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Interview mit Jason BatemanMelissa McCarthy zu Voll abgezockt

Die doppelte Portion lustig gibts jetzt zum Preis von nur einer Kinokarte! Produzent Jason Bateman hatte nämlich die Idee, nicht irgendwen auf Hauptdarsteller Jason Bateman loszulassen, sondern sie: Melissa McCarthy, 1,57 Meter geballter Schmäh, Oscar-nominiert für Brautalarm und demnächst neben Sandra Bullock als Chaos-Cop zu sehen.

SKIP: Wer von euch wurde schon mal Opfer eines Kreditkarten-Betrugs oder etwas ähnlichem?

Melissa McCarthy: Vor vielen, vielen Jahren hat man mir mal mein Konto leergeräumt. Es war nicht viel Geld, aber ein ziemlicher Schock.

Jason Bateman: Aber stell dir vor, wie enttäuscht die Betrüger waren.

Melissa McCarthy: Ja, ich weiß, es war nicht besonders viel zu holen bei mir.

SKIP: Diana setzt sich im Film mehrfach mit einem gezielten Box-Schlag sehr wirkungsvoll zu Wehr. Ist der beim Dreh auch mal danebengegangen, sprich: Jason, wurdest du von Melissa verprügelt?

Jason Bateman: Nein nein, wir haben unsere Choreographien sehr sorgfältig geübt.

Melissa McCarthy: Interessant ist ja, dass solche Szenen am Papier ganz unscheinbar daherkommen. Und dann ist man 17 Stunden mit einer Viertelseite vom Drehbuch beschäftigt, weil einmal geht der Schlag daneben, dann ist er zu fest, zu leicht, zu schief. Und dann beginnt man sich irgendwann zu fragen, warum man für einen Actionfilm unterschrieben hat.

SKIP: Ihr verbringt im Film viel Zeit im Auto miteinander, seid ihr euch da schon gegenseitig auf die Nerven gegangen?

Jason Bateman: Es gibt niemand besseren als Melissa, um in einem Auto eingesperrt zu sein. Sie ist witzig und nett und wir hatten eine tolle Zeit. Nur die Hitze war zeitweise anstrengend. Wir haben im Sommer in Atlanta gedreht und wegen der Mikrophone durften wir die Klimaanlage nicht aufdrehen während der Takes, nur in den Pausen.

Melissa McCarthy: Moment, ganz so wars aber nicht, denn ich war immerhin einige Tage, zufällig war das gerade während einer Hitzewelle, hinten in diesem Van eingesperrt - und da gabs gar keine Klimaanlage, es hatte Backofen-Temperaturen. Er ist derweil im Auto gesessen, hat sich die kalte Lufte ins Gesicht blasen lassen und hat zu mir rübergegrinst.

Jason Bateman: Du hättest dich eben nicht kidnappen lassen dürfen.

SKIP: Wie seid ihr eigentlich zusammengekommen für diesen Film?

Jason Bateman: Nachdem ich Brautalarm gesehen hatte, wollte ich sofort und unbedingt mit Melissa drehen. Also hab ich vorgeschlagen, die Figur des Betrügers in Voll abgezockt für eine Frau umzuschreiben. Melissa hab ich dann ganz einfach beim Lunch von der Rolle überzeugt.

SKIP: Melissa, was hat sich seit deiner Oscar-Nominierung (2012 für Brautalarm, Anm.) in deinem Leben geändert?

Melissa McCarthy: Naja, plötzlich ist alles, wovon man immer schon geträumt hat, Realität. Aber alles auf einmal, was es ein bisschen schwer macht, den Überblick zu behalten. Beruflich habe ich jetzt natürlich größere Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung, was sehr beruhigend ist.

SKIP: Bekommst du aber nicht sehr viele Angebote in die selbe Richtung? Die Megan aus Brautalarm und die Diana aus Voll abgezockt sind sich ja auch nicht unähnlich - sehr resolut und einschüchternd. Ist das jetzt ein bisschen die Schublade, in die du gesteckt wirst?

Melissa McCarthy: Ja und nein. Megan war ja seeehr von sich überzeugt, hat ihre Handlungen nie in Frage gestellt. Diana hingegen ist sehr verloren, sie gibt vor jemand anderer zu sein, weil sie sich selber nicht akzeptieren kann. Sie ist eigentlich eine sehr tragische Figur, sehr komplex. Aber natürlich bekomme ich haufenweise Filme angeboten, in denen ich eine Verrückte spielen soll. Nur, ich kann nicht einfach eine lustige Irre spielen ohne irgendeinen brauchbaren Hintergrund. Hier war das anders: Es gibt eine sinnvolle Story, und ich finde es spannend, dass ein Mann und eine Frau die Hauptrollen spielen, ohne dass sich eine romantische Beziehung entwickelt.

SKIP: Diana ist aber eine Kriminelle, du musstest sie also auch halbwegs sympathisch erscheinen lassen.

Melissa McCarthy: Ja, das ist ein schmaler Grat, sie zerstört ja immerhin das Leben eines wirklich sympathischen Mannes und seiner Familie. Aber wenn das Publikum sie einfach nur hasst, würde der Film nicht funktionieren. Es ist also darum gegangen, ihre Schwächen und ihre Motivation zu zeigen, bevor sie komplett unsympathisch wird.

SKIP: Wie habt ihr euch mit euren jeweiligen Rollen identifizieren können?

Jason Bateman: Für mich war es leicht: Ich bin in echt ein genauso langweiliger Familienvater. Ich möchte aber zu gerne hören, wie es Melissa gelungen ist, sich in dieser hinterhältigen Kanaille wiederzufinden.

Melissa McCarthy: Ganz einfach: Ich stehle, sehr oft sogar. Nein, also im Ernst jetzt: Es gibt immer kleine Berühungspunkte mit jeder Figur, die man spielt. Hier war es am ehesten dieses Gefühl, sich in seiner Haut nicht wohl zu fühlen, sich deplatziert vorzukommen. Das war bei mir in meinen Zwanzigern sehr präsent. Es ist wohl Teil einer Entwicklung die man als Persönlichkeit durchmachen muss, im Idealfall geht das vorbei, wenn man älter und reifer wird. Aber in dieser Hinsicht konnte ich mich mit Diana sehr gut identifizieren.

SKIP: Jason, warum bist du in deinen Komödien fast immer Teil eines Duos und keine One Man Show?

Jason Bateman: Ich weiß nicht, ich bin einfach nicht diese Art von Schauspieler. Mich bringen Leute zum Lachen, die in eine Situation geraten, in der sie sich unwohl fühlen. Und zu diesem Protagonisten gehört dann eben ein Antagonist dazu, der den Irrsinn erst auslöst. Sicher hat das auch seinen Ursprung in der Figur, die ich in der TV-Serie Arrested Development gespielt habe, diese Art von Charakter übernehme ich jetzt eben auch im Kino. Schon möglich, dass sich das mal ändern wird, aber im Moment fühle ich mich sehr wohl in dieser Rolle.

Interview: Dina Maestrelli / Februar 2013

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