Bill Please

Interview mit Bill Murray zu Grand Budapest Hotel

Manche bereiten sich monatelang auf ihren Festival-Auftritt vor - Bill Murray steigt einfach aus dem Auto aus und stiehlt allen die Show. In Berlin präsentierte er neben Monuments Men auch Wes Andersons Grand Budapest Hotel - für SKIP gabs eins seiner raren Interviews.

SKIP: Schicke Haube! Erinnert stark an die, die Sie in Die Tiefseetaucher getragen haben …

Bill Murray: Ahja, stimmt! Ich habe sie aber nur auf, weil ich mir gestern ziemlich heftig den Kopf angeschlagen habe. Ich bin durch eine niedrige Türöffnung gegangen und hab den Kopf zuwenig weit eingezogen - und mir so ein Stück Kopfhaut regelrecht abrasiert. Bei der Premierenparty haben alle möglichen Leute Handyfotos von meinem Schädel gemacht und sie ins Internet gestellt: "Bill Murray in Schlägerei verwickelt!" Meine Freunde meinten, ich sollte das irgendwie abdecken, sonst gibts noch mehr wilde Theorien über meinen Lebenswandel (lacht)

SKIP: Ihr erster Film mit Wes Anderson war Rushmore (1998), seither sind Sie in fast jedem seiner Filme - inwiefern hat er sich weiterentwickelt?

Bill Murray: Er wird einfach immer besser. Und er kann sich auch größere Produktionen leisten, was es für uns alle so erfreulich macht, bei seinen Filmen dabeizusein: Man fährt irgendwo hin, um dort zu drehen und zu leben. Für Die Tiefseetaucher lebten wir monatelang in Italien, bei Moonrise Kingdom wohnten wir alle in einem Haus in Newport, und diesmal übernahmen wir gleich ein ganzes ehemaliges Hotel in Görlitz.

SKIP: Wenn er Sie fragt, ob Sie bei seinem neuen Film mitspielen möchten, lesen Sie dann überhaupt noch das Drehbuch, bevor Sie sich entscheiden, oder sagen Sie gleich ja?

Bill Murray: Ich sage gleich ja.

SKIP: Sie haben keinen Agenten und niemanden, der Ihre Termine managt, das erledigen Sie alles selber. Kommt daher Ihr Ruf, etwas unberechenbar zu sein?

Bill Murray: Agenten sind von Natur aus manipulativ, immer muss man und soll man, mir ist das zu stressig. Ich habs gern easy, ich reise auch immer ohne Entourage und so, und buche meine Flugtickets selber. Manche Leute machen sich einfach selbst zuviel Stress. Wenn mit mir jemand einen Termin ausmacht, dann nehme ich das zur Kenntnis, aber ich sehe nicht ein, warum ich das dann noch 50 Mal rückbestätigen soll. Es gibt Menschen, die schicken dir eine Message: "Meeting um 9.00 Uhr!", und wenn man dann nicht sofort antwortet "ok", dann hat man das Gefühl, sie fallen tot um. Die brauchen auf jede Message eine Antwort, sonst gilt sie nicht. Ich bin aber nicht so, für mich ist das ein sinnloses Pingpong-Spiel. Man sagt mir Ort und Zeit, und ich komme dann hin. So einfach ist das.

SKIP: Sie werden fast kultisch verehrt, gestern standen etwa vor dem Berlinale-Palast Fans, die als ihre Filmfigur in Ghostbusters verkleidet waren. Finden Sie sowas lustig oder unangenehm?

Bill Murray: Wenn Sie da jetzt rausgehen und da stehen ein paar Frauen, die ganz genau so angezogen sind sind wie Sie, was würden Sie davon halten?

SKIP: Das würde mich wohl ziemlich verstören.

Bill Murray: Das ist eine mögliche Reaktion (lacht). Es ist ein wenig freakig. Aber anderseits kann man sich auch fragen, warum die das tun: Weil es ihnen total gefällt, wie Sie aussehen. Und das ist doch ein tolles Kompliment. Ich finde sowas immer ein wenig seltsam, aber eigentlich auch ziemlich witzig.

SKIP: Sie sind auch beliebtes Vorbild für jede Menge Internet-Memes, es gibt ganze Websites über Sie. Kennen Sie die?

Bill Murray: Ich habe davon gehört, aber ich schaue mir das nicht an. Ich gehe eigentlich nur online, wenn ich wissen will, wie man ein bestimmtes Wort schreibt.

SKIP: Sie Sind mittlerweile eine Klasse für sich, man könnte fast so weit gehen, Bill-Murray-Filme als eigenes Genre zu betrachten. Ihre Figuren haben eine ganz eigene Qualität, ein ganz spezielles Temperament - sehen Sie das auch so?

Bill Murray: Das ist wahrscheinlich mein Temperament. Wissen Sie, ich betrachte das Leben ein bisschen wie den Straßenverkehr: Wie man sich da verhält, bestimmt, wie gut man weiterkommt. Wenn man aufmerksam, aber entspannt fährt, kommt man am besten vorwärts. Aber wenn man frustriert ist und sich ärgert, dann wirds gefährlich, dann passieren Unfälle.

SKIP: Welches Verkehrsmittel würden Sie denn für den Straßenverkehr des Lebens bevorzugen?

Bill Murray: Hm ... eigentlich fahre ich ja gerne mit dem Fahrrad, aber im Leben braucht man einen Beifahrer. Das Leben ist hart, zu hart, um alleine zu sein. Es ist nett, wenn jemand mitfährt.

Interview: Gini Brenner / Februar 2014

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