Muttermonster

Interview mit Julianne Moore zu Carrie

1976 hat sie sich selbst als Teenager bei Brian de Palmas Carrie - Des Satans jüngste Tochter gefürchtet, jetzt spielt sie die irre Mutter der modernen Carrie Chloë Grace Moretz: Julianne Moore über Mobbing, Mamas und Matratzen.

SKIP: Glauben Sie an Telekinese?

Julianne Moore: Sehen Sie mich an! (lacht) Ich beginne jetzt zu schweben! Oh, wär das nicht toll? Aber hmm ... glaube ich an Telekinese? Beweise gibt es ja keine. Aber schauen Sie, in der Literatur und im Leben gibt es so vieles, das symbolisch für etwas steht was wir glauben oder fühlen. Und so ist das auch in diesem Fall zu verstehen: Hier ist ein Kind, das sich total machtlos fühlt - und durch die Kraft ihrer eigenen Emotionen schafft sie es endlich, bemerkt zu werden. Das ist doch eine ziemlich starke Metapher, oder?

SKIP: Diese Mutter, die Sie da spielen, könnte einfach nur unglaublich furchteinflößend sein, aber Sie holen sie zurück ins Menschliche.

Julianne Moore: Ja, das finde ich viel spannender. Ihre wichtigste, letztlich einzige Beziehung ist die zu diesem Kind, sie kennt sonst niemanden. Sie arbeitet zwar in einer Wäscherei, so kommt Geld herein, aber sie hat keine Freunde, sie geht nicht in die Kirche, sondern betet für sich alleine. Sie ist komplett isoliert, möglicherweise psychotisch, und ihr einziger Bezugspartner ist ihre Tochter. Das Irre ist, Margaret glaubt, dass sie tatsächlich alles Notwendige tut, um ihr Kind zu beschützen. Sie sagt zu Carrie: "Die werden dich alle auslachen, die werden dir wehtun." Und das Schlimme ist: Sie behält recht.

SKIP: Haben Sie so etwas auch einmal erlebt als Kind?

Julianne Moore: Ich glaube, jeder erinnert sich an solche Erlebnisse, ob es der erste Tag im Kindergarten oder in der Schule war, der erste Tag in einem neuen Job, oder das erste Mal, wenn du alleine auf eine Party kommst - ich bin sicher, dass wirklich jeder so eine Erfahrung kennt. Ich bin immer ganz beeindruckt, wie meine Kinder damit umgehen, wenn sie neuen Leuten und neuen Situationen begegnen. Ich versuche ihnen zu vermitteln: "Wenn ihr jemanden in einer solchen Situation seht, geht hin zu ihm und helft, lasst ihn nicht alleine."

SKIP: Das ist nicht das erste Mal, dass Sie eine ziemlich verstörende Rolle spielen. Macht Ihnen das besonderen Spaß?

Julianne Moore: Mir macht mein Beruf immer Spaß, sonst würde ich ihn nicht mehr machen. Und ja, es war toll, Chloë und ich hatten eine großartige Zeit zusammen, sie ist so reif, nachdenklich und klug, und so gut vorbereitet. Ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass sie noch ein Kind ist, sie war beim Dreh ja erst 15. Aber wir haben viel rumgeblödelt, immerhin ist das hier ein Film mit vielen Special Effects, und sowas macht immer Riesenspaß. Es ist lustig, gegen eine Matratze geworfen oder hoch in die Luft raufgezogen zu werden, das alles gehört zum Besten in diesem Job. Ich war mal im Urlaub Zip-lining auf Costa Rica und fand das im Vergleich zu dem was ich auf Filmsets erlebe richtig fad (lacht).

SKIP: Wie war das, als Sie den Originalfilm zum ersten Mal gesehen haben?

Julianne Moore: Ich weiß noch, wie ich mich als Teenager an der Kassa angestellt habe, die Schlange ging über den ganzen Parkplatz. Aus dem Kino kamen uns Leute entgegen mit aschfahlen Gesichtern, total verängstigt. Wir waren unglaublich neugierig, was könnte die so erschreckt haben? Und dann war der Film gar nicht so schlimm - bis zur allerletzten Minute. Der Film war nicht wirklich eine Terror-Erfahrung, sondern viel eher ein Psychothriller über die Mechanismen an einer High School, über Mobbing und darüber, wie telekinetische Kräfte wirken könnten.

Interview: Magdalena Miedl / April 2013

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