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Interview mit Pierce Brosnan zu A Long Way Down

Er kennt nicht nur die Glamour-Seiten des Lebens - ein Grund mehr, warum Pierce Brosnan sich zur Story von A Long Way Down hingezogen fühlte. SKIP traf ihn bei der Berlinale.

SKIP: In A Long Way Down spielen Sie einen Mann, der Selbstmord begehen will. Kommen Sie sich bei den Interviews zum Film ein bisschen vor wie auf der Psycho-Couch?

Pierce Brosnan: Ja, durchaus (lacht). Zur Therapie muss ich jetzt jedenfalls länger nicht mehr.

SKIP: Nach dem Krebstod Ihrer ersten Frau Cassandra 1991 haben Sie gesagt, dass Sie nun das Leben noch höher schätzen würden als davor - wie findet man da in eine Figur, die ihr Leben wegwerfen will?

Pierce Brosnan: Auch wenn man so viel wie möglich von sich selbst in eine Filmfigur steckt - es bleibt doch eine Figur, eine Fantasie, ein Stück Literatur, erfunden von Nick Hornby. Wir haben diesen Film in einer Zeit gedreht, die ebenfalls sehr hart für mich war (2013 starb Brosnans Stieftochter, Anm.), und ich fand seltsamerweise viel Halt in dieser Rolle. Das liegt aber auch daran, dass mich meine Kollegen ganz großartig unterstützt haben. Und dass ich, trotz allem, an dieser Rolle auch viel Spaß gehabt habe. Ich glaube auch nicht, dass er sich wirklich umgebracht hätte. Er hätte mit großer Geste seine Zigarre fertiggeraucht und wäre dann wahrscheinlich wieder nach Hause gefahren. Er ist so ein aufgeblasener, wichtigtuerischer Clown (lacht).

SKIP: Sie sind seit Jahrzehnten erfolgreich, werden hofiert und umschwärmt - waren Sie jemals Opfer Ihrer Eitelkeit?

Pierce Brosnan: In jungen Jahren sicher. Eine Zeitlang habe ich gedacht, ich wäre der neue Cary Grant. Und wenn man Erfolg hat, sich ständig auf Titelseiten sieht, der sexiest man alive genannt wird, dann ist es schwer, das Ego nicht übergroß werden zu lassen. Aber das ist eine gefährliche Falle: Je höher man sich stellt, desto tiefer fällt man, wenns einmal nicht mehr so toll läuft, wenn man Rollen mal nicht bekommt oder die Presse einen zerreißt. Ich bekam damals zur richtigen Zeit ein paar Ohrfeigen vom Schicksal, das hat mich wieder auf den Boden gebracht. Eigentlich wollen wir doch alle nur geliebt werden und glücklich sein, und das funktioniert nun mal nur mit einem gewissen Maß an Bescheidenheit.

SKIP: Weil Sie wohl für immer mit dieser Rolle in Verbindung gebracht werden - was halten Sie von Daniel Craig als neuem James Bond?

Pierce Brosnan: Ich habe nur Skyfall gesehen, mittlerweile ist der Abstand groß genug (lacht). Die ersten beiden habe ich noch verweigert. Aber als wir diesen Film gedreht haben, war die Skyfall-Werbung gerade allgegenwärtig. Kaum bin ich aus dem Haus gegangen, war irgendwo Daniels riesengroßes Gesicht, dauernd lief Adeles Song irgendwo - also dachte ich: "Ok, bringen wirs hinter uns." Und ich muss zugeben, er war wirklich toll. Aber - nur ich hatte als Bond das unsichtbare Auto!

Interview: Gini Brenner / Februar 2014

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