Last Dad On Earth

Interview mit Will Smith zu After Earth

Freundschaft statt Ehrgeiz: After Earth eröffnet nicht nur ein neues Kapitel im Science-Fiction-Kino, sondern vor allem ein neues Zeitalter in der Beziehung von Will Smith zu seinem 14-jährigen Sohn Jaden. Ein SKIP-Talk über Vatergefühle und die Zukunft.

SKIP: Seit Ihrer letzten Zusammenarbeit mit einem Ihrer Kinder hat sich angeblich Ihr Erziehungsstil geändert. Woran liegt das?

Will Smith: Ja, im Grunde ist meine Tochter Willow schuld. Ich bin in einem sehr militärischen Elternhaus großgeworden, ich bin gewöhnt, dass der Kommandant die Richtung vorgibt und alle anderen folgen, bis der Job erledigt ist. Aber gerade als Willows Single Whip My Hair 2010 so richtig abgehoben und sie die ersten Liveshows gegeben hat, sagte sie: "Daddy, das war klasse, aber jetzt will ich wieder nach Hause." Wow: Sie ist zehn, sie hat Spaß gehabt, und jetzt will sie heimgehen und was anderes tun - diese Erkenntnis hat meine ganzen Überzeugungen von Ehrgeiz und Elternschaft über den Haufen geworfen (lacht). Auch für After Earth musste ich mich erst einmal mit der Idee anfreunden, dass der Film garantiert die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Jaden und mir verändert, ganz egal wie erfolgreich er in den Kinos ist.

SKIP: Erwarten Sie von Ihrem Sohn am Set mehr als von den anderen?

Will Smith: Nicht bei After Earth, und das war der große Unterschied zu früher. Bei Karate Kid war ich der General, der den Plan durchgezogen hat: "Du bist zwar erst elf, aber du hast diese Verantwortung angenommen. All diese Leute um dich herum müssen darauf vertrauen, dass du deinen Text kannst und pünktlich da bist, die leben davon." Bei After Earth habe ich einen Schritt zurück gemacht und hab zugelassen, dass seine Persönlichkeit wirklich Platz hat.

SKIP: In After Earth gehts um einen strengen Vater und seinen Teenagersohn, die lernen müssen, miteinander auszukommen. Das klingt irgendwie vertraut ...

Will Smith: Oh ja, zwischen Cypher, den ich im Film spiele, und seinem Sohn Kitai ist die Situation ganz ähnlich wie bis vor kurzem zwischen Jaden und mir. Der General sagt: „Tu, was ich dir befehle!“ Und sein Sohn sagt: "Du bist nicht hier draußen im Wald, du hast doch keine Ahnung!" Das war für Jaden und mich perfekt, weil wir da über Cypher und Kitai sprechen konnten, aber in Wirklichkeit natürlich unser Verhältnis zueinander ausgelotet haben. Wir erzählen hier in einem Science-Fiction-Spektakel, wie ein Elternteil und ein Kind gemeinsam versuchen, die Teenagerzeit zu überstehen (lacht).

SKIP: Hat die Story tatsächlich Ihre Wurzeln im Verhältnis von Jaden und Ihnen?

Will Smith: Absolut, ja. Bei Karate Kid hab ich gesehen, wie viel Spaß Jackie Chan und Jaden miteinander hatten, und da wurde ich wohl eifersüchtig (lacht). Hey, die haben hier die größte Gaudi, ich will auch so viel Spaß mit meinem Sohn haben! So ist mir die Idee gekommen. Ursprünglich sollte das in der Gegenwart spielen: Ein Vater, der beim Militär ist, kehrt heim und muss mit seinem Sohn zurechtkommen. Und dann hatte ich eine Idee: Wie sieht das aus, wenn ich das tausend Jahre in der Zukunft spielen lasse, in einer lebensbedrohlichen Situation? Dieser lebensgefährliche Ort, das könnte die Erde selbst sein - und dann kam die Geschichte ganz von selbst ins Rollen.

SKIP: Wie ist Regisseur M. Night Shyamalan zum Projekt gekommen?

Will Smith: Ich hab ihn zu seinem Geburtstag angerufen, und er sagte: "Vergiss die Gratulationen, überleg dir lieber was für einen gemeinsamen Film!"  Er war sofort begeistert von meiner Idee. Wir haben dann Comic-Autor Peter David angeheuert, und der hat eine 300-Seiten-Bibel gezeichnet mit einer detaillierten Geschichte der nächsten tausend Jahre, in der er jedes einzelne Jahr durchgegangen ist und all die Dinge aufgezeichnet hat, die mit der Menschheit passieren werden. Ein Beispiel: In Schweden werden alle Samen der gesamten Welt aufbewahrt, und diese Samen werden auf der Orion-Arche kultiviert. Der erste Wein im Weltraum wird dann im Jahr 47 A.E. geerntet. A.E. steht für After Earth, nachdem die Menschheit die Erde verlassen hat. Der muss echt high gewesen sein, als er das alles erfunden hat (lacht)! Wir haben jetzt mal nur einen Film daraus gemacht, aber es gibt noch jede Menge Ideen zum Thema: Ron Moore (Regisseur und Autor u. a. von Star Trek: Der erste Kontakt, Anm.) hat soeben den ersten Entwurf einer After-Earth-Fernsehserie eingereicht. Die Welt, innerhalb derer diese Geschichte spielt, wird immer größer - wir werden davon noch viele Jahre zehren.

Interview: Magdalena Miedl / April 2013

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.