Küss mich, Muse!

Interview mit Christa Theret zu Renoir

Mit süßen 17 bezauberte sie in LOL - Laughing Out Loud als Sophie Marceaus Teenie-Tochter, jetzt ist Christa Theret erwachsen geworden - und verdreht nicht nur ihren Renoir-Kollegen, sondern in Paris auch SKIP gehörig den Kopf.

SKIP: Was war die besondere Attraktion für Sie als junge Schauspielerin, bei einem Stoff, der von der Ausgangslage eher ein älteres Publikum anspricht, mitzumachen?

Christa Theret: Ich glaube, das scheint nur auf den ersten Blick so zu sein. Regisseur Gilles Bourdos hat den Film ja nicht vordringlich über Auguste oder Jean Renoir gemacht - sondern lässt über die beiden sozusagen eher die Geschichte von Andrée Heuschling, meiner Filmfigur, erzählen. Und es ist unter anderem auch eine sehr leidenschaftliche Liebesgeschichte in einer turbulenten Zeit, das interessiert sicher auch die jungen Zuschauer. Ich meine, Krieg, nackte Frauen, was wollen junge Leute mehr (lacht)?

SKIP: Wie vertraut waren Sie mit der Geschichte der beiden Renoirs und mit der Ihrer Figur?

Christa Theret: Von Auguste Renoir wusste ich definitiv mehr als von seinem Sohn Jean. Mein Vater war Maler, ich sah schon als Kind einen Haufen Modelle bei uns zu Hause herumlaufen, darunter auch meine Mutter - diese ganze Szenerie ist ein sehr vertrautes Universum für mich. Von Jeans Filmen hatte ich ein paar gekannt, von meiner Figur allerdings wusste ich vor diesem Film gar nichts, und ich finde ihre Geschichte sehr tragisch. Sie ist so eine faszinierende Frau, viel ambitionierter als der gebildete Jean, fast eine kleine Feministin. Sie kommt zwar aus sehr einfachen Verhältnissen, aber sie will nicht einfach nur eine Dienerin für diese Männer sein. Und es war maßgeblich sie, die Jean überhaupt dazu brachte, Filmemacher zu werden. Er wollte das anfänglich ja gar nicht, und sie musste ihn erst davon überzeugen, anfangs machten sie ja auch alle Filme gemeinsam. Bis zu Die Hündin: Sie schrieben zusammen noch am Skript, sie hätte auch wieder die Hauptrolle spielen sollen. Doch der Produzent wollte den Film nur unter der Bedingung finanzieren, dass Andrée nicht dabei ist. Und da hat Renoir sie dann einfach sitzengelassen und den Film alleine gemacht - und kurz darauf ging er nach Hollywood, ohne sich weiter um sie zu scheren.

SKIP: Auch Sie kennen bereits einige Karriere-Fallen - wie haben Sie es verhindert, dass mit Ihnen nach LOL das gleiche passiert wie mit Sophie Marceau damals nach La Boum, nämlich dass Sie auf ewig über Ihr Kinodebüt definiert werden?

Christa Theret: Man muss da wirklich sehr aufpassen, wenn man mit seinem allerersten Film schon recht erfolgreich war. Es ist verdammt schwer, so ein Label wieder loszuwerden. Ich hab nach LOL versucht, möglichst ganz andere Sachen zu spielen, Rollen, die nicht nur mich, sondern das Publikum mehr herausfordern. Denn nur mit schwierigen Aufgaben macht man als Schauspielerin Fortschritte. Und ich glaube, mittlerweile sieht man mich nicht mehr als ewigen Teenager.

Interview: Kurt Zechner / Januar 2013

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