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Interview mit Mark Wahlberg zu Broken City

New Yorker Ex-Cop, Schnüffler, an der Grenze zur Illegalität: Die Rolle des Billy Taggart in Broken City war für Mark Wahlberg fast ein Routinejob - wäre da nicht dieser eine Zwischenfall mit der Polizei gewesen. Im SKIP-Talk verrät der Schauspieler und Produzent, dass es auch nach fast 20 Jahren im Business noch Überraschungen gibt - und der Job immer besser wird.

SKIP: Sie waren jetzt schon ganz schön oft der harte Großstadt-Cop. Müssen Sie sich auf eine Rolle wie diese überhaupt noch vorbereiten?

Mark Wahlberg: Nicht besonders, auch wenn der Regisseur von mir wollte, dass ich so dünn bin wie nur irgendwie möglich. Ich habe dabei aber ein bisschen geschummelt, denn gleich nachher habe ich das Bodybuildingmovie Pain & Gain gedreht, für das ich einiges an Muskeln zulegen musste. Jedenfalls hatte ich als Produzent des Films viel zu tun, die Finanzierung sicherzustellen, alle zu überzeugen, fast gratis zu arbeiten und so weiter. Und dann hab ich eben meinen Text gelernt und versucht, in der Früh pünktlich am Set zu sein.

SKIP: Wie wichtig ist Ihnen die politische Seite des Films?

Mark Wahlberg: Es ist eine spannende Geschichte, nicht mehr. Der Film ist nicht inspiriert von einer realen Begebenheit, es ist eben ein Thriller. Aber die Leute lieben Kontroversen, das reizt also zu Spekulationen (grinst).

SKIP: Sie haben also nicht zwangsläufig etwas gegen Mr. Bloomberg, den Bürgermeister von New York?

Mark Wahlberg: Nein - obwohl mich die Polizei eines Abends verhaften wollte und die Filmkommission drohte, uns die Dreherlaubnis wegzunehmen. Es gibt da diese eine Szene, in der Billy wieder zu trinken angefangen hat. Und ich habe mit Flaschen geschmissen und begonnen, mit Leuten auf der Straße zu streiten. Dabei hab ich das Gitter von einem Schaufenster runtergerissen, das stand nicht im Drehbuch, ich hab einfach improvisiert, und die Kamera ist mir gefolgt. Natürlich sind die Cops gekommen: "Hey, du kannst nicht einfach das Eigentum anderer Leute zerstören, was soll das!" Ich musste im Büro des Bürgermeisters anrufen und mich formell entschuldigen, das war ziemlich peinlich.

SKIP: Sie werden demnächst in zwei Michael Bay-Filmen mitspielen (Pain & Gain und Transformers 4, Anm.). Haben Sie das Independent-Kino satt?

Mark Wahlberg: Aber nein, Pain & Gain ist im Grunde ein Independentfilm, der hat nur 25 Millionen Dollar gekostet, für Bay ist das ein kleiner Film. Ich hab sehr gern mit ihm gedreht, und als er mich dann gefragt hat, ob ich Lust auf noch ein Projekt mit ihm hätte, sagte ich: "Klar, warum nicht!" Transformers 4 ist zwar ein kleines bisschen größer, aber immerhin ist es der erste meiner Filme, auf den sich auch mein Nachwuchs freut (lacht).

SKIP: In Zukunft konzentrieren Sie sich also auf Megablockbuster für Kinder?

Mark Wahlberg: Ach, ich suche immer nach dem Gegenteil von dem, was ich zuletzt gemacht habe, von der Größe, dem Tonfall oder dem Thema her, und oft ist das Ergebnis auch unvorhersehbar. Als ich Ted gemacht habe, hätte da alles Mögliche daraus werden können! Ich mochte zwar das Drehbuch, und ich mag Seth MacFarlane sehr gern, aber er hätte das auch ziemlich versauen können. Dass es der erfolgreichste Film meiner Karriere werden würde, hat keiner ahnen können (lacht).

SKIP: Sie sind jetzt bereits fast zwei Jahrzehnte im Geschäft. Wie lautet Ihre Zwischenbilanz?

Mark Wahlberg: Ich kann zumindest sagen, dass ich mehr gute als schlechte Filme in meinem Lebenslauf stehen habe, und das ist schon ein Sieg. Es ist schwer, gute Filme zu machen. Auch wenn ich mein Bestes gebe, wird das Endergebnis oft nicht so, wie ich es mir erhoffe. Aber ich habe wirklich nur ein paar Filme auf meiner Liste, bei denen ich wünschte, Nein gesagt zu haben.

SKIP: Was ist Ihrer Einschätzung nach der beste Film Ihrer Karriere?

Mark Wahlberg: Der war natürlich noch nicht im Kino (lacht)! Aber neben Broken City wird es ein hartes Match zwischen Lone Survivor, den ich gerade erst gedreht habe, dann Two Guns, dem Film, den ich gerade mit Denzel Washington gemacht hab, und dem Michael-Bay-Film Pain & Gain. Ich liebe diesen Film, der ist wie eine Kreuzung zwischen Boogie Nights, Pulp Fiction und Fargo.

SKIP: Klingt vielversprechend! Und der schlechteste Film?

Mark Wahlberg: The Truth About Charlie von Jonathan Demme, ein fürchterlicher Film. Aber geben Sie mir nicht die Schuld! Ich war damals immer noch ein unerfahrener Schauspieler, ich hab mir nicht so viele Gedanken um das Drehbuch und meine Rolle gemacht wie heute. Ich hab es ja damals auch nicht so prickelnd gefunden, Planet der Affen neu zu verfilmen, aber ich wollte unbedingt mit Tim Burton arbeiten. Der Film wurde nicht ganz so toll (grinst). Aber die Erfahrung war fantastisch.

Interview: Magdalena Miedl / Februar 2013

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