Es geht voran

Interview mit Chiara Mastroianni zu Les salauds

Kaum zu glauben: Auch als Tochter von Catherine Deneuve und Marcello Mastroianni hat man mit Selbstzweifeln zu kämpfen. Warum für sie die Schauspielerei sowohl Erholung als auch ständige Überwindung ist, erzählte uns die wunderbare Chiara Mastroianni in Cannes.

SKIP: Bei der Pressekonferenz zu Les salauds haben Sie erzählt, dass Sie seit Jahren unbedingt mit Claire Denis arbeiten wollen. Wieso hat das so lang gedauert, bis es zum gemeinsamen Filmprojekt gekommen ist?

Chiara Mastroianni: Tja, seit ich mit 17 das erste Mal einen Film von Claire gesehen habe, ist sie eine Heldin für mich.
Und als ich dann selber Schauspielerin wurde, träumte ich immer davon, mit ihr zu arbeiten. Aber ich bin nicht so der Typ, der zu einem Regisseur hingeht und verkündet: "Ich möchte unbedingt was mit dir machen!" - Ich käme mir schrecklich aufdringlich vor. Nicht mal als wir vor zwei Jahren gemeinsam in der Jury des Filmfestivals von Deauville gesessen sind, habe ich das angesprochen … Es war schließlich Vincent (Lindon, Mastroiannis Film- und Lebenspartner, Anm.), der die Sache ins Rollen gebracht und Claire davon überzeugt hat, mit uns beiden gemeinsam diesen Film zu machen. Ich hab das ja nicht für möglich gehalten. Pessimistin, die ich bin, hab ich ständig zu Vincent gesagt "Das wird nie was! Nie!!" (lacht)

SKIP: Sie spielen in Les salauds eine Mutter - haben Sie sich da von Ihren eigenen Kindern inspirieren lassen?

Chiara Mastroianni: Neinnein, auf gar keinen Fall. Ich versuche generell, nie zuviel von mir selber in meine Rollen zu stecken. Erstens, weil ich eh so viel Zeit mit mir verbringe, dass ich froh bin, wenn ich am Set endlich mal jemand anderer sein kann. Es ist wie Urlaub von mir selber. Deshalb würde es mich auch gar nicht glücklich machen, wenn mir jemand eine Rolle auf den Leib schreiben würde. Und zweitens könnte ich nicht mehr spielen, wenn ich mir vorstellen würde, dass das, was meinen Filmkindern zustößt, meinen Kindern wirklich passieren könnte. Schrecklich! Außerdem würde ich es regelrecht obszön finden, sie für meine Arbeit zu verwenden.

SKIP: Sie wirken heute so viel selbstbewusster als zu Beginn Ihrer Karriere …

Chiara Mastroianni: Weil ich älter geworden bin (lacht). Das hilft, glauben Sie mir! Für irgendwas muss das ja gut sein. Ich brauche zwar Brillen zum Lesen, aber dafür haben sich andere Dinge verbessert. Aber es stimmt, früher war ich extrem unsicher und habe mich oft gefragt, warum ich mir das alles antue. Aber je mehr Erfahrung ich habe, desto besser wird es. Ich zweifle immer noch an allem, was ich mache - aber mittlerweile habe ich meinen Frieden damit geschlossen, dass diese Zweifel einfach ein Teil von mir sind. Ich werde immer zweifeln. Aber es ist nicht mehr ganz so schmerzhaft. Selbstvertrauen … das ist eine lange Reise. Die Route 66, und ich bin immer noch ganz am Anfang.

Interview: Gini Brenner / Mai 2013

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