1:0 für Brasilien

Interview mit Alice Braga zu Elysium

City of God, I Am Legend, On the Road - die 30-jährige Brasilianerin ist eine der international erfolgreichsten Schauspielerinnen ihrer Heimat. In Elysium hilft sie Matt Damon dabei, die Menschheit zu retten. SKIP traf Alice Braga in Cancun zum Exklusiv-Talk.

SKIP: Der Cast von Elysium ist sehr international - wie sind Sie zu diesem Projekt gekommen?

Alice Braga: Über meinen Kollegen und guten Freund Wagner Moura (bekannt aus Elite Squad - The Enemy Within, Anm), der schon vor mir fix dabei war. Er hat mich Neill Blomkamp sozusagen ans Herz gelegt. Das lustige ist, ich war vorher gar nicht so wirklich interessiert - ich dachte, es ging um ein ganz normales SciFi-Abenteuer mit Action und Robotern. Aber als ich dann das Skript gelesen hatte, war ich extrem begeistert. Die Story ist wirklich actionreich und spannend, aber schreckt auch nicht davor zurück, ganz reale und brandaktuelle soziale Probleme anzusprechen, und zwar nicht nur oberflächlich. District 9 war ja auch schon so. Ich war jedenfalls schwer begeistert und hab Neill dann sicher hunderte E-Mails geschrieben, dass ich unbedingt auch dabeisein will. Ich hab ihn regelrecht belästigt (lacht).

SKIP: Glauben Sie, dass Action-Kino wirklich eine Botschaft transportieren kann?

Alice Braga: Hundertprozentig. Ich meine, nehmen Sie nur z. B. Wagners Film Elite Squad: Da geht es zwischen heftiger Action vor allem um Politik, und es werden sehr brisante Fragen aufgeworfen. Aber das war der erfolgreichste brasilianische Film überhaupt, obwohl er keine Komödie ist! Das ist definitiv kein Popcorn-Movie, das man sich reinzieht und dann locker Pizza essen geht. Nein, das ist ein Film, der heftige Diskussionen ausgelöst hat. Auch das können Filme. Ich will jetzt nicht damit sagen, dass jeder Film unbedingt eine Message haben MUSS. Aber wenn man eine hat, ist das Kino ein sehr mächtiges Medium, um sie zu vermitteln.

SKIP: Wie Sie schon erwähnt haben, spielt Elysium zwar in der Zukunft, spricht aber durchaus gegenwärtige Probleme an.

Alice Braga: Ja, genau, meine Filmfigur ist da auch ein gutes Beispiel dafür: Sie ist in einem kaputten Los Angeles der Zukunft eine typische Favela-Bewohnerin, wie es sie heute schon millionenfach anderswo gibt. Sie arbeitet hart für sich und ihre Tochter und hat es nie leicht gehabt, dadurch musste sie schon sehr jung erwachsen werden. Für sie geht es nicht um ein gutes Leben oder darum, was sie in der Freizeit macht, sondern vor allem darum, zu überleben. Genau deshalb fand ich es ja auch so stark, dass wir tatsächlich in Mexico City gedreht haben. Man spürt im Film  einfach, dass hier die Atmosphäre echt ist und nicht nur irgendein Studio in Vancouver versucht, einen auf authentisch zu machen.

Interview: Kurt Zechner / April 2013

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