Von TRON zu Tom

Interview mit Joseph Kosinski zu Oblivion

Ein Einstand nach Maß: Seine Hollywoodkarriere begann Joseph Kosinski gleich mit dem Sequel des 80s-Kultfilms TRON. Mit seiner erst zweiten Regiearbeit durfte er nun ein absolutes Herzensprojekt verfilmen: seine eigene Graphic Novel Oblivion. Im Exklusiv-Interview mit SKIP sprach der 38-jährige Ex-Werbefilmer über lohnenswerte Umwege, starke Frauen und die Macht des Mondes.

SKIP: Oblivion wurde von Ihnen zunächst ja einmal als Graphic Novel entwickelt. Ganz grundsätzlich: Haben Sie diese nur geschrieben oder auch gezeichnet?

Joseph Kosinski: Beides! Ich habe sie geschrieben und dann mal drei Schlüssel-Bilder angefertigt: eines vom Sky Tower, eines vom Bubble Ship und eines vom Empire State Building im Sand. Schließlich haben es auch alle drei Elemente bis in den fertigen Film geschafft.

SKIP: Aber ursprünglich war es ja gar nicht geplant, die Geschichte als Graphic Novel rauszubringen?

Joseph Kosinski: Nein, aber zu jener Zeit war eben grade der Streik der Drehbuchautoren im Gange, der eine Filmentwicklung erschwerte. Also hat mir mein Agent dazu geraten, die Geschichte zuerst einmal als Graphic Novel zu konzipieren - um sie dann gleich in der Form veröffentlichen und sie zudem auch einem Filmstudio vorlegen zu können. So ist es dann auch passiert - und gerade diese drei ersten Bilder waren es letztlich auch, die Tom Cruise überzeugt haben.

SKIP: Wäre der Film in der jetzigen Form auch ohne Tom Cruise möglich gewesen?

Joseph Kosinski: Kaum. Um eine originäre Geschichte in dieser Größenordnung umsetzen und verfilmen zu können, braucht man einfach einen großen Filmstar an Bord - bloß gibt es derer gar nicht so viele.

SKIP: Warum denken Sie, hat er sich für Ihre Geschichte entschieden?

Joseph Kosinski: Ich glaube, dass Tom die Story mochte, dass er sich mit der Figur des Jack Harper identifizieren konnte. Und ich denke, dass er auch an der Welt Gefallen fand, die ich kreieren wollte - Oblivion ist ja eine Sci-Fi-Geschichte bei Tageslicht. Nachdem Tom schon nahezu alles gespielt hat, sucht er stets nach etwas, das er so noch nicht gemacht hat.

SKIP: Nach welchen Kriterien erfolgte anschließend die Besetzung der beiden weiblichen Hauptrollen?

Joseph Kosinski: Uff, das Casting war ein langwieriger Prozess. Ich wusste, dass ich Schauspielerinnen für zwei ganz unterschiedliche, jeweils aber sehr starke Charaktere benötige. Wir haben dafür wirklich sehr viele talentierte Miminnen getestet. Am Ende haben sich dann Olga Kurylenko und Andrea Riseborough eindeutig als die besten Besetzungen herauskristallisiert.

SKIP: Wie viel Science steckt in der Science-Fiction von Oblivion? Haben Sie Wissenschafter konsultiert, um Ihre Geschichte so glaubwürdig wie möglich erzählen zu können?

Joseph Kosinski: Ich habe mit einem eigenen wissenschaftlichen Gremium zusammengearbeitet. Die meisten der daran Beteiligten kamen von JPL, dem Jet Propulsion Laboratory - also von jener Einrichtung, die beispielsweise auch hinter dem Mars-Rover steckt. Denen habe ich alle möglichen Fragen gestellt: Was würde passieren, wenn man den Mond zerstört? Welche Energien stecken in unseren Ozeanen, die man anzapfen könnte? Wenn die Menschheit unseren Planeten verlassen müsste, wohin würde sie gehen? Was wäre der bewohnbarste Planet oder Mond in unserem Sonnensystem?

SKIP: Haben Sie die Antworten überrascht?

Joseph Kosinski: Ja, und sogar positiv. Ganz einfach, weil sich meine Grundidee, dass, wenn man den Mond zerstört, die Erde ins Chaos stürzen würde, bewahrheitet hat! Beängstigend ...

SKIP: Woher kommt eigentlich Ihre Vorliebe für Science-Fiction? In einer Ihrer frühen Werbearbeiten haben Sie sich zum Beispiel auch schon mit dem sogenannten Zwillingsparadoxon auseinandergesetzt ...

Joseph Kosinski: Womöglich liegt das an meinem Background im Maschinenbau und in der Architektur. Was mich an Science-Fiction so fasziniert, ist, dass es ein Genre ist, das es einem ermöglicht, ganz neue Welten zu erschaffen. Es lässt auch die großen Fragen zu: Wer sind wir? Warum sind wir hier?

SKIP: Werden Sie dem Genre auch in Zukunft treu bleiben?

Joseph Kosinski: Es ist immer wieder mal die Rede von einem möglichen dritten TRON-Film. Im Moment arbeiten wir da noch am Drehbuch. Wir haben, glaube ich, eine ziemlich interessante Idee dafür. Ich weiß momentan aber echt noch nicht, was mein nächstes Projekt sein wird!

Interview: Christoph Prenner / März 2013

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.