Himmel hilf!

Interview mit Guillaume Nicloux zu Die Nonne

Seit seiner Jugend wollte Guillaume Nicloux Die Nonne neu verfilmen. Erst seine Teenagertochter brachte ihn auf die richtige Fährte.

SKIP: Was ist der Kern von Diderots Die Nonne?

Guillaume Nicloux: Vor allem handelt das Buch vom Freiheitsbedürfnis einer jungen Frau: Diderot zeigt, was religiöser Fanatismus anrichtet und fordert zugleich die Freiheit, seinen Glauben nach eigenen Vorstellungen zu leben.

SKIP: Sie haben aber ein neues Ende dazuerfunden.

Guillaume Nicloux: Zu Diderots Zeit gab es für ein solches Mädchenschicksal kein denkbares positives Ende. Und auch Jacques Rivettes Verfilmung war düster, das hat in den Sechziger Jahren gut gepasst. Aber heute dürfen wir uns ein fast glückliches Ende ausdenken.

SKIP: Ein optimistischer Gesellschaftskommentar?

Guillaume Nicloux: Zumindest hoffnungsvoll. Aber die Religionen unterdrücken die Frauen auch heute, die Macht des Patriarchats ist allgegenwärtig. Meine 15-jährige Tochter hat den Roman gelesen und mir gesagt: "Heute ist es doch noch genauso! Sogar in Frankreich werden Frauenrechte noch immer infrage gestellt, in anderen Ländern werden Frauen sogar gesteinigt!" Und sie hat recht. Der Unterschied zu früher: Wir lügen uns heute vor, die Gleichberechtigung wäre längst da.

Interview: Magdalena Miedl / Februar 2013

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