Geil und Bogen

Interview mit David Garrett (II) zu Der Teufelsgeiger

Sex & Violins: Seit Paganini, dem legendären Teufelsgeiger, hat das nie wieder jemand so massenwirksam verbunden wie der deutsche Saiten-Superstar David Garrett. Naheliegend, dass der eine den anderen im Film verkörpert. SKIP hat den Kino-Debütanten im Wiener Hotel Sacher getroffen.

SKIP: Wie war das Schauspielen - haben Sie Blut geleckt? Werden wir Sie nun öfter im Kino sehen?

David Garrett: Nein. Diese Rolle in diesem Film war optimal, aber jetzt widme ich mich wieder ganz meinen Konzerten. Dieses Projekt hat wirklich toll gepasst, aber Schauspielen ist nicht mein Beruf.

SKIP: Warum reizt Sie der Film nicht weiter? Weil beim Dreh das Publikum fehlt?

David Garrett: Nein, überhaupt nicht. Ich spiele Musik ja grundsätzlich auch nicht ausschließlich fürs Publikum, sondern in erster Linie für die Musik selbst. Ich glaube einfach, dass keine andere Rolle als diese eine so starke emotionale Bindung zu mir hätte. Paganini zu spielen war etwas, was ich mir zugetraut habe, er ist eine Figur, in die ich mich  hineinversetzen konnte, weil ich dieses Leben kenne.

SKIP: War Paganini ein großes Vorbild für Sie?

David Garrett: Paganini ist für jeden Geiger in einem gewissen Stadium ein Vorbild. Einfach, um das Instrument spielen zu können, um alles andere spielen zu können, was nach Paganini geschrieben worden ist. Wenn du nicht Paganini spielen kannst, kannst du auch nicht große Violinkonzerte der Romantik spielen, weil dir dann einfach die technischen Fähigkeiten dafür fehlen. Dementsprechend ist Paganini für jeden großen Geiger das Um und Auf, um alles andere, ohne darüber nachdenken zu müssen, musizieren zu können.

SKIP: Sie haben sich ja auch beim Drehbuch ein bisschen eingebracht ...

David Garrett: Natürlich - und nicht nur ein bisschen!

SKIP: Was war Ihnen dabei am wichtigsten?

David Garrett: Erstens wollte ich die technische Seite des Geigenspiels natürlich möglichst realistisch zeigen. Es ging viel um Musik und wie man Musik inszeniert, das war ein ganz, ganz großer Teil. Auf der anderen Seite wollte ich natürlich auch ein Stück davon reinbringen, was ich von dieser Geschichte persönlich kenne: Wie es ist, wenn man schon jung sehr, sehr viel Erfolg hat - und dabei lernen muss, mit viel Stress und viel Druck umzugehen.

SKIP: Es gibt im Film dieses Gleichnis, dass der Künstler für den Erfolg seine Seele an den Teufel verkauft. Steckt da ein Körnchen Wahrheit drin?

David Garrett: Metaphorisch gesehen kann man sicherlich sagen, dass man oft Kompromisse eingehen muss. Musikalisch darf das allerdings nicht der Fall sein. Ich glaube auch, dass das Paganini nie gemacht hat. Ich im übrigen auch nicht. Aber es gibt ja noch ein Leben außerhalb der Musik, wo man gerade am Anfang einer Karriere eine Entscheidung trifft, die vielleicht langfristig die richtige ist, aber sich nicht unbedingt richtig anfühlt in diesem Moment.

SKIP: Es gibt sicher auch viele Hardcore-Klassik-Fans, die Ihnen vorwerfen, Sie hätten Ihre Begabung an den Teufel verkauft, weil Sie Pop und Rock spielen.

David Garrett: Das ist doch ein Kompliment, weil das heißt, es hat funktioniert (lacht). Ich sehe das mittlerweile alles sehr locker, und ich freue mich über den Zuspruch von so vielen Menschen, die genauso Klassik von mir verfolgen wie auch den Crossover-Bereich. Und geschichtlich gesehen: Beethoven, Mozart, Tschaikowski, die haben alle von den Kritikern ihr Fett wegbekommen, da fühle ich mich nicht ganz einsam.

SKIP: Im Film wird ja auch immer gezeigt, wie Paganini sich gegen aufdringliche Reporter und Fans wehren muss. Wie geht es Ihnen da? Spielen sich in Ihrem Leben teilweise ähnliche Szenen ab?

David Garrett: Ich muss ganz ehrlich sagen, ich empfinde die Presse grundsätzlich als etwas sehr, sehr Positives. Und ich habe da eine tolle Theorie, wie man sein Privatleben schützen kann: Einfach nicht die Reporter vorher anrufen - das funktioniert! (grinst).

SKIP: Und wenn dann doch was Privates über Sie geschrieben wird, stört es Sie dann oder lesen Sie es gar nicht?

David Garrett: Es interessiert mich gar nicht. Ich weiß ja selber am besten, was passiert ist.

Interview: Gini Brenner / September 2013

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