Lessons of Love

Interview mit Denis Podalydès zu Camille - Verliebt nochmal!

In Noémie Lvovskys hinreißender Tragikomödie Camille - Verliebt nochmal! spielt der französische Star-Comedian Denis Podalydès einen verknallten Lehrer am Ende seiner Schulweisheit. SKIP traf ihn in Paris.

SKIP: Noémie und Sie kennen einander seit vielen Jahren, hat Sie die Rolle als liebenswürdigen Physiklehrer extra für Sie geschrieben?

Denis Podalydès: Nicht wirklich - anfangs hat es überhaupt ausgesehen, als könnte ich gar nicht mitspielen, es gab da ein bisschen Probleme mit den Terminplänen. Aber dann hat es doch funktioniert, zum Glück. Als ich das Skript gelesen habe, habe ich mich sofort in die Figur und die ganze Geschichte verliebt. Sie ist ja wirklich außergewöhnlich.

SKIP: Sie sind außer Camille ja die einzige Figur, die mit ihr so richtig bewusst in beiden Zeitebenen der Geschichte vorkommt. Wie war es, das zu spielen?

Denis Podalydès: Das war sehr seltsam. Weil die Geschichte eben ein Märchen ist, begegnet mir diese junge Frau, die mir in den 80er-Jahren erklärt, dass sie aus dem 21. Jahrhundert kommt und durch die Zeit gereist ist. Und so wird dieser nüchterne Lehrer plötzlich mit etwas völlig Irrationalem total verunsichert - noch dazu, weil er auch noch sofort Schmetterlinge im Bauch hat angesichts dieser jungen Frau.

SKIP: Camille bekommt in dieser Geschichte die Gelegenheit, vergangene Fehler nachträglich auszubügeln - doch das funktioniert ja so nicht …

Denis Podalydès: Für mich ist diese Geschichte einfach ein schönes Märchen, eine spannende Fantasie. Der Schlüssel dieses Films ist für mich die Illusion der Liebe, das Faktum, dass die Liebe stärker ist als alles andere. Sie ist so stark, dass sie jemanden Dinge glauben machen kann, die weit von der Realität entfernt sind. Sie ist sogar so stark, dass sie jemanden dazu bringt, bei einer Reise zurück in die Vergangenheit exakt dieselben Fehler mit der gleichen Person immer und immer wieder zu machen. Im Grunde ist das also ein Film über die Liebe selbst.

SKIP: Sie werden sehr oft als etwas nerdiger, sogar biederer Charakter in Filmen besetzt. Haben Sie sich nie gewünscht, mal als skrupelloser Bankräuber oder wilder Liebhaber gecastet zu werden?

Denis Podalydès: Naja, bevor ich Schauspieler wurde war ich ja Komiker - und so werde ich wohl auch in Frankreich irgendwie immer wahrgenommen. Comedians meines Typs werden in Filmen normalerweise gecastet als Lehrer, Therapeuten, Doktoren oder irgendwie verwirrte schüchterne Intellektuelle. Es wäre also wohl sehr schwierig für mich, glaubhaft den Serienkiller zu geben. Dabei würden wohl alle Comedians wahnsinnig gerne irgendwelche Monster, Killer und Psychopathen spielen. Ich liebe zum Beispiel auch Fechten und würde sehr gerne Mal in einem Kostümfilm spielen, wo ich das auch einsetzen könnte. Aber als Schauspieler muss man wohl akzeptieren, wie einen die Leute sehen wollen, da zählt nicht so sehr, wie man sich selbst sieht.

Interview: Kurt Zechner / Januar 2013

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