Gelb regiert die Welt

Interview mit Chris Renaud zu Ich - Einfach unverbesserlich 2

Fies & furios: Mit Ich - Einfach unverbesserlich landete Chris Renaud mit seinem Partner Pierre Coffin einen der größten Trickfilm-Hits der letzten Jahre. Nun erobern der liebevolle Schurke Gru, seine drei Adoptivtöchter und natürlich auch wieder die unzähligen gelben Minions ein zweites Mal die Leinwand. Warum dieses Animationswunder ausgerechnet von Paris aus seinen Ausgang nehmen konnte, hat Renaud SKIP ebendort zu erklären versucht.

SKIP: Mr. Renaud, Sie sind Amerikaner, ihr Partner Pierre Coffin ist Franzose. Inwieweit liegt es an Ihren unterschiedlichen Zugängen und Herkünften, dass die Ich - Einfach unverbesserlich-Filme verglichen mit anderen Animationsarbeiten einen ganz eigenen Charme versprühen?

Chris Renaud: Hmm, schwer zu sagen. Es gibt in unseren Zugängen ja auch Überlappungen. Pierre lebte als Kind einige Jahre in den Staaten - und zwar in einer Zeit, in der man kulturell stark geprägt wird, so zwischen 9 und 12. Ich wurde sowieso von der US-Comic-Kultur geprägt. Wir haben also durchaus gemeinsame Basics. Gleichzeitig bringt aber auch jeder seine eigenen kulturellen Referenzen mit ins Spiel, aus denen dann im besten Fall etwas Einzigartiges entsteht.

SKIP: Warum produzieren Sie mit Ihrem Studio Mac Guff in Paris und nicht wie die meisten anderen Mitbewerber in den Staaten?

Chris Renaud: Neben einem wirklich starken Ausbildungssystem auf dem Animationssektor gibt es in Frankreich einfach diese enorme Liebe zur Kultur. Wenn man den Boulevard Saint-Germain entlangschlendert, findet man da ein Comic-Geschäft nach dem anderen. So ein kulturvernarrtes Umfeld findet man nicht so leicht woanders - es herrscht hier ein Klima, das Künste schätzt und unterstützt.

SKIP: Zwischen dem ersten und dem zweiten Teil von Ich - Einfach unverbesserlich liegen drei Jahre. In dieser Zeit hat sich doch sicher einiges verändert, was die technische Entwicklung im Animationsbereich anbelangt?

Chris Renaud: Absolut. Beim ersten Teil waren wir meist noch damit beschäftigt, nach Fehlern zu suchen und sie zu fixen. In der Zwischenzeit ist aber ein wahrer Quantensprung passiert - sowohl was die Technologie als auch was die Fertigkeiten des Teams anbelangt. Beim ersten Teil haben wir bestimmte Entscheidungen oft einfach aus der Tatache heraus getroffen, dass wir gewisse Beschränkungen akzeptieren mussten. Jetzt haben wir einfach mehr Möglichkeiten.

SKIP: Apropos Technik: Wie wichtig ist Ihnen der 3D-Aspekt Ihrer Filme?

Chris Renaud: Die Handlung kommt bei uns immer zuerst, erst dann machen wir uns Gedanken um die 3D-Umsetzung. Ganz ehrlich: Es gibt vor den Filmvorführungen oft Werbungen, die das eindrucksvollste 3D haben, das Sie an dem Abend sehen werden - ganz einfach weil es da für Sachen eingesetzt wird, bei denen es am besten funktioniert. Nun lebt ein Film aber nicht nur von solchen Gimmick-Szenen, sondern er soll auch eine Geschichte erzählen. Und da muss man diese Technik dann subtiler einsetzen und auf Effekthaschereien verzichten. Die heben wir uns lieber für die Szenen nach dem Abspann auf (lacht)!

SKIP: Worin bestand denn die Herausforderung beim Schreiben der Fortsetzung?

Chris Renaud: Pierre und ich haben uns gefragt, wie wir die Story aus dem ersten Teil, die eine sehr klassische Story ist, ausbauen und weiterführen können. Wir haben beispielsweise versucht, rund um Gru und seine drei Mädchen kleine Geschichten zu finden, die die Entwicklungen, die mit dem Elternsein verbunden sind, beschreiben. Gru muss zum Beispiel damit klarkommen, dass Margo sich nun auch für Buben zu interessieren beginnt. Er sieht ihr also beim Erwachsenwerden zu, möchte aber natürlich auch, dass sie für immer sein kleines Mädchen bleibt. Gru macht hier definitiv eine persönliche Entwicklung durch.

SKIP: Im diesem filmischen Universum sind auch die Nebenfiguren von großer Bedeutung. Manche meinen sogar, dass Grus gelbe Gehilfen, die Minions, die eigentlichen Stars der Filme wären. Und das obwohl man sie meist nicht einmal versteht. Stimmt es, dass Sie für die kleinen Stöpsel eine eigene Sprache entwickelt haben?

Chris Renaud: Das stimmt, zumindest fast (lacht). Als wir den ersten Film gemacht haben, hat ihnen Pierre immer diese seltsamen Worte in den Mund gelegt. Oft handelte es sich dabei aber einfach nur um exotische Essensnamen, wie etwa Linguini. Die Minions-Sprache ist wahrscheinlich am ehesten ein Mash-up von verschiedenen Sprachen, aus denen wir uns einfach besonders lustig klingende Wörter ausgeliehen haben.

Interview: Christoph Prenner / Mai 2013

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