Scharf geschossen

Interview mit Mark WahlbergDenzel Washington zu 2 Guns

Denzel Washington mag keine Waffe in die Hand nehmen, Mark Wahlberg will nicht fluchen - und trotzdem sind sie die genau richtigen Haudegen für 2 Guns. Mit SKIP trafen sie sich in Cancun zum verbalen Shootout.

SKIP: Sie beide sind im Business als harte Verhandler bekannt - die auch in Bezug auf die Drehbücher einige ganz fixe Prinzipien haben …

Denzel Washington: Stimmt. Ich zum Beispiel spiele prinzipiell keine Figuren mehr, die eine eigene Schusswaffe besitzen. Es kommt vielleicht ab und zu vor, dass ich jemanden mal mit seiner eigenen Waffe erschieße. Aber ich trage keine Waffe. Man kann so auch genug Schaden anrichten.

Mark Wahlberg: Bei mir gehts da auch um die Dialoge. Es gibt Dinge die ich nicht sagen will. Ich mag zum Beispiel keine Jesus-Flüche.

SKIP: Um so mehr heftige Wortgefechte gibts in 2 Guns.

Mark Wahlberg: Ja, wir haben unglaublich herumgeblödelt, wir waren kaum aufzuhalten. Baltasar (Regisseur Baltasar Kormákur, Anm.) musste uns ständig einbremsen.

SKIP: Sie haben sich beide erst relativ spät im Leben für die Filmschauspieler-Karriere entschieden. Mark, Sie waren in den 1990ern als Marky Mark in den Charts, haben Sie den Umstieg zum Film je bereut?

Mark Wahlberg: Nein, eigentlich nicht. Das gute am Filmen ist ja, dass man eine gewisse Disziplin lernen muss. In der Musikwelt ist das nicht so, da kann man sich aufführen, zu spät kommen, gar nicht kommen, es wird geradezu erwartet, dass man sich unmöglich benimmt. Wenn man aber einen Film macht, dann verlassen sich eine Menge Leute auf dich. Also hab ich nun mehr Disziplin, und das macht das Älterwerden vielleicht sogar einfacher. Meine Frau nennt mich zwar einen alten Mann, weil ich um 9 ins Bett gehe (lacht), aber dafür steh ich halt auch schon um halb 5 auf.

SKIP: Denzel, wie war das bei Ihnen?

Denzel Washington: Als ich 20 war, saß im Schönheitssalon meiner Mutter eine Frau, die prophezeihte mir, dass ich die ganze Welt bereisen und zu Millionen Menschen sprechen würde. Danach habe ich am College auf Theaterwissenschaften umgesattelt - und gleich eine Hauptrolle in einem Theaterstück gelandet. Trotzdem habe ich nie davon geträumt, Filmstar zu werden. Schon weil mir die Identifikationsfiguren fehlten. Als ich jung war, gab es keine Filmstars, die aussahen wie ich. Der dritte Schwarze von hinten, der den Boden aufwischt? Das wollte ich sicher nicht. Mein Traum war es, Footballspieler zu werden. Mein Sohn hat diesen Traum nun für mich verwirklicht, er ist Profi-Footballer geworden (lacht).

SKIP: Mark, Ihre Kinder treten jetzt in Ihre Fußstapfen - alle vier werden einen Gastauftritt in Transformers 4 haben, und ihre Älteste (Ella Rae, 10) spielt sogar schon Theater!

Mark Wahlberg: Ja, sie hat sich immer für die Schauspielerei interessiert, und ist schon bei einer Theatergruppe in L.A.!Sie steht auch total auf Denzel und findet seine Sachen viel besser als alles, was ich mache. Besonders, als sie herausgefunden hat, dass er total viel am Broadway aufgetreten ist - das ist es nämlich, wo sie hinmöchte … ich bin wirklich nicht glücklich damit, dass sie in meine Fußstapfen steigt, weil es ein toughes Business ist. Aber wenn Kinder sich für etwas entschieden haben, muss man sie dabei unterstützen.

SKIP: Ist es schwierig für euch, eure Kinder nicht zu sehr zu verwöhnen?

Denzel Washington: Ja, manchmal schon. Noch dazu, wo man in unserem Job ja auch leicht das Gefühl hat, nicht genug für sie da zu sein, und das ständig wiedergutmachen will. Aber man muss trotzdem immer darauf achten, dass sie mit beiden Beinen am Boden bleiben.

Mark Wahlberg: Ich würde meinen Kinds gerne alles geben - aber sie müssen verstehen lernen, dass sie in einer sehr privilegierten Situation groß werden. Ich bin immer der Meinung, dass Vater und Ehemann meine wichtigsten Jobs sind, und die will ich richtig machen. Klar, mein Vierjähriger hat jetzt schon mehr Air-Jordan-Turnschuhe als ich von 1 bis 18 hatte - aber das sind doch nur materielle Sachen. Wichtiger sind die wahren Werte. Um so mehr freut es mich, wenn ich sowas miterlebe wie neulich: Da waren waren wir in Boston in einem Restaurant, das zum Teil mir gehört, und anstatt anzugeben und zu sagen: "Das hier gehört alles uns!" hat mein Sohn drauf bestanden, die Tische abzuräumen und meine Tochter, Bestellungen aufzunehmen. Irgendwann haben sie dann allerdings nach Bezahlung gefragt (lacht).

Interview: Kurt Zechner / April 2013

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