Endlich keine Party mehr

Interview mit Emma Watson zu The Bling Ring

Als exaltierte Designer-Tussi räumt Emma Watson in Sofia Coppolas Glamour-Krimi The Bling Ring die Villen der Stars aus - warum sie selbst sich nicht einmal eine Designer-Handtasche krallen würde, erzählte sie beim SKIP-Exkusiv-Interview beim Filmfestival von Cannes.

SKIP: Wie war es für Sie als Star, die Celebrity-Welt mal aus den Augen der Superfans zu betrachten?

Emma Watson: Naja, ich bin ja selber kein Teil dieser Welt, die man da im Film sieht. Als ich das erste Mal nach L.A. kam, habe ich mich wie auf einem fremden Planeten gefühlt (lacht). Ich bin in einem kleinen Nest in England aufgewachsen, verschiedener könnte es wohl gar nicht sein. Aber das ist ja das Lustige an meiner Arbeit, dass ich so viele Plätze und Menschen und Einstellungen kennenlerne. Das hat mir auch viele meiner Vorurteile genommen, weil ich mich schon rein beruflich ständig in andere Leute reinversetzen muss - und dabei erkenne, dass es immer irgendwelche Gründe gibt, warum Leute etwas tun.

SKIP: Wie ist das mit Nicky, Ihrer Filmfigur?

Tja, natürlich hab ich eine Weile gebraucht, in sie hineinzufinden. Sie ist so anders als ich, eine echte Exhibitionistin, ich hingegen bin scheu und zurückhaltend Sie giert immer nach Aufmerksamkeit, ist immer top gestylt, während ich, wenn ich nicht arbeite, immer so unauffällig wie möglich aussehen will. Meine größte Herausforderung war es, die Sachen, die diese surreale, egozentrische und völlig jenseitige Figur sagt, so herauszubringen, dass sie nicht wie eine Parodie klingen. Denn viel davon hat sie ja tatsächlich so gesagt - das irgendwie glaubwürdig klingen zu lassen, war hart. Sie ist völlig drüber und kein besonders netter Mensch, aber ich wollte trotzdem, dass man sie vielleicht doch ein klein bisschen verstehen kann.

SKIP: Haben Sie sie verstanden?

Emma Watson: Ein bisschen schon. Jeder kennt das, wenn man als Teenager nicht wirklich weiß, wer man ist und seine eigene Identität finden will. In dieser Phase ist man sehr rücksichtslos, aber auch sehr verloren, man fühlt sich von seinen Freunden unter Druck gesetzt und ist immer schrecklich besorgt darüber, was andere von einem denken oder ob man cool genug ist. Nicky ist unglaublich abgehoben und egozentrisch - aber auch extrem verloren und isoliert. Sie lebt ihn einer surrealen Ego-Blase, hat keine Ahnung von der "wirklichen Welt". Ich bin mir auch sicher, dass sie bis zum Schluss nie auf die Idee gekommen ist, dass sie ins Gefängnis kommen wird. Dieses Konzept hat für sie einfach gar nicht existiert. Sie hat es einfach genossen, im Rampenlicht zu stehen.

SKIP: Nach Harry Potter haben Sie sich im Kino eher rar gemacht …

Emma Watson: Ja, nachdem wir den letzten Teil abgedreht hatten, habe ich mir zwei Jahre Auszeit genommen. Ich bin auf die Uni gegangen, wollte einfach was lernen, mal ein normales Leben leben, verschiedene Sachen ausprobieren. Das hat mir sehr geholfen.

SKIP: Inwiefern?

Emma Watson: Ich habe einfach gelernt, manche Aspekte meiner Persönlichkeit zu akzeptieren. Dass ich kein Party-Animal bin zum Beispiel, dass es nicht uncool ist, sondern total ok, wenn ich abends lieber zuhause ein Buch lese. Tja, und ich hatte erstmals seit meiner Kindheit wieder echte Freizeit, es war lustig, herauszufinden, was mir eigentlich Spaß macht. Was ich gerne mache, wenn ich nicht arbeiten oder lernen muss.

SKIP: Wenn Sie hier in Cannes einen ganzen Tag frei hätten, was würden Sie da tun?

Emma Watson: Ich würde ins Kino gehen! Ich liebe das. Ich sehe Filme nicht so gern zuhause, ich sitze wirklich gern in einem Kinosaal, mit großer Leinwand und vielen anderen Menschen.

SKIP: Können Sie das überhaupt noch?

Emma Watson: Ja, schon. Es ist eine Frage des richtigen Timings. Ich komme ganz knapp vor Filmbeginn und gehe sofort nach dem Ende wieder raus, und trage dabei Kapuzenpulli. Wie im Film (lacht). Ich liebe es ja auch, ziellos irgendwo in der Stadt herumzugehen, aber das ist leider schon ziemlich schwierig geworden.

SKIP: Könnten sich eigentlich vorstellen, jemals nach Hollywood zu ziehen?

Emma Watson: Niemals (lacht). Nachdem ich The Bling Ring gedreht habe, noch viel weniger! Dieser Film hat mir diese Welt glaub ich für immer verdorben. Ich kann nicht mal mehr Designerhandtaschen angreifen, da krieg ich Gänsehaut.

SKIP: Wenn Sie in Ihr eigenes Haus einbrechen würden - was würden Sie mitnehmen?

Emma Watson: (lacht) Ich liebe meine Katzen, die würde ich wahrscheinlich nicht zurücklassen.

Interview: Gini Brenner / Mai 2013

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