

Anne Hathaway: Momentan finde ich es vor allem amüsant. Schauen wir mal, wie es mir in ein paar Monaten damit geht. Jedenfalls finde ich, dass meine Situation wirklich ein perfektes Abbild von dem ist, was es bedeutet, Schauspieler zu sein: Ich bin für eine der wichtigsten Auszeichnungen nominiert, die es in diesem Beruf gibt, und habe trotzdem keinen Job (grinst). Das ist aber auch eine schöne Erinnerung daran, was der Kernpunkt unseres Berufes eigentlich wirklich ist. Ich meine, Interviews geben ist nicht mein Job, Awards bekommen und fotografiert werden auch nicht. Mein Job ist es, eine Rolle zu bekommen und sie gut zu spielen.

SKIP: Wie gehen Sie mit Selbstzweifeln um?

Anne Hathaway: Auch nicht anders als die meisten Menschen, denke ich. Man taucht durch und schaut, dass es wieder besser wird.

SKIP: Helfen Awards dabei?

Anne Hathaway: Naja, manchmal. Wenn man mal einen richtig schlechten Tag hat, dann sieht man den Preis an und denkt "Einmal hab ichs zumindest geschafft, etwas Ordentliches zu machen, das den Leuten gefallen hat."

Interview: Gini Brenner / Februar 2013

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