All About Steve

Interview mit Steve Coogan zu Philomena

Mit dem Skript zu Stephen Frears’ berührender Tragikomödie Philomena wagte sich der britische Comedy-Superstar Steve Coogan (I'm Alan Partridge) erstmals ins ernstere Fach - mit vollem Erfolg: Neben mehreren Festival-Preisen gabs für Philomena auch gleich vier Oscar-Nominierungen.

SKIP: Sie waren bei Philomena nicht nur männlicher Hauptdarsteller sondern auch Produzent und Drehbuchautor. Was hat Sie an dieser Geschichte so fasziniert, dass Sie sich so involviert haben?

Steve Coogan: Als ich vor vier Jahren einen Zeitungsartikel über Philomena gelesen habe, hat mich das sehr berührt und auch sehr wütend gemacht. Ich dachte gleich, dass das ein spannender Film sein könnte und habe mir die Rechte am Buch gesichert. Und nachdem ich die Geschichte immer wieder herumerzählt habe, hat meine Co-Produzentin schließlich gemeint: "Warum schreibst du nicht gleich das Drehbuch?"

SKIP: Es war sicher nicht einfach, dabei eine Balance zwischen traurig und humorvoll zu finden.

Steve Coogan: Durchaus. Aber als ich anfangs Leuten von dem Projekt erzählt habe, hat jeder gesagt: "Das ist ja eine furchtbare Geschichte, wer will sich so etwas ansehen?" Also wusste ich, dass ich Humor reinbringen muss, als auflockerndes Gegenmittel. Aber Humor als Selbstzweck wäre auch nicht genug gewesen.

SKIP: Sie halten sich mit den Spitzen gegen die Katholische Kirche fast ein wenig zurück, hat man das Gefühl - dabei sind Sie doch selbst erklärter Atheist.

Steve Coogan: Schon, aber ich wollte auf keinen Fall, dass dieser Film eine aggressive Hetztirade wird. Religion ist ein so simples und daher nicht wirklich lohnendes Feindbild. Aber wir kritisieren sehr wohl die Kirche als Institution, und das nicht zu knapp.

SKIP: Wie war es, mit Judi Dench zu arbeiten?

Steve Coogan: Naja, ich bin an die Sache mit gehörigem Respekt herangegangen. Einerseits wollte ich sie unbedingt für diese Rolle haben, andererseits hatte ich natürlich schwerste Zweifel, ob ich schauspielerisch mit ihr irgendwie mithalten würde können. Weniger, weil ich Angst hatte, mich bis auf die Knochen zu blamieren - sondern weil bei so einem Ungleichgewicht der Film einfach nicht funktioniert hätte. Lustigerweise stellte sich aber heraus, dass Judi genauso unsicher war wie ich, weil diese Rolle so ungewöhnlich für sie war. Und so haben wir uns bestens verstanden.

SKIP: Sie sind als Comedian berühmt geworden. Haben Sie es genossen, hier auch mal einen richtig großen Ausflug ins dramatische Fach zu machen?

Steve Coogan: Ja, sehr. Ich hatte schon das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Ich habe in Amerika einige recht unbefriedigende Komödienrollen gespielt und dann ein Jahr lang damit experimentiert, bei Auditions für Dramen mitzumachen. Aber ich habe keine einzige dieser Rollen bekommen, kein Regisseur wollte mich in einem ernsthaften Part besetzen. Es hieß immer: "Ich mag zwar, was du da machst, aber du stehst für Comedy." In Wahrheit heißt das: Du bist zu bekannt in deinem Fach, das lässt meinen Film trivial erscheinen, ich brauche einen seriösen Schauspieler. Irgendwann hats mir dann gereicht. Ich dachte mir, leckt mich am Arsch, ich werde ein Projekt finden, es selbst produzieren und mir einen schönen Part suchen, und ich weiß, dass ich das gut hinkriegen kann. Wenn Philomena jemand anderer als ich selbst produziert hätte, wäre mir diese Rolle niemals angeboten worden.

SKIP: Gibt es nicht viele Comedians, die exzellente Charakterschauspieler wären?

Steve Coogan: Tja, besonders in Großbritannien ist generell die Ansicht verbreitet, bei Komödie handle es sich um etwas Triviales, Einfaches. Tatsächlich ist gute Komödie technisch sehr schwer zu spielen. Aber Comedy ist wie Fast Food, das gilt auch für gute Komödie. Es ist genießbar, aber man man möchte dann auch vernünftige Ernährung zu sich nehmen. Man muss lachen und weinen dürfen.

Interview: Kurt Zechner / September 2013

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