König Ludwig Superstar

Interview mit Sabin Tambrea zu Ludwig II.

Schon als Kind Star an der Violine, seit jeher zuhause auf der Theaterbühne, und jetzt endlich ein fulminantes Debüt auf der Leinwand: Der gebürtige Rumäne Sabin Tambrea ist 28 Jahre alt und passt perfekt in die Schuhe des bayrischen Märchenkönigs.

SKIP: Ludwig II ist eine rätselhafte Figur, ein Kind des 19. Jahrhunderts. Was macht seine Geschichte für uns heute relevant?

Sabin Tambrea: Für mich ist Ludwig eine Mischung zwischen Steve Jobs und Michael Jackson. Er ist einer von diesen Menschen, die uns faszinieren, von denen wir letztlich aber wenig wissen, weil sie so isoliert und zurückgezogen lebten. Seine Geschichte ist in vielerlei Hinsicht aktueller, als wir das vielleicht wahrhaben wollen - etwa der Umgang mit Homosexualität, die Tatsache, dass ein Mensch private Bedürfnisse hat, die aber aufgrund seiner offiziellen Funktion nicht erfüllt werden können. Bei ihm war das Umfeld nicht bereit, ihn so zu akzeptieren, und aufgrund seiner katholischen Erziehung wagte er das auch selbst nicht. Solche Biografien gibt es auch heute, nehmen wir beispielsweise Fußballer in der Bundesliga, die ihre Bedürfnisse zurückstellen für eine Karriere, die sie möglicherweise nicht verfolgen könnten, wenn sie offen mit ihrer Homosexualität umgehen würden. Das Ergebnis ist Burnout, Depression, und das ist bei Ludwig der Kern seiner Geschichte.

SKIP: Es gibt ja bereits einige Ludwig-Verfilmungen, die berühmteste ist wohl die von Visconti. Haben Sie sich die angesehen, und war es schwer, sich da abzugrenzen?

Sabin Tambrea: Ich kann diese Jahrhundertrolle nicht spielen, ohne mich nach bestem Gewissen vorzubereiten und alles zu kennen, was es darüber schon gab. Natürlich hab ich mir den Helmut Berger genau angeschaut, und den O.W. Fischer, und zu einem kleinen Teil auch Loriot, der in einem Sketch Ludwig II. gespielt hat. Ich hab aber recht schnell gemerkt, dass Ludwig ein so universell einsetzbarer Charakter ist, dass jeder Mensch seine eigene Interpretation für ihn findet. Deswegen hatte ich nie Angst, dass ich den Schauspielern, die Ludwig schon gespielt haben, in die Quere komme, weil Ludwig einfach so groß und weit ist dass man sich Mühe geben müsste, in Konkurrenz zu treten. Inspiriert haben mich die anderen natürlich, man erkennt da viele Facetten, auf die man selbst nicht gekommen wäre.

SKIP: Die Regisseure Peter Sehr und Marie Noelle haben angedeutet, dass für diesen Film Quellen zur Verfügung standen, die zuvor von den Wittelsbachern unter Verschluss gehalten worden waren. Was erzählt dieser Film Neues?

Sabin Tambrea: Nun, es ist ja das "Geheime Wittelsbacher-Archiv", deshalb darf ich da auch nicht so offen reden. (lacht) Aber wenn man die bisherigen Verfilmungen seiner Geschichte mit unserem Film vergleicht, dann kommt man hoffentlich von selbst auf die neuen Seiten Ludwigs, die vorher vielleicht nicht zu sehen waren.

SKIP: Gegen den Widerstand seiner Minister möchte Ludwig den Menschen durch die Kunst Frieden und Freiheit bringen. Ist das eine komplett utopische Idee, oder teilen Sie diese Vision?

Sabin Tambrea: Doch, im Keim teile ich diese Idee. Wir haben im Film ein überspitztes Bild dafür gefunden, wenn da Waffen gegen Geigen eingetauscht werden. Worum es eigentlich geht, ist, eine Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, mit den Künsten umzugehen, und dadurch auch mit den eigenen Emotionen umgehen zu lernen. Und wenn man das erlernt, kann man eigentlich nicht fähig sein, einem anderen Menschen Leid anzutun.

SKIP: Sie sind sehr musikalisch. Hat Ihnen das Ludwig II näher gebracht?

Sabin Tambrea: Ja, es war eine große Hilfe. Ich habe mit vier Jahren begonnen Geige zu spielen, später kamen Klavier, Bratsche und Harmonielehre hinzu, und ich hab mich schon früh mit Wagner befasst. Das alles war eine große Hilfe dabei, Ludwig zu verstehen und nachzuvollziehn, was ihn an Wagner so angezogen hat.

SKIP: Sie haben mit vier Geige zu spielen begonnen, Sie haben Wagner schon als Kind gehört - was haben Sie für ein ungewöhnliches Elternhaus?

Sabin Tambrea: Ein wundervolles! Meine Eltern sind Musiker, und sie haben mir das weitergeben wollen, was sie als Erfüllung in ihrem Leben empfunden haben - und das war die Musik. Ich hatte eine sehr schöne Kindheit, ich durfte Instrumente lernen, und sie haben mir die Sprache der Musik nähergebracht. Dafür bin ich ihnen dankbar, mir hat nichts gefehlt.

SKIP: Was sagt Ihre Mutter dazu, dass Ihr Sohn nun Hauptdarsteller in einer 16-Millionen-Euro-Filmproduktion ist?

Sabin Tambrea: Es ist ja fast eine Ironie des Schicksals, dass ein rumänisches Einwandererkind in Nordrhein-Westfalen aufwächst, in Berlin zur Schauspielschule geht und dann den Bayrischen König im Kino spielt. Meine Eltern sind sehr stolz.

Interview: Magdalena Miedl / Oktober 2012

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