Auf der dunklen Seite

Interview mit Orlando Bloom zu Zulu

Der elfengleiche Orlando Bloom als kettenrauchender, saufender Cop und Vater eines fast erwachsenen Sohnes? Im Polizei-Drama Zulu, dem Cannes-Abschlussfilm 2013, geht der 36-jährige Brite ganz neue Wege. Beim Exklusiv-Interview präsentierte er sich aber wieder freundlich und sauber wie eh und je.

SKIP: So wie in Zulu haben wir Sie noch nie gesehen …

Orlando Bloom: Glauben Sie mir, ich habe auch ziemlich lange gebraucht, endlich mal eine Rolle wie diese hier für mich zu finden: Ein geschiedener, tabletten- und alkoholsüchtiger Kettenraucher, der seinem 17-jährigen Sohn ein mieser Vater ist. Da denkt man wohl eher an Typen wie Ray Winstone oder so. Ganz sicher sagt da keiner: Ah, Orlando Bloom könnte das spielen (lacht)! Ich bin mir sicher, die Rolle war ursprünglich gar nicht für mich vorgesehen, und ich habe das Angebot nur bekommen, weil irgendwer anderer abgelehnt hat (grinst). Ich meine, der Beginn meiner Karriere war eben bestimmt von meinen Rollen in gleich zwei der größten Franchises der Filmgeschichte, Der Herr der Ringe und Fluch der Karibik. Das war natürlich großartig und hat mir unglaubliche Möglichkeiten eröffnet. Gleichzeitig bekommt man durch solche Parts aber halt auch ein sehr hartnäckiges Image aufgedrückt - in meinem Fall ein ausgesprochen cleanes, nettes. Und wenn man dann versucht, den Karriereweg ein wenig zu verbreitern und auch mal außerhalb dieser Schublade etwas zu machen, dann ist das definitiv schwieriger als ich mir das ursprünglich vorgestellt habe.

SKIP: Wie haben Sie es rein optisch angestellt, sich vom strahlenden Helden in so einen kaputten Typen zu verwandeln?

Orlando Bloom: Erst mal hab ich mir soviel Bart wachsen lassen, wie ich konnte - ein bisschen was mussten wir aber noch künstlich ergänzen, mein Bartwuchs ist nicht gerade animalisch (lacht). Dann wurden meine Haare sozusagen anti-gestylt, die Augen und die Haut auf Trinker geschminkt. Generell habe ich eben versucht, auszusehen wie jemand, der zuviel sauft, zuviel raucht und gar nicht auf sich schaut. Trotzdem ist er ein ziemlich robuster, starker Kerl.

SKIP: Sie haben auch ziemlich Muskelmasse zugelegt, oder?

Orlando Bloom: Ja, ich hab viel Muskelaufbau dafür machen müssen. Wobei das ja beim Film immer ein bisschen eine optische Täuschung ist: Wenn man Muskelmasse gewinnt und Fett abbaut, wird man ja nicht wirklich "breiter" - aber vor der Kamera wirkt man dann einfach wesentlich größer und imposanter. Das hat mir auch sehr geholfen, in die Figur zu finden.

SKIP: In letzter Zeit haben wir Sie ja überhaupt nicht so oft auf der Leinwand gesehen.

Orlando Bloom: Naja, das liegt daran, weil ich ein paar kleinere Filme gedreht habe, die mir viel bedeutet haben und von denen ich viel gelernt habe, die aber keinen so großen Release bekommen haben und in vielen Ländern gar nicht zu sehen waren - etwa Mark Ruffalos Sympathy for Delicious, den Thriller The Good Doctor oder Main Street mit Colin Firth. Und ein bisschen weniger hab ich sogar wirklich gearbeitet, schließlich bin ich 2010 ja auch Vater geworden. Das hat mich auch ziemlich reifen lassen. Am Anfang meiner Karriere habe ich mich irgendwie immer unter Druck gefühlt, etwas beweisen zu müssen - den hab ich jetzt nicht mehr. Jetzt denke ich mir einfach, ich kann auch ganz ohne Druck ungewöhnliche Rollen wie diese hier annehmen und versuche einfach mein Bestes.

SKIP: Es gibt einige sehr brutale Szenen in dem Film, hatten Sie da gar keine Sorge um Ihre Fans?

