Sorgen von morgen

Interview mit Neill Blomkamp zu Elysium

Mit dem innovativen Low-Budget-Alien-Drama District 9 wurde der südafrikanische Filmemacher mit Wohnort Kanada zum Hollywood-Darling. SKIP sprach mit Neill Blomkamp in Cancun über sein Mega-Projekt Elysium.

SKIP: Ist Ihre Vision der Zukunft wirklich so düster wie Ihre Filme suggerieren?

Neill Blomkamp: Ach, ich schwanke zwischen heftigem Pessimismus und mildem Optimismus. Ich bin der Meinung,
dass das Einzige, was uns retten kann, ein radikaler Paradigmenwechsel wäre. Und auf dem Weg dorthin - wenn er überhaupt passiert - wird die Schere zwischen Arm und Reich immer noch weiter aufgehen. Immer mehr Menschen werden fast gar nichts haben, und in hermetisch abgeschlossenen Enklaven werden wenige immer reicher werden. Bis zur großen Katastrophe.

SKIP: Sie haben für Elysium viel in Problemzonen gegenwärtiger Gesellschaften recherchiert …

Neill Blomkamp: Ja, ich habe z. B. viel über die Situation in Brasilien gelesen und Länder besucht, in denen es massive Vermögensunterschiede gibt. Indien zum Beispiel, wo sich Mukesh Ambani, der reichste Mann Asiens, in Mumbai um zwei Milliarden Dollar sein Privathaus gebaut hat, das 27 Stockwerke hoch ist und den Slum überblickt.

SKIP: Einige Szenen von Elysium haben Sie tatsächlich in einem Slum gedreht, in Mexiko.

Neill Blomkamp: Offiziell ist das eine Mülldeponie. Die Situation dort ist wirklich erschreckend dystopisch. Es war allerdings gar nicht so einfach, dort drehen zu können - wegen der Gewerkschaften, die ein Problem mit den vielen Giftstoffen in der Umgebung hatten. Wir mussten die oberste Schicht des Bodens abtragen und frische Erde aufschütten. Natürlich wurde trotzdem von überall neuer Dreck hergeweht.

SKIP: Ihr letzter Film, District 9, war zwar sehr erfolgreich, aber hatte noch ein überschaubares Budget. Nun ist das Geld entsprechend mehr, aber auch die Erwartungen sind höher - wie sind Sie damit umgegangen?

Neill Blomkamp: Es herrscht ja allgemein der Glaube, dass man mit einem großen Budget automatisch der Sklave des Studios wird, als würde man seine Seele an einen bösen Overlord verkaufen, der dann die Kontrolle übernimmt. Das ist aber nicht wirklich der Fall. Das Problem ist vielmehr die eigene Karriere: Wenn du einen 120-Millionen-Dollar-Film machst, der nur 20 Millionen Dollar einnimmt, wird selbst der nächste Low-Budget-Film, den du machen willst, schwierig zu finanzieren sein, weil du eben gerade über hundert Millionen Dollar in den Sand gesetzt hast. Der Druck ist also woanders als gemeinhin angenommen wird. Die Leute glauben, bei 120 Millionen Budget verbietet einem das Studio dieses und jenes und zwingt einen, Justin Bieber in der Hauptrolle zu besetzen.

SKIP: Und den wollten Sie nicht?

Neill Blomkamp: In diesem speziellen Fall hab ich auf ihn verzichtet. Obwohl das sicherlich irre interessant gewesen wäre (lacht).

Interview: April 2013

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