Das Wort ist Film geworden

Interview mit Leonardo DiCaprio zu Der große Gatsby

In der Hauptrolle von Baz Luhrmanns glamouröser Verfilmug des Romanklassikers Der große Gatsby eröffnete der große Leonardo die heurigen Filmfestpiele von Cannes. Auch im SKIP-Talk war seine Leidenschaft für F. Scott Fitzgeralds Story ungebrochen spürbar.

SKIP: Was bedeutet es für Sie, in Cannes zu sein - als Hauptdarsteller des Eröffnungsfilms?

Leonardo DiCaprio: Jedes Mal wenn ich hier ankomme, fühle ich mich wie in der Eröffnungsszene von La dolce vita ... Es ist einer der bizarrsten und aufregendsten Plätze der Welt. Dieses Festival zu eröffnen, ist eine Riesenehre für uns, es ist ja doch ein recht riskantes Projekt.

SKIP: War Der große Gatsby immer schon ein Lieblingsbuch von Ihnen?

Leonardo DiCaprio: Nein, es ist mir erst in späteren Jahren ans Herz gewachsen. In den USA ist das Buch ja Pflichtlektüre an den Schulen, jeder muss es lesen. Auch ich - und ich weiß noch, dass ich es als Teenager recht nett gefunden habe, aber mehr nicht. Diese erzählerische Kraft, das, was alles an existenzialistischer Wahrheit zwischen den Zeilen steht, hat sich mir damals noch nicht erschlossen. Bis mir Baz Luhrmann dann vor einigen Jahren eine Erstausgabe von Der große Gatsby in die Hand gedrückt hat, gemeinsam mit dem Rollenangebot. Also hab ichs nochmal gelesen - und es hat eine ganz neue Bedeutung für mich bekommen.

SKIP: Also mehr als nur „ganz nett“?

Leonardo DiCaprio: Ja, absolut. Ich meine, die Macht der Geschichte zeigt sich ja schon allein daran, dass sie 90 Jahre nach ihrer Entstehung immer noch gelesen, analysiert und diskutiert wird, dass Leute immer noch jeden Satz auseinandernehmen und Fitzgeralds Symbolik interpretieren. Ich bin wirklich fasziniert von Gatsby. Es ist viel mehr als nur eine Liebesgeschichte, es ist die Tragödie eines Mannes, der so ehrgeizig sein Ziel verfolgt, dass er irgendwann vergisst, wer er eigentlich ist - und der sich so verzweifelt an dem Traumbild seiner vergangenen Liebe festhält, dass er gar nicht merkt, dass es sie nicht mehr gibt.

SKIP: Vor 20 Jahren haben Sie das erste Mal mit Baz Luhrmann gedreht: Romeo + Julia, noch vor Titanic Ihr erster großen Leinwand-Erfolg.

Leonardo DiCaprio: Mann, das ist ja schon ewig her ... ich erinnere mich noch gut, wie ich damals als blutjunger Newcomer zu einem Shakespeare-Workshop nach Australien geflogen bin, wo dieser seltsame Regisseur gemeint hat, er wolle versuchen, die Geschichte von Romeo und Julia in eine andere Welt zu versetzen. Das schien damals ziemlich irre. Aber es hat funktioniert! Aber bis heute sind Baz' Träume immer ein bisschen größer als die der anderen (lacht) - und er fürchtet sich vor nichts.

Interview: Gini Brenner / Mai 2013

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