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Interview mit Bruce Willis zu Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben

Schluss ist, wenn er das Licht abdreht: 25 Jahre nach seinem ersten Auftritt als Action-Cop John McClane in Stirb langsam geht Bruce Willis, mittlerweile 57, zum 5. Mal auf Gangsterjagd. Warum da trotz heftigstem Geballer familiäre Gefühle aufkommen, erzählte er beim Interview in Berlin.

SKIP: Die Stirb langsam-Serie ist nach einem Vierteljahrhundert echter Kult und wird oft und gern zitiert. Was ist eigentlich Ihre liebste Erinnerung?

Bruce Willis: Naja, naturgemäß gibts da mehrere nette. Aber für eine bin ich ganz besonders dankbar. Das war beim Dreh von Stirb langsam - Jetzt erst recht, wir drehten in New York mit John McTiernan. Ich und Samuel L. Jackson mussten für eine Szene wiedermal wo runterspringen, während hinter uns etwas explodiert. Jedenfalls wäre das so geplant gewesen, dass wir danach auf einem extra aufgebauten Gerüst landen. Einem sehr hohen Gerüst. Jedenfalls hatten die Techniker wohl ein bisschen zu viel Schmackes in die Explosion gepackt, und ich wurde durch die Wucht einfach über das Gerüst drübergeblasen. Wenn mich da nicht im letzten Moment ein Kulissenarbeiter - Tony Whitman hieß der! - am Leiberl festgehalten und mich wieder raufgezogen hätte, wäre ich jetzt nicht da. Ich habe wirklich gedacht, ich muss jetzt sterben.

SKIP: Action-Filmen wird immer wieder vorgeworfen, gewaltverherrlichend zu sein, aber ihre Beliebtheit ist ungebrochen. Woher kommt das?

Bruce Willis: Sind Sie schon mal mit einer Hochschaubahn oder ähnlichem gefahren? Die Idee dahinter ist ja, dass man dem Gefühl, das man jederzeit von ganz oben runterfällt, so nahe wie möglich kommt - ohne tatsächlich runterzufallen. Das ist es, was den Unterhaltungsfaktor ausmacht. Und genauso ist das bei Action-Filmen. Es glaubt ja niemand, der sich die ansieht, dass da wirklich Leute sterben. Es gibt einen Riesenunterschied zwischen dem, was in der Welt passiert und dem Kino. Wir vermitteln die Illusion, dass wir Gebäude runterfallen, in die Luft fliegen, verletzt werden … und jeder weiß, es ist nur eine Illusion. Wenn Leute durchdrehen und dann Mist bauen, dann sicher wegen was ganz anderem als irgendeinem Action-Film.

SKIP: In den Stirb langsam-Filmen gehts ja immer auch um die Familie - diesmal noch ein bisschen mehr mit ihrem Filmsohn Jack an Ihrer Seite.

Bruce Willis: Ja, das stimmt, McClane war immer ein Familienmensch. Seit dem ersten Teil. Das ist einfach gut für die Dramaturgie - man kann viele komische und viele dramatische Momente herausholen, es treibt die Handlung voran. Es wäre ja auch ein ziemlich fader Film, wenns nur um mich allein ginge und wie ich irgendwelche Stiegen hoch- und runterlaufe (lacht). Man kann sich so einfach besser mit McClane identifizieren. Ich meine, Mann, der Typ macht so viele Fehler, besonders als Vater.

SKIP: Im Film spielen Sie meist eher den harten Kerl. Wie sind Sie zuhause?

Bruce Willis: Nicht sehr hart (lacht).

SKIP: Ihre Frau hat einmal in einem Interview gemeint: "Ich bin der Boss, aber ich lasse ihn glauben, dass er es ist. Er ist ein richtiger Softie - in seinen Actionfilmen sieht man dann, was für ein großartiger Charakterdarsteller er ist!"

Bruce Willis: Wer hat das gesagt? Meine Frau? Dann ist es natürlich wahr, klar (lacht). Ich bin ein Softie, total. Aber man kann sich ja auch in Wirklichkeit nicht wie John McClane benehmen. Das wäre ein bisschen übertrieben. Aber ich muss hier echt auch nochmal klarstellen, was für unglaubliches Glück ich habe, so eine zauberhafte Frau und so eine wunderbare Familie zu haben, die mich in meiner ganzen Verrücktheit aushalten.

SKIP: Sie sind jetzt 57 Jahre alt - wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Werden Sie weiterhin Actionfilme machen?

Bruce Willis: Gute Frage (lacht). Ich weiß nie, was ich als nächstes tun werde. Jetzt mal sicher viel Zeit mit meiner Familie verbringen. Aber auch wenn Action-Filme einen großen Teil von dem, was ich drehe, ausmachen, mache ich ja auch andere Filme - Moonrise Kingdom zum Beispiel, das war ein ziemlicher Anti-Stirb langsam. (lacht)

Interview: Kurt Zechner / Januar 2013

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