Filmpiraterie

Interview mit Paul Greengrass zu Captain Phillips

Der ehemalige BBC-Dokumentarfilmer ist auch ein Meister der Inszenierung: Nachdem er Matt Damon durch zwei Bourne-Filme gejagt hat, schickt er Tom Hanks auf hohe See. SKIP sprach ihn am Festland in Cancun.

SKIP: Was hat Sie an der Geschichte von Captain Phillips so fasziniert, dass Sie daraus einen Film machen wollten?

Paul Greengrass: Es war eine Kombination aus mehreren Faktoren, die für mich einfach gepasst haben. Erstens natürlich das klassische Motiv des Mannes in Gefahr auf hoher See. Dann die Chance, mit Tom Hanks arbeiten zu können. Das war sehr überzeugend für mich. Und dann die Tatsache, dass es sich hier um eine sehr moderne Geschichte handelt, das Thema der Hochseepiraterie ist ja ganz aktuell - und man kann viel über den Zustand der Welt einbringen, über die globalisierte Wirtschaft und deren Gewinner und Verlierer. Tja, und außerdem hat mich das Ganze auch persönlich gereizt, weil mein Vater sein ganzes Leben lang Seefahrer war.

SKIP: Filmen auf offenem Wasser, besonders auf hoher See, gilt als schwierig und äußerst riskant …

Paul Greengrass: Ja, und das zu Recht. Auf dem Meer zu drehen ist eins der Dinge, bei denen Regisseure und mit ihnen ganze Studios sehr leicht untergehen können. Und gerade deshalb bin ich so stolz auf diesen Film: Wir haben fast alles wirklich auf See gedreht, unsere Maersk Alabama ist ein echtes Frachtschiff, das wir für die Dauer der Dreharbeiten eigens zu den marktüblichen Bedingungen gechartert haben. Einige der Szenen, etwa die, in denen sich die Piraten auf ihren winzigen Motorbooten dem Frachter nähern, waren auch wirklich gefährlich. Aber nur dadurch, dass wir uns auch beim Dreh dem Ozean quasi unterworfen haben, haben wir die nötige Realität in den Film bekommen - alles andere hätte künstlich gewirkt.

SKIP: Wie haben Sie die Piraten eigentlich gecastet?

Paul Greengrass: Das war eine sehr interessante Geschichte. Wissen Sie, immer wenn man einen Film macht, versucht man, das Studio dazu zu bewegen, sich möglichst wenig in künstlerische Entscheidungen einzumischen. Und bei Captain Phillips hatte ich in der Hinsicht ganz großes Glück. Es war mir sehr wichtig, für die Rollen der vier Piraten, die das Schiff kapern, echte Somalis zu casten - weil ich die Geschichte auch aus deren Perspektive erzählen wollte, und ich wollte Schauspieler, die die Motive der Piraten authentisch vermitteln können. Außerdem haben die Leute dort einen ganz besonderen Look. Also haben wir Casting-Sessions in verschienden somalischen Communities in den USA und auch in Großbritannien veranstaltet und diese vier wunderbaren Männer gefunden, alle mit kaum Schauspiel-Erfahrung. Und ich werde nie vergessen, wie wir die Szene gedreht haben, wo sie das erste Mal auf Captain Phillips treffen: Tom ist ja wirklich ein charismatischer Typ, aber diese vier haben die Szene einfach komplett übernommen.

Interview: Kurt Zechner / April 2013

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.