Will Power

Interview mit Will Ferrell zu Anchorman - Die Legende kehrt zurück

Als er erfahren hat, dass die VIENNALE ihm ein eigenes Tribute widmen würde, war er buchstäblich zu Tränen gerührt: Dass seine Arnarcho-Schmähs die Cineasten in Old Europe bewegen würden, hätte er sich nicht erhofft. Und so erschien Will Ferrell auch mit Freude als Stargast in Wien - und ließ sich von SKIP unter anderem über seinen neuen Film ausquatschen.

SKIP: Das Leben als Superstar muss toll sein: Statt an diesem prächtig sonnigen Spätherbsttag durchs schöne Wien zu flanieren, dürfen Sie hier mit Wiens Elite-Journalisten im engen Hotelzimmer hocken …

Will Ferrell: Ja, das ist großartig! (lacht) Von Zuhause höre ich: "Wow, du bist in Wien, das ist soo cool! Was hast du dir schon angeschaut?" - "Naja, drei Hotelzimmer und einen Kinosaal …"

SKIP: Wenigstens war es ein sehr hübscher Kinosaal.

Will Ferrell: Ja, der war sehr cool. "Gartenbaukino" (er versucht, es so akzentfrei wie möglich auszusprechen und scheitert charmant - es klingt eher wie "Gardenbowkeynow", Anm.) hieß das, nicht wahr? Jedenfalls war das etwas ganz Besonderes für mich.

SKIP: Es hat Sie verwundert, dass ein Cineasten-Festival ausgerechnet einen Komiker als Stargast auserwählt hat?

Will Ferrell: Ja, es hat mich überrascht. Comedy gilt ja im Vergleich zum Drama immer noch als irgendwie minderwertigeres Genre. Es ist interessant, wie unterschiedlich diese Genres in der Kritikerwelt gewichtet werden. Ich will jetzt echt nicht arrogant klingen, aber ich glaube nicht, dass sich zum Beispiel Daniel Day-Lewis mit dem, was wir machen, besonders leicht tun würde.

SKIP: Sie selber haben das unlängst sehr schön zusammengefasst: Je einfacher Comedy aussieht, desto besser ist sie – es funktioniert nur dann gut, wenn man eben nicht sieht, dass da wirklich Arbeit dahintersteckt.

Will Ferrell: Ja, das ist Fluch und Segen zugleich (lacht).

SKIP: Sie sind auch einer der wenigen Schauspieler, die sich wirklich trauen, dezidiert unsympathische Figuren zu verkörpern …

Will Ferrell: Haha, lustig, dass Sie das sagen: Erst letzte Woche hatte ich eine Unterhaltung mit einer Studiochefin. Wir sprachen über ein Projekt, und sie sagte im Brustton der Überzeugung: "Komödien-Charaktere müssen prinzipiell liebenswert sein!" Und weil sie wusste, dass ich hoffte, dass sie mir sehr viel Geld für ein Projekt zusagen würde, erwartete sie von mir, dass ich ihr rechtgeben würde. Aber ich sagte: "Nein, das finde ich überhaupt nicht!" Aus irgendeinem Grund kriege ich es hin, ungute Figuren zu spielen, die beim Publikum punktgenau ankommen, und über die die Leute gerne lachen. Obwohl das meiner Wesensart überhaupt nicht entspricht (kichert).

SKIP: Apropos ungute Figuren: Wie haben Sie sich doch noch breitschlagen lassen, Ron Burgundy nochmal auf die Leinwand zu bringen, obwohl Sie sich jahrelang gegen die Idee gewehrt haben?

Will Ferrell: Wir standen der Idee einer Fortsetzung tatsächlich immer sehr voreingenommen gegenüber, weil wir eh so viele neue Ideen für Filme haben. Aber nachdem sich der Anchorman zu einer regelrechten Kultfigur entwickelt hat, konnten wir ihn einfach nicht ad acta legen. Er war wie alter Wein, der mit den Jahren immer besser wurde.

SKIP: Ihnen wird oft vorgeworfen, dass Sie hauptsächlich "Buben-Comedy" machen. Wie sehen Sie das?

Will Ferrell: Ich weiß nicht. Ich glaube, das entsteht vor allem durch den Referenzrahmen, in dem wir uns bewegen - und aus der Tatsache, dass wir eben Männer sind. Aber es gibt natürlich auch schöne weibliche Figuren in unserem Film. Wir haben zum Beispiel eine wirklich lustige Rolle für Kristen Wiig in diesem Film geschrieben … aber aus welchen Gründen auch immer sind Komödien meist eher männerzentriert, ja. Wir sollten als nächstes eine gute Frauenkomödie schreiben.

SKIP: Also stimmen Sie Jerry Lewis nicht zu, der gesagt hat, dass Frauen nicht komisch sein können?

Will Ferrell: (lacht) Nein, nein, mit dieser Ansicht wurde er schon tausendmal widerlegt.

Interview: Gini Brenner / November 2013

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