Durch dick und dünn

Interview mit Gwyneth Paltrow zu Schwer verliebt

Gwyneth Paltrow verdient Millionen und besitzt einen Oscar. Doch mit Elisabeth Sereda sprach sie anlässlich von Schwer verliebt über die Dinge, die sie wirklich interessieren: Yoga und Makrobiotik.

SKIP:Manche Kritiker fürchten, dass deine Rolle in Schwer verliebt schlecht für deinen Ruf als angesehene Schauspielerin sein könnte. Die Farrelly Brüder sind ja seit Dumm und dümmer nicht gerade für eleganten Humor bekannt. Hast du nicht gezögert, mit diesen Burschen zu arbeiten?

Gwyneth Paltrow: Als ich zum erstenmal davon hörte, ja. Ich hatte Angst, dass die Fetten-Scherze total widerlich und Übergewichtigen gegenüber unfair und beleidigend sein könnten. Aber als ich dann das Drehbuch las, sah ich, dass das absolut nicht der Fall war. Schwer verliebt ist sogar ein Liebesbrief an Übergewichtige. Die Message ist ganz toll.

SKIP: Du bist - wie die meisten Hollywoodschauspielerinnen - eher zu dünn als zu dick. Wie hast du dich denn gefühlt, als du den Fettanzug tragen musstest?

Gwyneth Paltrow: Das erste Mal, als ich das Ding anprobierte, war ich in einer Hotelsuite in New York. Ich marschierte damit durch die Lobby, und das war die bizarrste Erfahrung, die ich je gemacht hatte. Kein einziger Mensch wagte es, mir in die Augen zu schauen. Da verstand ich plötzlich, was wir Menschen antun, die nicht wie der Durchschnitt aussehen. Wir glauben, es ist richtig, wenn wir so tun als würden wir sie nicht wahrnehmen. Aber in meinem Fettanzug kapierte ich, wie falsch das ist. Wie sehr wir dadurch so jemanden isolieren. Ich fühlte mich schrecklich. Denn unter all dem Fett war ich doch nach wie vor ich. Auch mit 200 Pfund. Warum sollte ich dick weniger attraktiv sein als dünn?

SKIP: Wie lange hast du gebraucht, um den Fettanzug anzulegen?

Gwyneth Paltrow: Drei Stunden. Das Ankleben und Anmalen war ein langwieriger Prozess. Ich konnte im Fettanzug weder auf die Toilette gehen noch mich hinsetzen oder allein aufstehen. Ich konnte nur herumstehen oder mich irgendwo anlehnen. Und manchmal musste ich ihn 12 oder 13 Stunden lang tragen.

SKIP: 12, 13 Stunden? Da musstest du doch irgendwann auf die Toilette, oder?

Gwyneth Paltrow: Allerdings. Dazu musste ich aber erst den entsprechenden Körperteil des Fettanzugs abnehmen, sonst hätte ich nicht in die winzige Toilette in meinem Trailer gepasst.

SKIP: Im Zuge der Marketingkampagne für den Film hast du Nacktfotos für Harpers Bazaar machen lassen. Warum behauptest du jetzt, dass du reingelegt wurdest und nicht wusstest, dass es sich um Nacktfotos handelt?

Gwyneth Paltrow: Der Fotograf Patrick de Marchelier hat mich belogen. Er versprach, meinen Hintern nicht zu zeigen und das Foto darüber abzuschneiden. Natürlich ist es meine eigene Schuld, denn ich habe ihm vertraut als er sagte: "Zieh die Hosen aus, damit wir keine Linie sehen". Ich habe mich schrecklich aufgeregt, als ich die Ausgabe sah. Ich zeige normalerweise nicht diese Seite von mir. Das ist privat. Auch wenn ich mich für sehr offen halte.

SKIP: In deinen beiden neuen Filmen - sowohl in Schwer verliebt als auch in The Royal Tenenbaums spielst du sehr isolierte Frauen. Wie schwer war es für dich, dich in dieses Gefühl hineinzuversetzen?

Gwyneth Paltrow: Gar nicht schwierig. Als ich mit 11 Jahren nach New York kam, war ich total isoliert. Ich hatte das Gefühl, dass ich überhaupt nicht zu den anderen Mädchen in meiner Klasse passte. Ich dachte, die hätten alle eine viel bessere Schulbildung als ich. Und natürlich fühlt man sich als Star auch oft isoliert. Die Leute sehen nicht wirklich dich, sondern das Image von dir. Das macht den Kontakt zu anderen Menschen oft sehr schwierig. Ich konnte mich wirklich leicht in beide Rollen hineinversetzen. Rosemary in Schwer verliebt ist isoliert, aber sie versucht, sich mit Humor anzupassen, während Margot in The Royal Tenenbaums gar nichts tut, um dazu zu gehören. Sie lebt nur in ihrer eigenen Welt.

SKIP: Du hast immer gesagt, dass du von ganzem Herzen New Yorkerin bist. Wie hast du die Ereignisse des 11. September erlebt?

Gwyneth Paltrow: Ich war am 11. September zuhause in meiner Wohnung in Downtown New York. Es ist surreal. Bei mir um die Ecke sind gleich eine Polizeiwachstube und eine Feuerwehrstation und ich kannte all die Cops und Feuwehrmänner, die starben, vom Sehen. Ich kann´s irgendwie noch gar nicht verarbeiten. Ich lebe immer noch in ständiger Angst, dass noch etwas passieren könnte. Ich weiß nicht, ob mich dieser Terrorschock für immer verändert hat oder ob ich wieder zu einem normalen Leben zurückfinde. Ich will nicht mit der ständigen Angst leben müssen. Das ist unamerikanisch.

SKIP: Wie hast du seither persönlich dein Leben verändert?

Gwyneth Paltrow: Ich mache noch mehr Yoga als früher, täglich mindestens 2 Stunden. Ich esse nur noch makrobiotisch, kein Fleisch, wenig Alkohol und wenn, dann nur fermentierten Alkohol so wie Wein und Sake. Ich lebe geistig und körperlich gesünder als früher.

Interview: Oktober 2001

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.