Verliebt in eine Echse

Interview mit Gareth Edwards zu Godzilla

Man meint die Euphorie förmlich greifen zu können, wenn Gareth Edwards über seinen Godzilla plaudert. Rasch wird beim Treffen mit dem 38-jährigen Regie-Shooting Star in London klar: Hier hatte einer, für den der Begriff Fanboy eine milde Untertreibung ist, die Chance, den Film seines Lebens zu machen, den 200-Millionen-Dollar-Film seines Lebens wohlgemerkt. Nun denn: ein Gespräch über eine echte Herzensangelegenheit.

SKIP: Seinen bislang letzten Kinoauftritt hatte Godzilla anno 1998 unter der Ägide von Roland Emmerich. Der wurde für seine allzu freie Deutung der Echsenlegende damals freilich abgewatscht. Was wollten Sie nun anders, besser machen?

Gareth Edwards: Unser Hauptbezugspunkt war der schwarzweiße Original-Godzilla aus dem Jahr 1954. Der Film war seiner Zeit damals echt voraus, weil er eigentlich einen sehr ernsten Tonfall hatte. Darin gibt es Szenen mit trauernden Menschen, mit Leuten, die an der Strahlenkrankheit sterben. Das war also alles andere als ein cheesy B-Movie. Unser Ziel war es, diesem Zugang eine moderne Anmutung zu geben.

SKIP: Bereits Ihr Debütfilm Monsters aus 2010 war - wie der Titel schon verrät - im Genre des Monsterfilms verankert, wenngleich auch mit vergleichsweise viel, viel geringerem Budget. Es scheint, als hätten Sie Ihr Spezialgebiet schon früh gefunden ...

Gareth Edwards: Was soll ich sagen? Ich liebe Monsterfilme einfach. Wenn ich mich für den Rest meines Lebens auf ein einziges Subgenre beschränken müsste und es wäre dieses, dann würde ich als restlos glücklicher Mensch sterben. Godzilla im speziellen ist eine solch erstaunliche Figur, eine absolute Ikone. Er ist das ultimative Monster. Ich denke nicht, dass ihm jemals ein anderes den Rang ablaufen wird können.

SKIP: Vom großen Regisseur John Carpenter ist die Aussage überliefert, dass ihm nicht Monster Angst einjagen würden, sondern Menschen. Wie sehen Sie das?

Gareth Edwards: Gute Frage! Wir haben zu Beginn der Arbeit am Film tatsächlich überlegt, welche Sorte Mensch Godzilla denn sein würde. Wahrscheinlich wäre er so etwas wie der letzte Samurai oder ein Ronin. Jedenfalls ist sehr viel von der Angst in unserem Film ursächlich auf menschliches Verhalten zurückzuführen. Das war ja auch schon der Subtext meines ersten Films: Dass nicht die Monster die wahren Monster sind, sondern die Menschen. Das Hauptthema von Godzilla könnte man dahingehend nun grob mit Mensch gegen Natur umschreiben. Das ist ja auch das Dilemma, vor das uns eine Technologie wie die Atomenergie stellt: Welches Risiko können und dürfen wir als Menschheit in Kauf nehmen, wenn wir von den Kräften der Natur profitieren möchten? Denn eines ist klar: Die Natur schlägt irgendwann mal zurück - in Form von Godzilla tut sie dies eben sogar wortwörtlich.

SKIP: Woran haben Sie sich denn beim Creature Design orientiert? Wie viel sollte von früheren Godzilla-Versionen erhalten bleiben?

Gareth Edwards: Uns war klar, dass die Silhouette schon sehr jener des klassischen Godzilla ähneln sollte - dabei war es speziell wichtig, die Form seiner Rückenflossen richtig hinzubekommen. Beim Gesicht war das was anderes: Das schaut in den alten Filmen oft, naja, ein bisschen dümmlich aus. Wenn man das so jetzt bringt, wirkt es unrealistisch. Wir haben dafür um die 100 unterschiedliche Designs entwickelt: da gab es die Drachenversion, die Hundeversion, die Katzenversion, die Adlerversion. Gerade das Noble eines Raubvogels hat uns letztlich besonders gereizt. Und nachdem ich eher der Hunde- denn der Katzenmensch bin, ging es auch eher in diese Richtung (lacht). Es ist schließlich eine Mischung vieler verschiedener Charakteristika geworden.

SKIP: Gab es dahingehend oder auch in anderen Belangen bestimmte Vorgaben des japanischen Rechteinhabers Toho Studios?

Gareth Edwards: Ja, es gab fünf Grundregeln, etwa was die Anzahl der Zehen oder Godzillas Herkunft anbelangt. Aber wir hatten uns davor selbst ja schon ca. 20 Vorgaben gemacht, die sich mit ihren sowieso gedeckt haben. Mir war es zum Beispiel, genauso wie Toho, äußerst wichtig, dass die Geschichte in Japan losgeht und erst danach nach Amerika kommt. Ganz einfach, weil Godzilla eine globale Angelegenheit ist.

Interview: Christoph Prenner / Februar 2014

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