Der mit den Puppen tanzt

Interview mit Ricky Gervais zu Muppets Most Wanted

In Muppets Most Wanted spielt Ricky Gervais einen menschlichen Bösewicht: Eine echte Traumrolle für den britische Komiker, Schauspieler und Moderator. SKIP traf ihn in London.

SKIP: Sind Sie immer schon Muppets-Fan gewesen?

Ricky Gervais: Oh ja, total. Seit 35 Jahren, mindestens! Ich hab mir jede Folge angeschaut damals im Fernsehen. Ich dachte, das wäre Kinderfernsehen - aber dann hab ich gesehen, wie meine um einiges älteren Brüder und Schwestern genauso gelacht haben - und da wurde mir klar, dass das vielleicht doch nicht nur für die Kiddies gemacht war. Ich meine, ich würde immer noch nicht sagen, dass die Muppets in dem Sinn Erwachsenenrogramm sind, weil ich eigentlich gar nicht so recht weiß, was das ist, "erwachsen" (lacht). Ich bin es jedenfalls - wie wahrscheinlich ziemlich viele Männer - sicher nicht. Ich meine, welcher Erwachsene hat schon so einen Job wie ich: Ich spreche mit einem Frosch!

SKIP: Wie war es, als Sie als Fan dann zum ersten Mal einem echten Muppet gegenübergestanden sind?

Ricky Gervais: Naja, eigentlich war das schon vor diesem Film, nämlich Elmo - ein weiterer Superstar aus der Muppets-Familie. Ich war nämlich mal in der Sesamstraße zu Gast. Und, wow, bis heute betrachte ich das als absolutes Highlights meiner Karriere - und ich habe immerhin schon mit David Bowie und Robert De Niro gearbeitet, Golden Globes gewonnen und bei den Simpsons mitgemacht!! (lacht).

SKIP: Wie hat sich das angefühlt, gemeinsam mit Handpuppen zu spielen?

Ricky Gervais: Erstaunlich real, man vergisst sehr schnell, dass da neben oder unter dem jeweiligen Dialogpartner noch ein Mensch steckt. Wenn ich Kermit in einer Drehpause in einer Ecke liegen sah, wollte ich mehr als einmal zum Puppenspieler sagen: "Hey, kannst du ihn mal bedienen, ich würde jetzt gern ein bisschen tratschen!" (lacht) Ich bin ja ein ganz großer Tierfreund, und als solcher finde ich, dass solche Vermenschlichungen von Tieren verboten gehören - weil sie einfach viel zu witzig sind. Sprechende Tiere, wundervoll! Es ist so schön, sich wissentlich täuschen zu lassen, das macht für mich den Charme von Komödie aus.

SKIP: Die Sprecher der Muppets haben erzählt, dass sie beim Dialog relativ viel improvisiert haben. Durften Sie das auch?

Ricky Gervais: Ja, soweit es halt ging - natürlich muss man bei so einer Riesenproduktion immer drauf achten, dass man im Rahmen bleibt. Aber wir konnten schon recht viel herumwitzeln - teilweise ging das sogar nach dem Cut noch weiter. Ich hab oft noch ewig lang mit Kermit Schmäh geführt, und die Statisten haben mich ganz seltsam angeschaut (lacht): "Äh, der Mann da spricht mit einer Puppe!?!"

SKIP: Wie war das singen und tanzen?

Ricky Gervais: Naja, soviel hatte ich zum Glück ja nicht, ich bin nur in einer großen Ensemble-Nummer. Also, singen kann ich ja ziemlich gut, wirklich, ich wollte sogar mal Popstar werden (lacht). Aber mit der Tanzerei ist es leider eine ander Sache, uiui. Ich habe zwei linke Füße, aber in dem Fall passt das eh recht gut zu meiner Filmfigur.

SKIP: Sie machen so viele Arten von Comedy - TV, Kino, Stand-up … wo nehmen Sie Ihre Inspirationen her?

Ricky Gervais: Hm, weiß ich eigentlich gar nicht so genau. Am ehesten aus dem richtigen Leben. Ich liebe es, Menschen zu beobachten, soziales Verhalten und Fauxpas zu analysieren. Also würde ich wohl sagen, meine beste Inspirationsqelle ist Mitgefühl mit anderen. Das mag jetzt vielleicht wie so ein Themen-Song für die Vereinten Nationen klingen (lacht), aber im Grunde sind wir ja alle gleich: Die grundlegenden Motive für witzige Situationen sind überall auf der Welt dieselben.

Interview: Gini Brenner / März 2013

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