Tomgirl

Interview mit Olga Kurylenko zu Oblivion

In Oblivion führt die unvergessliche Ukrainerin den Filmtitel ad absurdum, aus der Nähe überrascht sie durch überzeugende Coolness: Olga Kurylenko, Bond-Girl aus Ein Quantum Trost, erobert Hollywood. Dabei hat sie es eigentlich gar nicht notwendig, wie SKIP beim Talk in London erfahren hat.

SKIP: Wie war es, mit Tom zu drehen? Ist er wirklich so ein Kontrollfreak?

Olga Kurylenko: Vor allem ist er unglaublich charismatisch. Es klingt jetzt komisch aber in dem Moment, an dem er ein Set betritt, ist es, wie wenn jemand das Licht einschalten würde. Und er ist total begeistert von allem, was er macht - wie ein Kind! Ich hab ihn nie müde gesehen. Er ist immer voll da. Und ja, er hat immer alles unter Kontrolle, und deshalb ist er auch immer vorn dabei. Ich hab das ein bisschen beobachtet: Sein Zeitmanagement ist unglaublich smart. Er teilt sich ganz genau ein, was er wann macht und in welchen Abläufen - er hat nie auch nur eine Minute Leerlauf, aber auch immer genug Abwechslung. Wahrscheinlich bringt er deshalb an einem einzigen Tag so unglaublich viel weiter. Ich wäre gerne so!

SKIP: Was tun Sie, um Ihr Energielevel hoch zu halten?

Olga Kurylenko: Ich versuche, Tom Cruise zu imitieren (lacht). Und sonst - man muss vor allem gesund leben, gesund essen, viel Wasser trinken … das klingt total banal, ist aber wirklich wichtig, vor allem, wenn man unter so extremen Wetterbedingungen dreht wie bei Oblivion. Wir haben bei enormer Hitze gedreht, in Louisiana, und das in diesen dicken Raumanzügen - da muss man Unmengen von Wasser trinken, nur um zu überleben!

SKIP: Wie gings Ihnen dann bei den Action-Szenen?

Olga Kurylenko: Wissen Sie, beim Dreh von Ein Quantum Trost hab ich so unglaublich viel gelernt, das bleibt mir mein Leben lang (lacht). Ich hatte ja vorher noch nie einen Action-Film gedreht, also hab ich das komplette Schulungsprogramm verpasst bekommen: Kampftechniken, Fliegen, Fallschirmspringen, Schießen … Ich habe so ziemlich alle Skills, die man fürs Action-Genre braucht, diesmal musste ich nur Einzelheiten aufpolieren. Als ich in Oblivion eine Schieß-Szene gedreht habe, hat der Kameramann anerkennend gesagt: "Hey, Sie blinzeln ja gar nicht! Wo haben Sie das gelernt?" Als Schauspieler muss man nämlich beim Waffentraining nicht lernen, wie man trifft, sondern wie man schießt, ohne zu blinzeln - das ist wirklich schwer, es fliegt einem bei jedem Schuss jede Menge Staub im Gesicht herum. Und das haben Sie mir bei Bond wirklich beigebracht. Sechs Monate lang (lacht).

SKIP: Sie wurden mit 13 Jahren von einer Model-Agentin entdeckt, wurden dann sehr erfolgreiches Model, nun winkt die große Schauspielkarriere - ist das das Leben, von dem Sie als kleines Mädchen geträumt haben?

Olga Kurylenko: Nicht wirklich - es war einfach zu unmöglich. Hollywood ist von dort, wo ich herkomme, so unglaublich weit entfernt. Ich stamme aus einem ukrainischen Nest, weit weg von der Hauptstadt - und meine Mutter hätte sich nicht mal eine Fahrkarte ins Ausland leisten können, geschweige denn ein Flugticket nach Amerika. Ich hatte riesiges Glück, dass ich dieser Agentin aufgefallen bin, ein echtes Wunder. Alles was danach gekommen ist, war allerdings kein Wunder mehr. Viele Mädchen kamen so wie ich nach Paris, und waren kurz darauf wieder dort, wo sie hergekommen sind. Aber ich bin geblieben. Ich habe gearbeitet, täglich. Ich habe mir keinen einzigen freien Tag gegönnt, 15 Jahre lang. Ich wollte aus mir etwas machen, unabhängig sein, und nie auf jemanden angewiesen sein, der für mich zahlt.

SKIP: Hat ihnen das Modeln wenigstens ein bisschen Spaß gemacht?

Olga Kurylenko: Naja, der Teil vor der Kamera schon. Das Drumherum aber nicht so. Vor allem ist es so ein unglaublich einsamer Job. Ich habe damals die einsamste Zeit meines Lebens verbracht!

SKIP: Aber Sie waren doch verheiratet (2000–2004 mit dem französischen Fotografen Cedric van Mol, Anm.)?

Olga Kurylenko: Ja, aber mein Mann hat mich ja zu diesen Jobs nie begleiten können, das konnten wir uns nicht leisten! Ich war ja dauernd in der Weltgeschichte unterwegs. Ich sah ihn vielleicht 2, 3 Tage im Monat. Ständig bin ich heulend in irgendeinem Langstreckenflugzeug gesessen auf dem Weg in irgendein Land, das ich nicht kannte – und das nicht etwa First class. Als Model fliegst du Economy. 15 Jahre Economy-Langstreckenflüge! Und mein Ehemann, ich meine … er hat zum Familieneinkommen nicht unbedingt viel beigetragen, lassen Sie es mich so sagen (grinst). Aber ich bin dankbar für meine Model-Jahre, denn sie haben es mir ermöglicht, dass ich finanziell halbwegs abgesichert bin und nicht wie die meisten Schauspielanfängerinnen aus rein materieller Not jedes miese Angebot annehmen muss, das dann vielleicht meine Karriere killt. Ich konnte es mir immer leisten, nein zu sagen, weil ich unabhängig bin.

SKIP: Denken Sie manchmal darüber nach, was aus Ihnen geworden wäre, wenn diese Agentin Sie damals nicht angesprochen hätte in der U-Bahn?

Olga Kurylenko: Dann wäre ich wohl heute Ärztin. Ich hatte damals fest vor, Medizin zu studieren. 

SKIP: Was sind die Pläne für die nähere Zukunft?

Olga Kurylenko: Kennen Sie den Spruch: Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach einen Plan ...

Interview: Gini Brenner / Januar 2013

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