Orlando Bloom: Nein, daran denke ich ehrlich überhaupt nicht. Ich glaube auch nicht, dass meine Fans das so dramatisch finden. Aber das ist ja genau das, was ich vorher gemeint habe: Es hat mich sehr viel Mühe gekostet, das enge Korsett meines Hochglanz-Images aufzubrechen und als Schauspieler wieder alles Mögliche spielen zu können. Und ich kann nur hoffen, dass meine Fans Respekt vor diesem Bemühen haben und mich dabei unterstützen, dass ich versuche, auch mal was Anderes zu machen. 

SKIP: Bei Ihrer Rolle in Zulu ist die Vater-Sohn-Beziehung auch sehr wichtig. Konnten Sie da irgendwie von Ihren eigenen, neuen Erfahrungen profitieren?

Orlando Bloom: Nein, dafür ist es sicher noch zu früh. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich niemals so ein schrecklicher Vater sein könnte wie meine Filmfigur. Ich bin eher überfürsorglich, mache sehr viel, um für meinen Sohn da zu sein, in jeder Hinsicht. Aber es war natürlich sehr interessant für mich, so was zu spielen. Das war auch wieder etwas, wo ich gegen mein lupenreines Image ankämpfen konnte (lacht). Wenn es mir gelingt, diesen Hallodri glaubhaft darzustellen, dann hab ich meinen Job gut gemacht. Wenn die Leute Orlando Bloom in dem Film sehen, hab ich verloren. Nur wenn sie meine Filmfigur Brian Epkeen sehen, habe ich gut gearbeitet.

SKIP: Waren Sie schon immer interessiert an der südafrikanischen Geschichte?

Orlando Bloom: Nicht so wirklich. Obwohl ich durchaus Bezug zu diesem Land habe: Mein Stiefvater war Autor und politischer Aktivist während der Apartheid, und als weißer, jüdischer Mann war das zu der Zeit schon etwas besonders Rares. Und als ich nun zu den Dreharbeiten in Kapstadt angekommen bin, hat mir jemand ein Buch über Mandela gegeben, wo mein Stiefvater erwähnt wird. Tatsächlich da mal hinzufahren, war dann natürlich sehr interessant für mich. Und ich hab mich dem Land auch wohl in anderer Weise genähert, als das ein Tourist sonst tun würde: Ich habe bei einigen Unicef-Projekten mitgearbeitet, da hab ich auch einiges mitbekommen. Aber das ist nichts im Vergleich dazu, was mein Filmpartner Forest Whitaker macht, der leistet dort mit seiner Foundation für Street Kids ja richtige Entwicklungsarbeit. Jedes Wochenende musste er irgendwas organisieren. Ich bin da derweil nur mit meinem Sohn zum Strand und in den Park gegangen.

SKIP: Wissen Sie eigentlich, dass Sie auch in einem zweiten Film hier in Cannes vorkommen?

Orlando Bloom: Ja, natürlich, bei The Bling Ring, da wird ja auch in mein Haus eingebrochen.

SKIP: Hat Sie Sofia Coppola um Erlaubnis gefragt?

Orlando Bloom: Ich wurde gefragt, ob sie auch Filmmaterial mit mir selbst verwenden dürfen, das hab ich aber abgelehnt. Das ging mir doch zu nahe. Ich hab den Film noch nicht gesehen, aber ich werde ihn mir sicher anschauen, ich bin ja ein großer Fan von Sofia, ich würde auch gerne mal in einem ihrer Filme spielen. Ich finde, sie sucht sich immer interessante Stoffe aus - in diesem Fall ist halt das Blöde, dass eines der Häuser, die tatsächlich ausgeraubt wurden, ausgerechnet meins war (lacht).

SKIP: Wie sind Sie damals damit umgegangen?

Orlando Bloom: Sind Sie je ausgeraubt worden?

SKIP: Nein.

Orlando Bloom: Es ist keine schöne Erfahrung, das kann ich Ihnen versichern. Man fühlt sich extrem verletzlich, wenn völlig Fremde auf einmal in den innersten Privatbereich einbrechen. Aber gleichzeitig werden anderswo auf der Welt Leute ermordet oder schwer verletzt, also will ich mich nicht zu sehr beklagen. Es ging in meinem Fall ja nur um leblose Dinge.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2013

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