'Ich liebe den Blues'

Interview mit Leelee Sobieski zu Joyride - Spritztour

Leelee Sobieski bekam für ihren Kurzauftritt in Eyes Wide Shut bessere Kritiken als Tom Cruise. Jetzt ist das Talent in dem Thriller Joyride - Spritztour zu sehen.

SKIP: Bei den ersten Screenings von Joyride - Spritztour haben einige Zuschauer vor Angst geschrien. Ging es dir auch so, als du den Film das erste Mal sahst, oder schon beim Lesen des Drehbuchs?

Lee Sobieski: Ich habe mich im Kino mehr gefürchtet als beim Drehbuchlesen. Die Schnitte sind unglaublich. Beim Drehen gibt es ja auch noch keine Musik. Die macht aber dann den Film erst so richtig spannend.

SKIP: Wie würdest du deine Rolle beschreiben?

Lee Sobieski: Ich spiele in Joyride - Spritztour ein ganz durchschnittliches Mädchen. Vielleicht ist etwas besonderes an ihr, aber das bemerkt man nicht aufgrund der Situation, in der sie sich befindet.

SKIP: Im Film gehen Steve Zahn und Paul Walker nackt auf einen Coffeeshop zu, in dem du auf die beiden wartest. Wie war es denn für die beiden, so ganz ohne vor dir herumzulaufen?

Lee Sobieski: Sie haben sehr schöne Körper. Natürlich haben alle hingeschaut. Sogar meine Mutter, die auch am Set war. Steve scherzte, dass ein Set immer geschlossen wird, wenn sich eine Schauspielerin auszieht, aber dass es bei Männern offensichtlich andere Spielregeln gibt. Es war sehr lustig.

SKIP: In deinem anderen neuen Film, My First Mister, hast du eine sehr enge Beziehung zu einem alten Mann. Verstehst du solche Freundschaften zwischen verschiedenen Generationen?

Lee Sobieski: Ich kann das sehr gut verstehen, denn einer meiner besten Freunde ist Maximilian Schell. Ich bin auch mit den Freunden meiner Eltern befreundet. Es ist mir gleich, wie alt die sind. Ich habe nie verstanden, warum ich nur 20-jährige Freunde haben soll, nur weil ich gerade selbst 20 bin. Ich finde es auch furchtbar, dass es in Hollywood eine graue Liste für Regisseure gibt. Wenn einer nicht zu den 12 berühmten Top-Regisseuren über 50 gehört, glaubt ihm keiner, dass er eine neue Idee haben kann, und er kriegt keine Jobs mehr. Natürlich freut es mich, wenn ein Studio einen Mann engagiert, der gerade vom College kommt. Ist ja gut, wenn man der Jugend eine Chance gibt. Aber das heißt nicht, dass der die unglaubliche neue Vision hat, nur weil er jung ist. Das Alter ist nicht wichtig, Erfahrung ist wichtig.

SKIP: Stehst du auch in Liebesbeziehungen mehr auf ältere Männer?

Lee Sobieski: Mein Vater hatte diesen Freund, den ich unbedingt heiraten wollte. Mir ist klar, dass das sehr merkwürdig klingt, aber so war´s. Ich hatte dieses Ideal: Er musste ein dunkelhäutiger italienischer Brasilianer sein, der in Frankreich und Italien aufgewachsen war und der portugiesisch und englisch spricht, aber englisch mit einem britischen Akzent. Aber dann wollte ich mich natürlich auch jahrelang in den Mann verlieben, der mit dem Eiscremewagen täglich bei unserem Haus vorbeifuhr. Vermutlich weil ich eiscreme-süchtig war.

SKIP: Und in der Realität?

Lee Sobieski: Und meine sonstigen Erfahrungen in Sachen Liebe? Ich glaube nicht, dass ich mich bisher 100% verliebt habe. Ich wünsche mir, dass es schon passiert wäre. Andererseits - wenn ich mich jetzt wirklich 100% verlieben würde, wollte ich denjenigen vermutlich heiraten und Kinder kriegen und mein ganzes Leben würde sich ändern. Daher bin ich froh, dass ich nur ein klein wenig Liebe hatte und nicht die ganz große. Derzeit bin ich nur immer wieder mal verknallt.

SKIP: Was macht einen Regisseur gut für die Schauspieler?

Lee Sobieski: Wenn er offen ist für Vorschläge. Jeder erzählte mir, wie klar definiert Stanley Kubricks Vision seiner Filme von Anfang an ist. Wie er alles geplant hat. Trotzdem hörte er mir - einer damals 14-jährigen - zu! Er änderte sogar eine Szene zwischen mir und Tom Cruise, weil ich es vorgeschlagen hatte. Wahrscheinlich dachte er, dass eine 14-jährige besser versteht, wie ein Mädchen mit 14 empfindet.

SKIP: Hattest du jemals Probleme eine Rolle zu bekommen, weil du mit deinen 1,79 m sehr groß bist?

Lee Sobieski: Als ich Deep Impact drehte, sagten die Produzenten zur Regisseurin Mimi Leder: "Was wirst du mit ihr machen? Sie ist ja größer als Elijah Wood." Mimi erwiderte: "Gar nichts. In diesem Alter sind Mädchen oft größer als gleichaltrige Jungs, warum sollte ich also was dagegen tun." Zum Glück gibt´s ja viele große Schauspielerinnen in Hollywood, Gwyneth Paltrow, Uma Thurman, Geena Davis, Nicole Kidman.

SKIP: Wie Jodie Foster willst du eine Film-Pause einlegen und an der Universität japanische Literatur und Kunstgeschichte. studieren?

Lee Sobieski: Ich gehe auf die Brown University. Die gilt zwar als Ivy League-Schule, aber ist die liberalste von allen. Die stört es nicht, wenn man dazwischen ein Semester auslässt, um einen Film zu machen. Ich suchte mir Brown aus, weil ich ein East Coast-Girl bin. Ich bin in Manhattan geboren und aufgewachsen. Ich liebe die Ostküste, die Mentalität der New Yorker. Ich freue mich auf das Studium. Es ist sicher gut für mich, von Leuten umgeben zu sein, die nichts mit Hollywood und der Entertainmentindustrie zu tun haben. Das ist eine gute neue Erfahrung für mich.

SKIP: Was machst du in deiner - spärlichen - Freizeit?

Lee Sobieski: Ich male. Mein Vater ist Maler und manchmal starten wir gemeinsam auf einer Leinwand. Ich auf einer Seite, er auf der anderen. Und mittendrin wechseln wir Seiten. Und ich steh sehr auf Musik. Ich würde gern singen können wie Nina Simone. Ich liebe den Blues. Ich liebe Nina Simone, Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Otis Redding und Massive Attack. Ich liebe Musik. Ich verwende sie auch bei der Arbeit, um mich in die richtige Stimmung zu bringen.

SKIP: Wie europäisch fühlst du dich aufgrund deines familiären Backgrounds?

Lee Sobieski: Ich höre immer wieder, dass ich sehr französisch bin. Natürlich ist das kein Wunder, mein Vater ist ja Franzose polnischer Abstammung und ich verbrachte meine halbe Kindheit in Frankreich. Ich wuchs mit der europäischen Sensibilität auf. Und aus Polen bekomme ich immer Zigaretten und Wodka geschenkt, denn dort gibt´s Sobieski-Zigaretten und Sobieski-Wodka. Leider war ich noch nicht dort. Ich hoffte, ich könnte hinfahren als ich die Rolle in Uprising bekam, wo es ja um den Aufstand im Warschauer Ghetto geht, aber wir drehten in Prag.

Interview: September 2001

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