Der Lokführer

Interview mit Chan-wook Park zu Snowpiercer

Ein "Oldboy" als Weichensteller: Filmemacher und Produzent Chan-wook Park (Stoker) ebnete seinem Regiekollegen Joon-ho Bong (The Host, Mother) den Weg zur spektakulären SciFi-Dystopie Snowpiercer. Mit SKIP sprach er während der Berlinale über Freud und Leid eines Produzenten.

SKIP: Was war die größte Herausforderung bei Snowpiercer?

Chan-wook Park: Sicherlich die Finanzierung. Das ist bisher der teuerste Film der gesamten koreanischen Filmgeschichte. 

SKIP: Neben Ihrer Regie- & Drehbucharbeit produzieren sie ja auch schon seit Längerem. Bedeutet das auch mehr kreative Freiheit oder einfach nur mehr Arbeit?

Chan-wook Park: Definitiv mehr Arbeit! Ich sitze da immer zwischen zwei Stühlen: Auf der einen Seite bin ich selbst Regisseur und weiß, was ein Filmemacher für seine Arbeit braucht - vor allem natürlich Ressourcen! Auf der anderen Seite will ich auch den Finanziers gerecht werden und den Film mit dem vorhandenen Budget fertigstellen. Es ist eben eine unvereinbare Dualität, die mich selbst immer wieder zwingt, zu hinterfragen, warum ich das überhaupt mache (lacht). Wenn ich dann aber ein Endprodukt wie Snowpiercer im Kino sehen kann, dann weiß ich, dass sich die Arbeit gelohnt hat.

SKIP: Warum haben Sie hier nicht selbst Regie geführt?

Chan-wook Park: Da Joon-ho Bong die Geschichte gefunden und zu mir gebracht hat, hatte ich nie ein Interesse, selbst Regie zu führen. Es war immer sein Film. Hinzu kommt, dass ich es zwar liebe, Actionfilme anzuschauen, aber niemals einen machen möchte. Obwohl die Korridor-Szene in Oldboy ja damals von vielen als herausragende Actionsequenz gelobt wurde, würden koreanische Action-Choreographen, die mich kennen, vermutlich nur darüber schmunzeln, weil sie genau wissen, dass ich es überhaupt nicht ausstehen konnte, sie zu inszenieren (lacht).

SKIP: War das Casting bei Snowpiercer genauso aufwändig wie der Rest des Films?

Chan-wook Park: Die meisten Stars des Films kannten die Filme von Joon-ho Bong bereits. Und selbst diejenigen, die noch keinen kannten, wurden schnell zu Fans. Auch wenn es zu Beginn natürlich Bedenken gab, wie wir an diese renommierten Darsteller herantreten sollten, war der Casting-Prozess an sich aber sehr unkompliziert. Dass Tilda Swinton und John Hurt schon sehr früh zugesagt haben, war sicher ein entscheidender Einfluss auf das Casting der anderen Darsteller. Die haben sich dann sicher gefragt: "Warum nicht ich?" Ich glaube, dass es für die Schauspieler durchaus ein Unsicherheitsfaktor war, in einem koreanischen Film mitzuwirken, vom dem sie ja das Umfeld und die Arbeitsweise nicht kannten, aber es ist vor allem dem Regisseur und diesen beiden herausragenden Darstellern zu verdanken, dass alles extrem unkompliziert verlaufen ist.

SKIP: Stimmt es eigentlich, dass sie auch in den österreichischen Alpen gedreht haben?

Chan-wook Park: Ja! Wir haben nur eine einzige Szene außerhalb des Studios gedreht und zwar auf einem Gebirgshang in Österreich. Das Amüsante daran ist nicht nur, dass das die erste Szene war, die wir gedreht haben, sondern dass der Dreh in einem richtigen Skigebiet stattgefunden hat, weil uns die Landschaft dort besonders beeindruckt hat. Wir mussten dann aber nachträglich alle Skifahrer und Lifte digital entfernen, was kein allzu großer Spaß war.

Interview: David Rams / Februar 2014

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.