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Interview mit James Franco zu As I Lay Dying

Als Teenager war er ein wilder Hund, mittlerweile hat sich James Franco mit Leib und Seele der Kunst verschrieben: Der Schauspieler, Autor, Konzeptkünstler und Filmemacher präsentierte in Cannes seine Verfilmung eines US-Romanklassikers.

SKIP: Was hat Sie so an William Faulkners Roman As I Lay Dying fasziniert, dass Sie sich an die Verfilmung gewagt haben?

James Franco: Ich bin Faulkner-Fan seit der Highschool. Es war das erste Buch von ihm, das ich gelesen hab, mein Vater hat es mir gegeben. Ich bin damals ein bisschen in Schwierigkeiten geraten, deshalb gab es eine Zeit, wo ich am Wochenende nicht fortgehen durfte. Ich erinnere mich genau an diesen einen Freitagabend, wo alle meine Freunde Party machten, und ich bin zu Hause gesessen und hab dieses Buch gelesen – und war hin und weg, ich hab die ganze Nacht durchgelesen.

SKIP: Welche Schwierigkeiten waren das?

James Franco: Ach, ich machte von allem Verbotenen ein bisschen: Graffiti, Diebstähle, Alkohol – nur kleinen Sachen, aber es hat sich halt summiert. Es war lustig, dass ich mich gerade damals in den Figuren in dem Buch irgendwie wiedergefunden habe. Vor allem, weil ich es nicht wirklich verstanden habe, das ging weit über meinen damaligen Horizont hinaus (lacht).

SKIP: Bei As I Lay Dying sind Sie Regisseur, Drehbuchautor und einer der Hauptdarsteller das muss ganz schön nervenaufreibend sein, so ein persönliches Projekt hier in Cannes zu präsentieren.

James Franco: Es stimmt, schon, ich habe sehr viel bei dem Film gemacht, aber das hat sich eher aus der Logistik heraus ergeben, nicht, weil ich so ein Kontrollfreak bin. Ursprünglich hätte ja jemand anderer meine Rolle spielen sollen, dann hatte der aber Terminprobleme. Und schließlich haben die Geldgeber gesagt, dass sie mich in dem Part sehen wollten, weil das für den Kassenerfolg besser wäre (lacht). Aber was die Cannes-Premiere anbelangt: Als Schauspieler bin ich schon so gewöhnt an Premieren, da werd ich nicht mal mehr nervös. Nach 17 Jahren als Darsteller habe ich genug Selbstbewusstsein bei dieser Arbeit. Aber dieses Mal, als wir alle den Roten Teppich hochgeschritten sind – und wir sind tatsächlich zu Fuß zur Premiere gegangen, weil die Autos brauchen hier ja eine halbe Stunde, um nur einen Block weit zu kommen (lacht), musste ich mich ständig selbst daran erinnern, dass ich ja der Regisseur dieses Films bin. Und das ist mir dann schon ziemlich eingefahren. Ich liebe ja Filmfestivals, die Atmosphäre fasziniert mich. Das ist für mich einer der schönsten Orte, an denen man sich auf der Welt befinden kann. Ich bin einfach gerne unter Leuten, die den Film lieben.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2013

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